Kommunikation – Szenario 2015
Der heiße Tipp
Bis 2020 werden Hersteller in der Lage sein, aus einer Idee in einem Bruchteil der heute notwendigen Zeit ein fertiges Endprodukt zu entwickeln. Der Grund: Selbst die komplexesten Produkte und Fertigungsprozesse werden dann in der virtuellen Welt entworfen und so lange getestet, bis alles perfekt ist.
Mit der Welt verbunden: In seinem vernetzten Zuhause bereitet Julian das Abendessen vor. Die Küche macht ihm anhand der vor-handenen Zutaten Vorschläge für Gerichte. Über einen großen interaktiven Bildschirm hat er zugleich Zugang zum Internet. Dort tauscht er sich mit Freunden aus und kann exotische Ingredienzien online ordern. Dank Glasfaseranschluss kann er von zu Hause aus seiner Arbeit als Spieledesigner nachgehen
Gibt es etwas Besonderes, womit ich dich zum Abendessen überraschen kann?" fragt Julian seine Frau Katharina und deutet einen Kuss an. "Du sollst mich doch beim Fahren nicht ablenken!" sagt Katharina lächelnd und blinzelt zurück. "Ich bin nicht besonders hungrig, also mach’ irgendwas, worauf du Lust hast. Ich bin schon auf dem Heimweg, mein Navi sagt, dass ich noch etwa 20 Minuten brauche." "Wollen wir nach dem Essen einen Film schauen?" "Ja, such’ was aus. Wir haben doch ein Probeabo dieses Movie-Dienstes, wo wir automatisch Vorschläge von Filmen bekommen, die uns gefallen könnten. Aber nimm’ eine romantische Komödie. Bis dann, hab dich lieb." Das Gesicht ihres Mannes verschwindet aus der Ecke der Windschutzscheibe und auf dem Head-up-Display tauchen wieder die Daten des Navigationssystems mit den Fahranweisungen auf.
Katharina ist Ärztin und hat sich mit einer Beratungsfirma selbstständig gemacht. Sie ist spezialisiert auf die Vernetzung der Datenwelten im Gesundheitswesen; zu ihren Kunden zählen größere Kliniken aber auch kleinere Gemeinschaftspraxen. Seit ihrem Studium vor 20 Jahren hat sich der Arztberuf dramatisch gewandelt. Heilkunde ist heute eine Branche, in der sich mehr Biotechnologen, Computerexperten und Software-Entwickler tummeln als Ärzte. Das klingt kompliziert, aber dank der integrierten Diagnostik und Therapie ist vieles einfacher als früher. Informationen über Patienten, ihre Krankengeschichte und vor allem vergleichbare, anonymisierte Schicksale sind heute für alle Beteiligten verfügbar, was Ärzten die Arbeit enorm erleichtert. Sie können so rascher eine genaue Diagnose stellen – auch mit Hilfe der Gen- und Proteindatenbanken –, und sehr individuell die beste Therapie oder Medizin auswählen. Katharina hilft den Kliniken bei der Integration der Informationstechnik in den täglichen Arbeitsablauf. Heute hat sie bei einer privaten, neu gebauten Herzklinik ein Software-Update installiert.
Ihr Mann Julian hat sein Hobby zum Beruf gemacht und arbeitet zu Hause: Er entwickelt Szenarien für RealNetGames, einen der größten Anbieter von Onlinespielen. Über den 10-Gigabit-Glasfaser-Anschluss kann er auf vier großen Displays die dreidimensionalen Welten des Rollenspiels "Fellows of Glendalough" gestalten. Zusammen mit Kollegen tüftelt er gerade an einem Zusatzfeature, das in zwei Monaten für die 250 Millionen aktiven Mitglieder der Fantasy-Spielewelt freigeschaltet werden soll: "Der Abgrund" – ein Höhlensystem, in dem die Spieler auf eine völlig neue Gattung von Wesen treffen werden, die zunächst sehr aggressiv agieren, sich später aber als intellligente Einwohner einer unterirdischen Parallelwelt entpuppen sollen. In den vergangenen Wochen hat sich Julian deshalb intensiv in Web-2.0-Communities mit Höhlenforschern ausgetauscht, damit das Szenario so realistisch wie möglich wird. Weil sein Arbeitsplatz mit allen Projektpartnern vernetzt ist, kann Julian mit seinen Kollegen optimal zusammenarbeiten. Neue Ideen oder Änderungen an den 3D-Welten sind sofort für alle verfügbar. Da das System auch die Historie aufzeichnet, können frühere Zustände wieder hergestellt werden. Julian entwirft gerade eine komplette Stadt an einem unterirdischen Fluss.
