Siemens weltweit – Siemens in Ungarn
Pionierarbeit in Ungarn
Siemens kann in Ungarn auf eine 120-jährige Geschichte zurückblicken. Bereits 1887 gründete Siemens & Halske in Budapest eine Gesellschaft zum Bau der ersten Straßenbahn. Heute erarbeiten 2 100 Mitarbeiter in Ungarn einen Jahresumsatz von 420 Mio. €. Der Schwerpunkt: innovative Produktlösungen für alle Arbeitsgebiete von Siemens.
Elegante Beleuchtung: Spiegelsysteme in 35 m Höhe werfen gleichmäßiges Licht auf die Fahrbahn
Siemens hat in Ungarn schon oft Pioniergeist bewiesen: Das reicht von der ersten U-Bahn auf europäischem Festland in Budapest (1896) über die erste elektrische Straßenbeleuchtung der Hauptstadt (1911) bis zum ersten PET/CT-Bildgebungssystem im Jahr 2005. Vor zwölf Jahren war Siemens zudem an der Umsetzung eines zukunftsweisenden Beleuchtungskonzepts des Lichtplaners Christian Bartenbach beteiligt – an der südlichsten Donaubrücke Budapests, der Lágymányosi Brücke. Dort beleuchten keine Lampen die Fahrbahn direkt. Vielmehr wird das Licht nach oben abgestrahlt und durch Spiegelsysteme reflektiert, die in einer Höhe von 35 m auf fünf Mastpylonen angebracht sind.
Diese Lichtreflektoren bestehen aus zwei Flügeln, von denen einer mit etwa 50 kleinen Spiegelkomponenten ausgestattet ist. Ein Spiegelflügel wird jeweils von einer 1-kW-Metallhalogenlampe von Osram beleuchtet. Der Vorteil: Die Spiegel sind so positioniert, dass das Licht völlig gleichmäßig auf die Fahrbahn trifft. Für Fußgänger befinden sich noch zusätzliche weitere Lichtquellen im Brückengeländer.
Bereits 1999 und 2000 wurden in Budapest und anderen ungarischen Städten Parkscheinautomaten vernetzt, um sie aus der Ferne zu überwachen – ein Projekt, mit dem Budapest neben Köln ebenfalls eine Vorreiterrolle übernahm. Siemens lieferte und installierte fast 1 250 dieser Automaten. Die Geräte sind über GSM-Module mit der Überwachungszentrale des Betreibers verbunden und übermitteln Informationen, etwa über die Tageseinnahmen, den Ladezustand des Akkus, zu Ende gehendes Druckerpapier oder Funktionsstörungen. In der Zentrale werden diese Daten mit Hilfe der Software Sity Control verarbeitet. Über SIM-Karten in den GSM-Modulen kann Sity Control die einzelnen Automaten identifizieren. Dadurch kann der Parkbetreiber die täglichen Routen seiner Teams zur Kassenleerung, Papiernachfüllung oder zum Akkuaustausch optimal planen.
Vorbildlich: Die neuen LED-Ampeln sind stromsparend, Parkscheinautomaten fernüberwacht
Leuchtdioden in Ampelanlagen. Und auch heute beweist Siemens wieder Pioniergeist in Ungarn: Derzeit ist das Unternehmen an einer cleveren Finanzierung für neue Ampelanlagen in Budapest beteiligt, die zum Vorbild für viele Städte werden könnte. In Zukunft werden die Ampeln der ungarischen Hauptstadt nicht nur heller, sondern sie entlasten auch die Stadtkasse und schonen die Umwelt. Zusammen mit dem ungarischen Signalbauunternehmen Vilati rüstet Siemens bis 2008 sämtliche Ampelanlagen mit Leuchtdioden (LED) aus – insgesamt werden 33 000 LED-Systeme an über 815 Ampelkreuzungen installiert. Die neuen Lichtquellen verbrauchen etwa 80 % weniger Strom als herkömmliche 230-V-Glühlampen. Außerdem halten die LED bis zu 100 000 Betriebsstunden – wesentlich länger als Glühlampen. Deshalb müssen sie nur etwa alle zehn Jahre ersetzt werden.
