Nahtlose Kommunikation – Vernetztes Zuhause
Willkommen im Smart Home
Die rasante Verbreitung von Breitbandanschlüssen treibt auch die Vernetzung zu Hause voran – vor allem beim Infotainment. Siemens-Lösungen ermöglichen mehr Komfort und Sicherheit, und neue Kommunikationsstandards vereinfachen die drahtlose Vernetzung einzelner Systemkomponenten.
Pizza bestellen mit dem Schnurlostelefon: Der neue CAT-iq-Standard bindet Mobilteile ans Internet an und bietet damit viele neue Möglichkeiten – ein weiterer Schritt in Richtung vernetztes Zuhause
Mit seinem Schnurlostelefon geht Peter ins Internet, sucht die Nummer eines Pizzaservices heraus und bestellt vier Pizzen. Seine Frau Sabine hatte ihr Kommen mit den Kindern Anna und Lukas über eine Handy-Postkarte angekündigt, die Peter auf dem Fernseher empfangen hat. Wenig später: Noch bevor der Pizzabote auf den Klingelknopf drückt, hat ihn das Sicherheitssystem erkannt und die Tür geöffnet ...
Rein technisch steht diesem Szenario heute nichts im Weg. Doch umgesetzt ist eine solche Kombination von Kommunikation und Entertainment mit Sicherheitssystemen und der Steuerung von Licht, Heizung oder Rollläden nur in Vorzeigeprojekten. "Noch sind dies individuell zusammengestellte Systeme mit hohen Installationskosten und viel Aufwand für Änderungen", sagt Thomas Hauser, Experte für Raumautomatisierung bei Siemens Building Technologies (SBT).
SBT hat deshalb 2007 das funkbasierte Hausautomationssystem Synco living auf den Markt gebracht. Dieser Baukasten besteht aus einer Wohnungszentrale, mit der die Bewohner eines Hauses alle Funktionen in bis zu zwölf Räumen steuern und auf einem Display überprüfen können. Dazu kommen Raumtemperaturfühler, die die Temperatur messen und per Funk an die Zentrale senden. Ein Heizkreisregler gleicht Soll- und Istwerte für jeden Raum ab und bringt durch Verstellen der Ventile die Raumtemperatur auf den gewünschten Stand.
Synco living basiert auf KNX, einem weltweit offenen Standard für die Haus- und Gebäudesystemtechnik. Der Clou: "Je nach den Bedürfnissen der Wohnungs- oder Hausbesitzer lassen sich Heizsysteme mit Elektro- und Sicherheitsanwendungen einfach und unkompliziert kombinieren." Nicht jeder brauche vielleicht von Anfang an ein Sicherheitssystem, sagt Hauser, aber bedarfsorientiertes Heizen werde immer wichtiger. Auch sei der Installationsaufwand dank batterieversorgter Komponenten und drahtloser Funkverbindung inzwischen minimal, und bei Synco living könnten auch Produkte anderer Hersteller integriert werden, solange es KNX-Produkte seien.
Auch beim Infotainment verschmelzen die PC- und Internetwelt mit Geräten wie MP3-Player, Digitalkameras, Handys, Spielekonsolen sowie dem Fernseher. Fujitsu Siemens Computers (FSC) erwartet für das vernetzte Zuhause große Datenspeicher, auf denen Fotos, Videos, Internet- und Fernsehinhalte liegen. Nutzer können über WLAN und Internet zugreifen. FSC bietet bereits einen erweiterbaren Home Server mit einer Festplatte von 500 Gbyte an.
"Absolute Priorität hat bei uns derzeit alles rund um das Fernsehen", sagt Björn Fehrm. Der Leiter Digital Home bei FSC versteht darunter vor allem das Aufzeichnen von Sendungen auf Festplatte, die der Nutzer dann zeitversetzt anschaut. Oder "Follow-me-TV", damit kann eine Sendung unterbrochen werden, um sie etwa im Garten weiterzuschauen – auf Notebooks, die via WLAN und das Standard-Protokoll Universal Plug und Play (UPnP) angebunden sind.
Telekommunikationsfirmen bieten heute auch IPTV an, Fernsehen über einen Internetanschluss. Für Funktionen wie Zappen braucht man aber spezielle Lösungen, die reibungslos mit der Netzinfrastruktur sowie den Settop-Boxen zusammenspielen. "Seit 2000 sind wir mit unserer Plattform für IPTV am Markt. Heute übertragen damit vier europäische und mehr als 80 Anbieter in den USA Fernsehen über Breitband", sagt Udo Biro, Produktmanager für IPTV bei Nokia Siemens Networks. Mehrere 100 000 Zuschauer können damit je nach Anbieter mehr als 100 Kanäle empfangen. Sie können hochauflösendes Fernsehen genießen, Sendungen aufzeichnen und zeitversetzt anschauen oder Videos abrufen. "Künftig geht es auch um die Konvergenz der IPTV-Lösung mit Mobilfunknetzen", sagt Biro. Wer etwa unterwegs mit seinem Handy ein Foto schießt, kann dies an ein Internetportal schicken. Freunde können dann darauf zugreifen und sich das Foto auf den Fernseher herunterladen.
