Kooperationen – Siemens und Disney
Erfinde Deine Zukunft selbst!
Wer sich spielerisch mit den Erfindungen der Menschheit und wichtigen Zukunftstrends und -szenarien auseinandersetzen will, findet auf der Welt wohl kaum einen geeigneteren Ort als Disneys EPCOT-Park in Florida. Dahinter steht ein besonderes Team: die Verbindung der Walt Disney Imagineers mit Siemens und den Pictures of the Future.
Wahrzeichen und Besuchermagnet des EPCOT-Parks in Florida: die 50 m hohe Kugel des Spaceship Earth. Im Zentrum stehen die Innovationen vergangener Jahrhunderte und die Chancen von morgen
Auf dieser Reise vergehen die Jahrhunderte wie im Flug. Wer in diese Zeitmaschine einsteigt – und das sind jeden Tag Tausende von Fahrgästen –, der begegnet innerhalb weniger Minuten ägyptischen Pharaonen und den Phöniziern, griechischen Philosophen und römischen Kaisern, Gutenberg und Michelangelo. Er sieht die Dampfmaschine in Aktion und hört historische Radio- und Fernsehsendungen, er wird Zeuge der ersten Mondlandung und der Anfänge von Computerzeitalter und Internet … und dann, auf dem Höhepunkt dieser Reise durch die Erfindungen der Vergangenheit, wenn er in der Gegenwart angekommen ist und in ein schier unendliches Weltall mit Myriaden von Sternen blickt, fordert ihn eine Stimme auf, nun selbst aktiv zu werden und seine eigene Zukunft zu gestalten. Willkommen im Spaceship Earth, der eindrucksvollsten Attraktion von EPCOT – einem der vier großen Parks des Walt Disney World Resorts bei Orlando in Florida!
"Zusammen mit Siemens haben wir hier etwas geschaffen, was wir in dieser Intensität noch nie zuvor gemacht hatten", erzählt Pam Fisher, die als Senior Show Writer bei den Walt Disney Imagineers maßgeblich für das Konzept verantwortlich zeichnete. "Zum ersten Mal konnten wir die Besucher einer Attraktion ganz eng in das Geschehen einbinden. Sie werden selbst Teil der Story – das ist genau das, was wir bei Disney wollen: Die Leute nicht nur spielerisch begeistern, sondern sie anregen, zusammenzuarbeiten und darüber nachzudenken, wie man eine lebens- werte Zukunft gestalten kann." Bob Zalk, der zuständige Produktionsleiter für das Spaceship Earth, ergänzt: "Diese Mischung aus eigener Inspiration und realen Zukunftsentwicklungen macht die Attraktion von EPCOT aus – und dies passt perfekt zu den Zukunftsstudien, den Pictures of the Future, von Siemens. Es geht nicht um Fantasy oder Sciencefiction, sondern um Wissenschaft und Technologie. Daher sind Disney und Siemens die idealen Partner für das neue Spaceship Earth."
Lebendige Vergangenheit und Zukunft. Die Gäste aus aller Welt, die seit der Neueröffnung im März 2008 die 50 m hohe, einem riesigen Golfball ähnelnde Kugel des Spaceship Earth besuchen, werden vom Geschehen schnell gefangen genommen. Kaum haben sie den Zug bestiegen, der langsam die gewundene Rampe im Inneren der Kugel emporfährt, verstummt das übliche Stimmengewirr, und während vor ihnen die Figuren der Vergangenheit lebendig werden, lauschen sie gebannt den Erzählungen der Schauspielerin Judi Dench, die ihnen nahebringt, wie die einzelnen Erfindungen aufeinander aufbauten und die Welt schufen, in der wir heute leben. Direkt unter der Kuppel gelangen sie schließlich in ein riesiges Planetarium, wo von ferne die Erde zu sehen ist, und über ihnen lange Reihen blau-weiß schimmernder Leuchtdioden den Blick in ein schier unendliches Universum öffnen. Genau in diesem Moment erwachen die Bildschirme in den Zweierkabinen des Zugs wieder zum Leben, und die Besucher werden in der Sprache, die sie sich am Anfang gewünscht hatten, aufgefordert, Entscheidungen über ihre Zukunft zu treffen.
