Editorial
Eine neue Vision für das Gesundheitswesen
Jim Reid-Anderson
Jim Reid-Anderson ist CEO des Sektors Healthcare und Vorstandsmitglied der Siemens AG
Angesichts der zunehmenden Weltbevölkerung und der stetig wachsenden durchschnittlichen Lebenserwartung müssen wir dringend den Anstieg der Gesundheitskosten in den Griff bekommen. Die Früherkennung von Krankheiten könnte eine Antwort auf diese Herausforderung sein – davon würden alle Beteiligten profitieren: das Gesundheitssystem, die Gesellschaft und jeder Einzelne von uns.
Bei Siemens verfolgen wir die Vision, Ärzte und andere Experten des Gesundheitswesens mit allen wichtigen Informationen zu versorgen, die sie für eine immer bessere und maßgeschneiderte Behandlung brauchen. Dazu kombinieren wir drei Kernbereiche des Gesundheitssystems: die Labordiagnostik, die medizinische Bildverarbeitung und die Informationstechnologie.
Die Integration dieser Disziplinen begann mit der Akquisition verschiedener Unternehmen der Labordiagnostik: Diagnostics Products Corporation, Bayer Healthcare Diagnostics und Dade Behring. Dies machte Siemens in kürzester Zeit zum weltweiten Marktführer der In-vitro-Diagnostik (IVD) – ein 20-Mrd.-€-Markt (siehe Brustkrebs-Prognoseund Neue Bluttests). Zwar entfallen auf die IVD nur weniger als 2 % der globalen Gesundheitsausgaben, doch mehr als 70 % der klinischen Entscheidungen werden mit ihrer Hilfe getroffen. Um das Potenzial dieses schnell wachsenden Bereichs auszuschöpfen, investieren wir derzeit rund 300 Mio. € pro Jahr allein in Forschung und Entwicklung der Labordiagnostik.
Darüber hinaus ist Siemens auch weltweiter Marktführer bei der medizinischen Bildverarbeitung – einem Bereich, in dem wir pro Jahr über 700 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung investieren (siehe Bildgebende Verfahren und Brustkrebsvorsorge). Darüber hinaus sind wir die Nummer eins in der Magnetresonanz-Tomographie (MRT), der Angiographie und der Molekularen Bildgebung. Was ist die Basis für diese Stärke? Unsere innovativen Technologien, die ganz auf die Untersuchung von Patienten, die Früherkennung von Krankheiten und nicht zuletzt hocheffiziente Arbeitsabläufe ausgerichtet sind – all das, was die Behandlung verbessert und die Gesundheitskosten senkt. Bei der Computertomographie beispielsweise erlaubt unser Somatom Definition als einziger Scanner weltweit auch die präzise Darstellung eines raschen und unregelmäßig schlagenden Herzens – Betablocker und zeitaufwändige Maßnahmen sind überflüssig. Oder nehmen wir die MRT: Hier sind wir das einzige Unternehmen, das ein System anbietet, das den kompletten Körper in einem einzigen Schritt scannen kann.
Das dritte Standbein unserer Vision ist die Informationstechnologie (IT, siehe Rhönkliniken und Gesundheitsstudie). Warum ist diese so wichtig? Wir glauben, dass sich mit Hilfe der richtigen Informationen in jeder Phase der Behandlung der beste Zeitpunkt für medizinische Maßnahmen festlegen lässt. Bei Krebs kann ein Bluttest etwa Proteine aufspüren, die auf einen Tumor im Anfangsstadium hinweisen. Ein solcher Test lässt zwar vermuten, dass ein Tumor vorhanden ist, doch nur ein PET- oder MR-Scan kann letztlich herausfinden, wo er sich im Körper befindet und wie groß er ist. Die IT kann dabei die gesamte Behandlung begleiten – sie hilft, Arbeitsprozesse zu optimieren, Standards zu erfüllen und die bestmögliche Therapie zu gewährleisten.
Angesichts dieser Vision des Gesundheitssystems von morgen liegt es auf der Hand, warum sich Siemens vorgenommen hat, der weltweit erste integrierte Gesundheitskonzern zu werden. Die Artikel in dieser Ausgabe von Pictures of the Future über Früherkennung (Früherkennung in der Medizin und Rhönkliniken) malen buchstäblich dieses Bild der Zukunft – und sie beschreiben die Technologien, die bei Siemens Healthcare in Entwicklung sind und den Weg in diese Zukunft ebnen.
Ein interessantes Forschungsgebiet ist z.B. die optische Bildgebung (siehe Bildgebende Verfahren) – eine Technologie, die die Früherkennung von Krankheiten beschleunigen kann, indem sie mit Hilfe von Licht krankhafte Zellen in vivo, also im Körperinneren, erkennt. Dieses Verfahren kombiniert Diagnostik und Therapie mit zukunftsweisender Informationstechnologie. In Verbindung mit dem schnell wachsenden Verständnis von Biomarkern und immer präziseren diagnostischen Möglichkeiten werden derartige neue Technologien zu revolutionären Veränderungen im Gesundheitswesen führen. Sie werden individuellere Behandlungen und reduzierte Kosten mit sich bringen – und nicht zuletzt vor allem Leben retten.