Drahtlose Hausautomatisierung: Mit dem modular aufgebauten Synco living von Siemens Building Technologies können auch bestehende Gebäude mit bis zu zwölf Räumen nachgerüstet werden
Lieblingssendungen automatisch finden. Dass das Fernsehen der Zukunft immer mehr personalisierte Services anbieten wird, davon ist Lydia Aldejohann überzeugt. Sie ist bei Nokia Siemens Networks für innovative Geschäftsmodelle verantwortlich. Ivon heißt ein TV-Dienst von Nokia Siemens Networks, der auf neuen hybriden Settop-Boxen funktioniert. Diese empfangen das Fernsehprogramm über herkömmliche Kabel, Satellit oder DVB-T-Kanäle und verfügen über einen DSL-Anschluss und damit einen Rückkanal für interaktive Dienste. "Wir haben für Ivon einen intelligenten Software-Client entwickelt, der dynamisch Nutzer-Profile erstellt." Damit lassen sich die Vorlieben der TV-Konsumenten erkennen und besser einschätzen, so dass die Settop-Box eigene Vorschläge auf Basis des elektronischen Programmführers (EPG) unterbreiten kann. Ivon nimmt automatisch die zum Kundenprofil passenden Sendungen auf. Diese Lösung wird in Finnland bis Ende 2007 zusammen mit dem Partner Connect TV Group Oy getestet. "Ivon könnte ab 2008 kommerziell verfügbar sein", sagt Aldejohann.
Auch die Verbindung des Telefons mit dem Internet schreitet voran: CAT-iq steht für "Cordless Advanced Technology – internet and quality" und ist die Nachfolgetechnik von DECT (Digital Enhanced Cordless Telecommunications). CAT-iq funkt weltweit im unlizenzierten Spektrum und wird nicht von WLAN oder Bluetooth gestört. "Internet-Telefonie mit CAT-iq klingt so brillant und klar, als ob der Gesprächspartner direkt neben einem stünde", sagt Erich Kamperschroer, Vorsitzender des DECT-Forums und Leiter Innovation und Technologiemanagement bei Siemens Home and Office Communication Devices (SHC). Bei Gesprächen seien die Akkulaufzeit und die Reichweite mit 50 m im Haus gegenüber WLAN-Telefonen weit höher.
Mit CAT-iq haben Schnurlostelefone direkten Zugriff aufs Internet und künftige Internet-basierte Telefonnetze. "Damit werden erstmals Anwendungen möglich wie Wählen von Nummern aus Internet-Telefonbüchern." Und Internet-Radio könnte für den Massenmarkt erschlossen werden. Laut Kamperschroer bietet CAT-iq als einzige Funktechnologie die Verteilung von Audiosignalen mit stets garantierter Qualität. Die DECT-Nachfolgetechnik ergänzt LAN und WLAN als Verteilmedium im Zuhause.
Bei hoher Datenrate, wie sie etwa mehrere Fernseher in einem Heim benötigen, gerät WLAN an seine Grenzen, das Bild ruckelt. Für leistungsfähige Heimnetzwerke hat SHC daher eine breitbandige Übertragungstechnik über Kunststofflichtwellenleiter im Angebot. Solche 1,5 mm dünnen optischen Polymerkabel schaffen bisher eine konstante Datenrate mit 100 Mbit/s bei einer Reichweite von bis zu 50 m. "Durch bessere Signalverarbeitung können wir jetzt ein Gigabit pro Sekunde, und damit zehnmal mehr Daten, mit einer erhöhten Reichweite von 100 m übertragen", sagt Sebastian Randel. Der Forscher bei Corporate Technology (CT) rechnet mit einem Prototyp für Ende 2007.
Bei CT in München arbeitet Dr. Joachim Walewski zudem an der drahtlosen Übertragung über Licht. Im Gegensatz zur Polymerfaser, die rotes Licht verwendet, wird hier das Weißlicht einer LED-Lichtquelle so schnell moduliert, dass das Auge dies nicht wahrnehmen kann. "Eine LED-Deckenlampe mit DSL-Anschluss kann nicht nur leuchten, sondern auch ein Videosignal zum TV übertragen", sagt Walewski. "Derzeit sind die erreichbaren Datenraten aber zu niedrig." Bis Ende 2008 sollen sie von nun 250 kbit/s auf 100 Mbit/s gesteigert werden.
Peter verfügt daheim bereits über solche Datenraten. Nach der Pizza schaut er mit Sabine zeitversetzt Nachrichten. Anna überträgt sich derweil über Polymerkabel Internet-TV in ihr Zimmer, und Lukas chattet mit Freunden via Webcam und tauscht mit ihnen selbst gedrehte Filme aus.
Nikola Wohllaib