Universum der Möglichkeiten: Jeder Besucher kann hier seine eigene Zukunft schaffen, indem er Fragen am Bildschirm individuell beantwortet (Mitte rechts). Er erlebt sich dann selbst in einem kleinen Videofilm und kann elektronische Postkarten aus seiner Zukunft in alle Welt verschicken (rechts unten)
Welcher Teil der Zukunft interessiert Sie am meisten? Das Zuhause, die Arbeit, die Gesundheit, die Freizeit? Wo möchten Sie leben? In der Stadt oder auf dem Land? Würden Sie lieber mit Recycling-Materialien oder natürlichen Rohstoffen bauen? Was bevorzugen Sie: High-Tech oder Human Touch? Was würden Sie bei einem Notfall tun: selbst aktiv werden oder Hilfe holen? … Je nachdem, was ein Besucher wählt, ändern sich die darauffolgenden Fragen. "Wir haben 256 verschiedene Zukunftsoptionen eingebaut – jeder bekommt seine maßgeschneiderte Zukunft", sagt Ken Neville, einer der verantwortlichen Imagineers stolz, und Bob Zalk fügt hinzu: "Das ist einer der Gründe, warum viele Gäste mehr als einmal das Spaceship Earth besuchen – sie wollen sich selbst in einer immer neuen Zukunft erleben."
Denn das ist für die meisten das überraschendste Element dieser Attraktion: Wenn sie ihre Wahl getroffen haben, läuft auf dem Bildschirm vor ihnen ein Kurzfilm aus ihrer Zukunft. Sie selbst, das heißt comicartige Figuren mit ihren eigenen Köpfen, agieren in einem Video aus der Welt von morgen. Beispielsweise frühstücken sie in einem futuristischen Zuhause, lesen elektronische Zeitungen, reisen im Urlaub mit einem Mini-U-Boot, und werden bei einem Skiunfall von einem Roboter gerettet, der in drahtloser Verbindung mit einem Krankenhaus steht. Nicht nur in dieser imaginären Zukunft, sondern auch in der Erstellung dieser Videos steckt eine Menge High-tech: So wurden alle Besucher zu Beginn der Reise fotografiert, und eine intelligente Bildverarbeitungs-Software hat in den Bilder die Köpfe identifiziert, herauskopiert und in die Videos eingefügt.
Spielerisch die Zukunft entdecken: Neben den Erfindungen der Vergangenheit (kleine Bilder) begeistern vor allem interaktive Spiele die Besucher. So können sie virtuelle Energiepakete verschieben und Städte wachsen lassen (ganz oben) oder in einer Art Telemedizin ein Skelett mit Organen versorgen (unten). Schautafeln zeigen die Zusammenhänge zu Siemens-Technologien
"Es ist dieses Miteinbeziehen der Besucher und die Anregung ihrer Vorstellungskraft, die das Ganze so einzigartig macht", sagt Pam Fisher. "Für uns Imagineers wiederum waren die Szenarien in der Zeitschrift Pictures of the Future die wertvollste Quelle der Inspiration – und die Gespräche mit den Siemens-Experten, ob aus München oder Princeton oder beim RSNA-Kongress (Radiology Society of North America) in Chicago, wo wir viel über Medizintechnik gelernt haben. Die Labors von Siemens Corporate Research in Princeton haben wir auch besucht, und wir hätten am liebsten immer weiter gemacht mit dem Brainstorming, so spannend war das. Diesen selbst erlebten Wow-Effekt wollten wir an die Gäste des Spaceship Earth weitergeben."
Bilder aus der Welt von morgen. Der Wow-Effekt, dieses Noch-nie-Gesehene, endet für die Besucher noch lange nicht, nachdem sie den Zug verlassen haben – denn in diesem Moment betreten sie das "Project Tomorrow", eine große Halle, in der das Staunen erst so richtig beginnt. Viele bleiben erst einmal mit offenem Mund stehen, wenn sie vor sich eine riesige Weltkugel sehen, auf der ihre eigenen Gesichter auftauchen und dann in die Länder fliegen, aus denen sie gekommen sind. Damit nicht genug: An etlichen Kiosken können sie ihren Freunden oder sich selbst eine E-Mail-Postkarte aus der Zukunft schicken – mit ihren Fotos und einer Szene aus dem Video, das sie soeben mit ihren Zukunftsentscheidungen selbst geschaffen hatten. An den Wänden der futuristischen Halle erzählen junge Forscher – die Preisträger des Siemens-Wettbewerbs für Mathematik, Wissenschaft und Technik – in Videos über ihre Zukunftspläne, und Schautafeln berichten von neuesten Entwicklungen und Trends auf Feldern wie Gesundheit, Energieversorgung oder Mobilität – auch hier stammt vieles aus den Pictures of the Future von Siemens.
