Zukunft der Fabriken – Fakten und Prognosen
Schneller, besser, billiger
Der Weltmarkt für elektrische Automationstechnik, der je nach Definition zwischen 120 und 230 Mrd. € umfasst, wächst stetig – im Jahr 2006 laut dem deutschen Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) um 6 %. Der Anstieg des Marktvolumens ist nach Angaben von ARC Advisory Group, einem Beratungsunternehmen mit Schwerpunkt Wertschöpfungsketten und Unternehmensanwendungen, auf die Globalisierung zurückzuführen – die Devise für die Hersteller von Gütern lautet: schneller, besser, billiger. Die Produzenten müssen agiler und flexibler auf Markterfordernisse reagieren. Ebenso müssen sie ihre Kosten senken, ihre Produktivität und Leistung steigern und die Produktzyklen verkürzen. Nötig dafür sind standardisierte Plattformen und Protokolle. Außerdem müssen die Fertigungslinien nicht nur skalierbar und adaptierbar sein, sondern sich durch niedrige Wartungskosten auszeichnen.
Bedeutende Marktsegmente der Automatisierungsindustrie sind Motorsysteme, bestehend aus Umrichter, Getriebe und Motor, sowie numerische und speicherprogrammierbare Steuerungen. Laut ARC betrug im Jahr 2005 der weltweite Umsatz für Motorsysteme 5,2 Mrd. US-$, bis 2010 soll er auf 6,9 Mrd. US-$ steigen. Mit einem weltweiten Marktanteil von 13,9 % liegt bei den Motorsystemen die Firma Yaskawa vorne, gefolgt von Mitsubishi Electric mit 9,7 und Siemens mit 9,3 %.
Numerische Steuerungen (Computer Numerical Control) steuern hochpräzise, schnelle Arbeitsschritte bei Werkzeugmaschinen. Das Weltmarkt-Volumen liegt hier nach Angaben von ARC bei etwa 4,5 Mrd. US-$. Siemens liegt laut ARC mit einem Marktanteil von 33,3 % an der Spitze, gefolgt von Fanuc und Mitsubishi Electric mit 32 beziehungsweise 12,4 %. Speicherprogrammierbare Steuerungen (Programmable Logic Controllers) spielen wegen ihrer Robustheit und Verlässlichkeit eine Schlüsselrolle in der Fabrikautomatisierung. Diese Produkte werden laufend hinsichtlich ihrer Funktionalität, Kommunikations- und Diagnosefähigkeit, Skalierbarkeit und Software verbessert. ARC erwartet hier einen Marktumsatz-Anstieg von 7,5 (2005) auf 10 Mrd. US-$ (2010). Führender Lieferant für Hard-, Software und Service ist Siemens mit einem Marktanteil von 28,7 %, gefolgt von Rockwell mit 21,8 und Mitsubishi mit 14,9 %.
Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Informationstechnik (IT) an, die Produktionsabläufe nicht nur synchronisiert, sondern auch flexibilisiert und vereinfacht. Mit PLM (Produkt-Lebenszyklus-Management) möchten die Anwender alle produktrelevanten IT-Lösungen effizient verbinden. Der weltweite Markt für PLM-Produkte betrug nach einer Studie des Beratungsunternehmens AMR Research rund 11 Mrd. US-$ im Jahr 2006, 2010 sollen es 16 Mrd. US-$ sein.
Mit einem Marktanteil von 13 % (im Jahr 2005) sieht AMR Research die Firma Cadence an der Spitze. Cadence agiert vorrangig im CAD-Markt. Auf Platz zwei liegen Dassault Systems und UGS, jetzt Siemens, jeweils mit 11 %. Den größten Markt stellen die USA mit einem Anteil von 47 %, gefolgt von Europa (36 %) und Asien-Pazifik (15 %).
Die Ziele bei der Anwendung von PLM sind die Produkt- und Prozessoptimierung ebenso wie eine Verkürzung der Markteinführung, geringere Kosten, höhere Flexibilität und eine bessere Planungs- und Prozessqualität. Das U.S. National Institute of Standards & Technology hat die Ergebnisse einer Studie der Aberdeen Group bestätigt, dass sich Fertigungsunternehmen mit PLM große Vorteile erschließen: Die Firmen können die Entwicklungszeit drastisch reduzieren und die Produktivität um mindestens 20 % erhöhen. Der Umsatz der Firmen, die PLM-Lösungen installierten, stieg laut Aberdeen Group um 19 %, und die Produktions- und Entwicklungskosten sanken jeweils um etwa16 %.
Evdoxia Tsakiridou