Nahtlose Kommunikation – Interview
"Die größte Herausforderung: Benutzerfreundlichkeit"
Interview mit Jarkko Sairanen
Jarkko Sairanen (43)
ist für Geschäftsstrategie und Technologieplanung des weltgrößten Handyherstellers Nokia verantwortlich. Zuvor arbeitete er unter anderem bei Boston Consulting. Er hat einen MBA-Abschluss von INSEAD und einen M.Sc. von der TU Helsinki
Wenn Sie in zehn Jahren Kontakt mit einem Freund aufnehmen wollen, wie sieht dann Ihr Mobiltelefon aus?
Sairanen: Es wird eine große Vielfalt geben, zum Beispiel Handys so klein wie Armbanduhren. Oder Handys, die kunstvoll und sehr hochwertig gearbeitet sind. Ein weiteres Beispiel: Auf dem neuen Nokia N95 mit vollem Internetzugang laufen alle Anwendungen wie auf einem Computer. Das wird wohl weiterentwickelt werden und dann so leistungsfähig sein wie heute die besten Laptops, aber so klein wie heutige Telefone. Wir werden damit Sprache, Daten und Bilder mit hoher Datenrate austauschen. Und es wird auch Handys mit größeren Displays geben, der optische Eindruck wird sehr wichtig.
Welche Bandbreite wird von unterwegs verfügbar sein?
Sairanen: Mehr als 100 Mbit/s.
Das wäre dann rund zehnmal so viel wie heute bei HSDPA. Wer setzt hier eigentlich die Trends? Sind es die Netzbetreiber, die mehr Datenrate und Anwendungen zur Verfügung stellen oder die Handy-hersteller mit leistungsfähigen Geräten?
Sairanen: Beide. Daneben kommen derzeit viele Innovationen von Software- oder Internetfirmen wie Google oder Yahoo. Und von Start-ups, die im offenen Internet sehr schnell Innovationen vorantreiben.
Welche Rolle spielt für Sie Nokia Siemens Networks als Anbieter von Infrastruktur?
Sairanen: Wir arbeiten mit Nokia Siemens Networks auf vielen Gebieten zusammen, unter anderem, um der mobilen Kommunikation neue Märkte zu erschließen. So haben wir zusammen auf dem EU-Afrika Business Forum in Ghana im Juni 2007 gezeigt, wie mehr Menschen Zugang zu Kommunikationsnetzen erhalten können, sowohl in urbanen wie in ländlichen Gegenden. Im täglichen Geschäft helfen uns die Kollegen, unsere starke Position im Handygeschäft zu verbessern. Umgekehrt profitieren sie von unseren Erfahrungen mit Endkunden, wenn sie Netzbetreibern neue Lösungen anbieten.
Werden Sie ein Handy produzieren, das alle Übertragungsstandards beherrscht?
Sairanen: Man kann unsere Geräte heute schon als Multifunk-Produkte bezeichnen. Sie unterstützen GSM, Edge, UMTS, Bluetooth, UKW Radio, DVB-H, Near Field Communication (NFC) und GPS. WiMAX kommt nächstes Jahr. Technologisch gibt es natürlich Herausforderungen, etwa beim Energiemanagement und dem Design der Antennen.
Hat ein Unternehmen eine Zukunft, das nur Mobiltelefone verkauft?
Sairanen: Das ist für uns ein sehr wichtiger Punkt. Unsere Strategie ist es, den Menschen mehr zu bieten als nur ein mobiles Gerät. Die Verbraucher wollen einfache, intuitive Bedienung, und sie wollen Erlebnisse. Deshalb bündeln wir auf unserem Portal Ovi verschiedene Internetangebote, etwa Nokia Maps. Die Kunden können sich Karten auf ihre Handys herunterladen und sich anzeigen lassen, wie sie zu ihrem Ziel kommen und wo die nächsten Restaurants oder Tankstellen sind. Mehrere unserer Handys haben E-Mail-Zugang. Und wir waren die ersten, die mit der S60-Smartphone-Software eine offene Plattform mit Web-Browser geschaffen haben, die den Besitzern erlaubt, selbst neue Software herunterzuladen, um ihr Gerät zu personalisieren.
Wo liegt Ihrer Ansicht nach die größte Herausforderung in den nächsten zwei bis fünf Jahren?
Sairanen: Wenn ich mich auf eine beschränken muss, würde ich Benutzerfreundlichkeit nennen. Die technische Entwicklung schreitet rasch voran, aber die Herausforderung ist, wie all das integriert werden kann, sodass es praktisch alle Anwender überzeugt. Ein Handy muss so einfach zu bedienen sein, dass man es ohne Anleitung benutzen kann. Wenn wir das gut hinbekommen, wird es das Leben von Milliarden Menschen bereichern.
Interview: Norbert Aschenbrenner