Organe für ein freches Skelett. Doch die größten Menschentrauben versammeln sich natürlich bei den interaktiven Spielen, die die Imagineers geschaffen haben. Neben einem ausgeklügelten Autorennen und Reaktionsspielen, bei denen die Spieler auch noch etwas über die Vorgänge in Muskeln und Gehirn lernen, sind es vor allem zwei Attraktionen, die für alle gleichermaßen attraktiv sind: Body Builder und Power City. Body Builder ist ein witziges 3D-Spiel, bei dem die Besucher – mit 3D-Brillen ausgestattet – versuchen müssen, ein auf einem Operationstisch liegendes Skelett mit seinen Organen zu versorgen und wieder zum Leben zu erwecken. Ob Wirbelsäule, Nieren, Herz oder Lunge … sie alle laufen auf einem Fließband vorbei, und der Spieler muss sie per Roboterarm packen und an der richtigen Stelle einsetzen – immer begleitet von den ironischen Kommentaren des sprechenden Skeletts.
So wie Body Builder ein Spiel mit Bezug zur realen Medizintechnik ist – beispielsweise zu Robotik und Telemedizin –, so ist Power City eine geradezu geniale Umsetzung einer der größten weltweiten Herausforderungen in ein spannendes Spiel für Groß und Klein: Wie können Städte mit ihrem enormen Wachstum in Zukunft möglichst nachhaltig, das heißt umweltschonend, mit Energie versorgt werden? Wie viele erneuerbare Energien können eingesetzt werden, welche anderen Energieformen werden noch benötigt und für welche Verbraucher muss wie viel Energie bereit gestellt werden? "Um dieses Spiel zu entwickeln, haben wir lange mit Siemens-Experten für Energieversorgung gesprochen", berichtet der Imagineer Brent Strong. "Wir mussten erst einmal verstehen, was die wesentlichen Elemente sind: dass es immer ein Energiemix sein wird, dass bestimmte Anwendungen mehr Energie als andere benötigen oder dass grüne Technologien eine Stadt nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch schöner machen können."
Die Walt Disney Imagineers (der Begriff verbindet "Imagination" und "Engineer") – diese weltweit wohl einzigartige Truppe von kreativen Ingenieuren, Software-Experten, Designern, Theater- und Filmfachleuten, Spieleentwicklern und Autoren – lieben solche Herausforderungen. "In unseren Hallen in Glendale bei Los Angeles haben wir viele Monate lang immer wieder neue virtuelle und reale Modelle der Spiele getestet", sagt Strong. "Bei Power City kam der Durchbruch, als wir auf die Idee kamen, Energieeinheiten hin und her zu schieben und möglichst optimal in der Stadt zu verteilen."
Mit einer Art Hockeyschläger schaufeln nun je zwei Spieler Energiepakete von den Erzeugern – das können etwa Wind- oder Kohlekraftwerke sein – zu den Verbrauchern in der Stadt, ob Privathäuser oder Industrieanlagen. Die Stadt wird dabei auf den Boden unter den Spielern projiziert, und Kameras erkennen die Hockeyschläger sowie die Energiepakete und die Kraft, mit der der Spieler die Energien in eine bestimmte Richtung treiben will. Je geschickter die Spieler dies machen, desto mehr wächst die Stadt – bis zur Megacity mit über zehn Millionen Einwohnern.
"Hinter diesem Spiel steckt eine Menge modernster Technik", erläutert Brent Strong, "die Bildverarbeitung, die Grafik, die teflonbeschichteten Schläger, die viel aushalten müssen – doch dies ist gar nicht der Grund, warum ich denke, dass Power City auch in einigen Jahren noch eine große Attraktion sein wird. Es ist die Kombination aus diesen Dingen, die Spielidee, das einzigartige Spielfeld – und die Tatsache, dass es etwas ist, das jeder in der Familie begeistert spielen kann, sei es ein Erwachsener, der versteht, was der reale Hintergrund des Spiels ist, oder ein Kind, das einfach nur Spaß am Herumschieben der Energiepakete hat." Am meisten freue ihn, sagt Strong, wenn er sehe, wie ein Opa mit seinem Enkel Power City spiele – "denn unsere Attraktionen sollen jeden erreichen, unabhängig von Alter, Geschlecht oder kulturellem Hintergrund."