Doch jetzt muss er sich um das Abendessen kümmern. Vorher hat er noch aus den Vorschlägen des Web-Dienstes ausgewählt und einen Film per Video-on-Demand bestellt, "Harry und Sally 2" – ein Klassiker und ein Lieblingsfilm seiner Frau. Wirklich faszinierend, wie diese interaktiven Datenbanken aus dem eigenen Medienverhalten exakte Profile erzeugen. Auch die anderen Filme hätten Katharina gefallen. Sein Sohn Max hat seine Schularbeiten beendet und ist inzwischen in sein Science-Fiction-Lieblingsspiel eingetaucht. Im Nebenzimmer vollführt er Kampfgesten und duckt sich vor imaginären Gegnern. Julian schaut auf die Liste mit Gerichten, die ihm die intelligente Küche zusammengestellt hat und die zu den Zutaten im Kühlsystem passen. Er entscheidet sich für Spaghetti Carbonara, weil noch fünf Eier da sind und der Bio-Bauer laut Bestellliste übermorgen die nächste Lieferung bringt.
Der Klingelton seiner Frau unterbricht ihn beim Zwiebelschneiden. Ihr Gesicht taucht in einem Fenster des großen Küchendisplays auf. "Julian, sorry, es gibt eine kleine Änderung im Abendprogramm. Gerade hat mich eine Klinik angerufen, da spielt die Patientendatenbank verrückt. Vermutlich ist es ein Serverproblem und liegt nicht an meiner Software, aber das kann ich nur zusammen mit Cynthia herausfinden. Ich bin hier gerade an einem Breitband-Hotspot und habe über das Car-to-Car-Netz eine gute Verbindung. Das dauert eine Weile, weil wir vermutlich sämtliche Logfiles überprüfen müssen. Zum Dank habe ich übrigens Cynthia für später zum Abendessen eingeladen. Schatz, machst du bitte was Besonderes? Was sie noch nicht kennt? Tschüss, da kommt der Rückruf von Cynthia, wir müssen ran…"
Julian grummelt ein wenig vor sich hin und schaltet das Wasser für die Nudeln wieder aus. Dann loggt er sich in seine Koch-Community ein. 247 Mitglieder sind online, wie er auf dem Fenster der Webseite sieht. Einer der Hobbyköche wird ihm doch einen Tipp geben können. Per Drag and Drop schiebt er die zur Verfügung stehenden Zutaten in ein Fenster und startet die Messaging-Anwendung. Nach kurzer Zeit kommen erste Rückmeldungen, darunter auch von Rob aus England. Julian kennt ihn von einem Online-Kurs der Schule des spanischen Kult-Kochs Ferran Adrià. Er wählt Rob mit einem Klick direkt an und in einem weiteren Fenster baut sich eine Video-Verbindung auf.
Julian erklärt ihm die Lage. "Du magst diese Cynthia also nicht besonders", sagt Rob. "Dann rate ich Dir zu überbackenem Curry-Fisch in Kokosmilch mit Pfefferkruste, Blattspinat und gedämpften Kartoffeln. Die richtige Korma-Paste und die Kokosmilch bestelle ich Dir bei ‚Bombay Kitchen’, die haben auch in Deutschland ihre Vertragshändler und liefern in 20 Minuten", erklärt Rob. Julian bedankt sich und holt den Fisch aus der Tiefkühltruhe…
Eine Stunde später sitzen Cynthia, Katharina, Julian und Max beim Essen. "Wow, Papa, du hast dich selbst übertroffen", sagt Max. "Wirklich, schmeckt klasse", fügt Katharina hinzu. Cynthia schabt unterdessen zerstoßene Pfefferkörner vom Fisch. Auf ihren Wangen leuchten rote Flecken, und auf ihrer Stirn glänzen Schweißperlen. "Ja, sehr gut", lobt sie. "Danke nochmal für die spontane Einladung." "Gerne", schmunzelt Julian. "Du bist immer willkommen…"
Norbert Aschenbrenner
Fünf Milliarden online
Enorme Bandbreiten vor allem in der mobilen Kommunikation schaffen völlig neue Möglichkeiten des sozialen Austauschs mehr
Einfachheit ist Trumpf
Benutzerfreundlichkeit ist der Schlüssel zum mobilen Internet, wie Nokia-Strategiechef Jarkko Sairanen im Interview erklärt mehr
Starke Gemeinschaft
Nokia Siemens Networks ist führend bei Festnetz und Mobilfunk. Neue Entwicklungen sollen den Vorsprung vergrößern mehr
Vernetzte Power
Effiziente Energietechnik ist ohne Hightech-Kommunikation unmöglich. Moderne Leitsysteme werden per Internet gesteuert mehr
Hacken für Siemens
Experten von Corporate Technology dringen zum Test in Computersysteme ein und helfen so, die Anlagen sicherer zu machen mehr
Integrierte Versorgung
Patienten profitieren von der Vernetzung im Gesundheitswesen: Sie werden besser und kostengünstiger betreut mehr
Phönix aus der Asche
Das Wiedererstarken von Buenos Aires nach der Finanzkrise gründet sich auch auf eine starke Kommunikationsinfrastruktur mehr