Trotz hoher Investitionskosten müssen die Stadtverantwortlichen keine zusätzlichen Belastungen fürchten. Die Kosten werden auf Monatsraten verteilt, die kleiner sind als die Einsparungen durch den geringeren Stromverbrauch und die Wartungskosten. "Nach den Berechnungen der Stadt Budapest lassen sich damit gut 800 000 € jährlich allein an Stromkosten einsparen – pro Jahr verbrauchen die Ampeln 7,6 Mio. kWh weniger Strom. Zudem werden sich die Wartungskosten um etwa zehn Prozent reduzieren", erläutert Péter Üveges, Leiter von "Intelligent Traffic Systems" bei Siemens Hungary. Das Projekt beläuft sich insgesamt auf 34 Mio. € und umfasst auch einen Wartungsvertrag bis 2013.
Innovative Lösungen erarbeitet auch die ehemalige PSE Ungarn (Program and System Engineering) mit 500 Mitarbeitern in Budapest und Szeged, die seit Januar 2007 Teil von Siemens IT Solutions and Services ist. Im Fokus stehen IT-Lösungen und -Dienstleistungen, insbesondere für Vertriebs- und Serviceorganisationen von Siemens, die weltweit angeboten werden. Die Projekte sind in der Regel standortübergreifend – neben den Standorten in Ungarn und Wien gibt es weitere osteuropäische Niederlassungen in Tschechien, der Slowakei, Rumänien und Kroatien. "In einem typischen Projekt sind drei bis vier Länder involviert. In Szeged waren beispielsweise auch schon Kollegen aus China, um die hiesigen Systemlösungen kennenzulernen", erklärt Martin Nedved, Geschäftsführer der früheren PSE Ungarn.
Elektronische Behörde. Siemens entwickelt in Ungarn unter anderem Lösungen für die Industrieautomatisierung, den Informations- und Kommunikationssektor, den Energiebereich, das Verkehrs- und Transportwesen inklusive Mautsystemen, die Gebäudetechnik, die Medizintechnik sowie die Raumfahrt oder die Biometrie. Über 90 % des Projektvolumens wird für Siemens-eigene Bereiche erbracht, die restlichen 10 % für lokale Firmen, Behörden und Einrichtungen. So erhielt im Februar 2007 die Stadt Szeged mit ihren 200 000 Einwohnern ein IT-System, um städtische Administrationsprozesse besser abwickeln zu können. Nach einer Registrierung bei der Stadtverwaltung können Bürger nun online zum Beispiel Formulare ausfüllen oder ihre Steuererklärung abgeben. Im Frühjahr 2007 standen 10 000 Internetnutzer in Szeged in den Startlöchern, um den elektronischen Service ihrer Stadtverwaltung zu nutzen. In einem weiteren Projekt mit der ESA (European Space Agency) geht es um die Analyse, Speicherung und Verarbeitung der Daten von Erdbeobachtungssatelliten.
Software-Tools und Expertenwissen sind bei Siemens IT Solutions and Services detailliert im Intranet hinterlegt. Hier können sich Mitarbeiter weltweit einloggen und über Technologien, neue Ideen und Konzepte diskutieren. Bei der Besetzung neuer Projekte wird diese Plattform auch genutzt, um Experten in das Projektteam zu integrieren. So haben die Entwickler aus dem ungarischen Szeged auch schon Kollegen in Jakarta, Indonesien, unterstützt. Mit der Technischen Universität Budapest besteht eine langjährige Zusammenarbeit. Seit zwei Jahren gibt es ein so genanntes Mobile Innovation Center – ein Konsortium verschiedener Unternehmen, Universitäten und F&E-Institute mit dem Ziel, eine systemübergreifende Mobilfunk-Infrastruktur aufzubauen. Hier kann Siemens eine Menge Kompetenz im Bereich der Kommunikation einbringen. Martin Nedved blickt optimistisch in die Zukunft: "Die erfolgreiche Integration der PSE bietet uns nun die Möglichkeit, unser Know-how – zum Beispiel auf dem Gebiet "Embedded Software" – weltweit anbieten zu können. Hieraus resultieren zahlreiche Geschäftschancen, die wir nutzen wollen".
Sylvia Trage