Eine bessere Welt schaffen. Sein Kollege Greg Butkus, der "Vater" des Body Builders, bringt die Kooperation zwischen Disney und Siemens auf den Punkt: "Wir Imagineers sind die Experten für den Spaß – und Siemens hat die Fachleute für die technischen Zukunftsentwicklungen. Zusammen ergibt das ein unschlagbares Team. Wir bringen das spielerische Element mit hinein, und Siemens sorgt für den realen Bezug, also dafür, dass die Zukunftsvisionen im Spaceship Earth nicht zu sehr abheben." Das breite Portfolio von Siemens ist eine ideale Voraussetzung dafür, dass die Zukunftsszenarien praktisch alle Lebensbereiche gleichermaßen abdecken. Pam Fisher kann dies nur unterstreichen: "Wenn es uns gelingt, die Kinder, die hier spielen, dazu zu bringen, kreativ über ihre Zukunft nachzudenken, haben wir viel erreicht. Sie zu inspirieren, die Welt zu verbessern, ist das Wichtigste. Sie werden einst die Zukunft schaffen, in der sie und ihre Kindeskinder leben werden. If you can dream it, you can do it – das ist unser Motto."
Ulrich Eberl
Der auf zwölf Jahre angelegte Sponsor-Vertrag zwischen Siemens und Walt Disney Parks and Resorts USA wurde im Oktober 2005 unterzeichnet. Doch die Zusammenarbeit zwischen den beiden Firmen geht weit über ein reines Sponsoring oder die konzeptionelle Unterstützung für das neue Spaceship Earth und Project Tomorrow hinaus. So gibt es viele Felder, wo Disney auf Siemens-Technologie setzt: Beispielsweise sorgt Siemens für Gebäudeautomation, ?sicherheit und die Brandmeldetechnik in Disney-Parks und Resorts in der ganzen Welt, etwa in Paris, Hongkong und Orlando sowie auf Kreuzfahrtschiffen.
Osram Sylvania beliefert etliche Parks mit Lichttechnik und ist Teil eines umfassenden Programms von Disney für den Ersatz von Glühlampen durch moderne Energiesparlampen und Leuchtdioden. In den Disney-Kreuzfahrtschiffen sind auch Osram-Lösungen integriert, ebenso wie Siemens-Kontrollsysteme für die Klimaanlagen, sowie Wassertechnik und kleinere Motoren und Antriebe. Von Siemens stammt auch die Wasseraufbereitung in den Wasserparks, einigen Hotels und Themenparks. Bosch Siemens Hausgeräte zeigt innovative Technik im neuen Dream Home im Disneyland Resort bei Los Angeles und wird Ferienclubs ausstatten. Im Dream Home gibt es zudem einen speziellen Raum, der bestimmte Gäste dank RFID-Technologie von Siemens erkennen kann und sich dann automatisch entsprechend deren Wünschen verändert. Und Automatisierungstechnik von Siemens ist ein wesentlicher Faktor für den Erfolg der neuesten Attraktion der Disney Hollywood Studios, Toy Story Midway Mania: In diesem ausgeklügelten Spiel müssen die mit 3D-Brillen und einer kleinen Kanone bewaffneten Besucher verschiedenste Objekte treffen – wobei die abgeschossenen Dart-Pfeile und Bälle ebenso virtuell sind wie viele der Zielobjekte, sich aber physikalisch vollkommen korrekt bewegen. Die Automatisierung und sichere Steuerung der Fahrzeuge ist ebenso von Siemens wie die drahtlose Kommunikation zwischen den Fahrzeugen und dem zentralen Computer, der die animierten Displays kontrolliert."Die enorme Breite des Siemens-Portfolios ist für uns besonders attraktiv", sagt Russ Oja, der als Direktor für Corporate Alliances bei Walt Disney World Resort die Zusammenarbeit koordiniert. "Auch unsere Entwicklung hin zu einem noch umweltbewussteren, grünen Unternehmen könnte Siemens mit seinen Produkten und Lösungen sehr gut begleiten." Carolyn Franz, Corporate Account Manager von Siemens für Disney, sieht dies genauso: "Wir haben bereits eine ganze Reihe von Seminaren und Fortbildungsveranstaltungen mit Disney durchgeführt, um das gegenseitige Verständnis zu fördern und neue Geschäftsmöglichkeiten zu erschließen." Direkt im Pavillon des Spaceship Earth hat Siemens sogar ein eigenes VIP Center errichtet, die "Base21" (Bilder oben). Hier können Siemens-Mitarbeiter, Kunden und andere wichtige Besucher in futuristischer Umgebung nicht nur wunderbar entspannen oder Konferenzen abhalten, sondern auch neueste Technologien interaktiv erleben: Dies reicht von der Tür, die bei Annäherung plötzlich durchsichtig wird, über modernste Kommunikations- und Steuerungstechnik bis zum Magic Mirror, einem magischen Spiegel mit dreidimensionaler Gesichtserkennung.