Nahtlose Kommunikation – Fakten und Prognosen
Boom der Breitbandtechniken
Digital Subscriber Line (DSL) ist heute weltweit die bevorzugte Festnetz-Technik, um im Internet zu surfen, Fotos oder Videos auf eine der beliebten Web-2.0-Seiten hochzuladen und immer häufiger auch zum Fernsehen. Zwei von drei der insgesamt 281 Millionen Breitbandnutzer nutzten im Dezember 2006 laut den Analysten von Point Topic die DSL-Technik (Grafik unten). Die Stanford Group Company geht für das Jahr 2009 bereits von 258 Millionen DSL-Nutzern aus. Weniger verbreitet sind Kabelmodems, Satellitenverbindungen oder Glasfaser.
Viele Experten glauben indes, dass Nutzer in naher Zukunft mehr mit mobilen Endgeräten ins Internet gehen werden als mit stationären Rechnern. Schließlich wurde laut dem europäischen Marktforschungsinstitut European Information Technology Observatory (EITO) im August 2007 weltweit die Drei-Milliarden-Grenze bei Mobilfunkanschlüssen geknackt.
2010 wird nach EITO diese Zahl vier Milliarden erreichen, bis 2015 soll noch eine weitere Milliarde hinzukommen. Darunter fallen SIM-Karten für Handys und Smartphones ebenso wie Datenkarten für Notebooks. Das größte Wachstum geschieht in Asien, vor allem in China und Indien, sowie in Lateinamerika. In Indien kommen jeden Monat sechs Millionen neue Handykunden dazu.
Bei den Datenraten haben Funknetze noch enormes Potenzial. Die Netze der dritten Mobilfunkgeneration (3G) mit derzeit 114 Millionen UMTS-Nutzern weltweit werden gerade von 384 Kilobit pro Sekunde (kbit/s) auf höhere Übertragungsraten aufgerüstet. Weltweit sind laut der GSM Association (GSMA), dem internationalen Branchenverband von 700 Mobilfunkbetreibern, inzwischen 155 UMTS-Netze in 68 Ländern "on air". 110 dieser Netze in 57 Ländern haben bereits die Ausbaustufe High Speed Packet Access (HSPA) angeschaltet und 52 weitere Netzbetreiber wollen die Technik demnächst nutzen.
Mit HSPA steigt die Übertragungskapazität von gegenwärtig maximal 7,2 Mbit/s beim Herunterladen (DL) und 1,46 Mbit/s beim Hochladen (UL) über verschiedene Ausbaustufen bis auf 14,4 Mbit/s (DL) und 5,72 Mbit/s (UL). Schätzungen zufolge wird HSPA die führende UMTS-Technologie mit etwa einer Milliarde Nutzer weltweit im Jahr 2012.
Ab 2009 erwarten Netzausrüster wie Chiphersteller, dass noch stärker aufgerüstete UMTS-Netze noch höhere Bandbreiten bieten werden. In Kombination mit speziellen Übertragungsverfahren wie OFDM (Orthogonal Frequency Division Multiplexing) sowie Mehrantennensystemen gehen sie von bis zu 42 Mbit/s (DL) und 11 Mbit/s (UL) aus. Die vierte Generation der Mobilfunknetze, deren Standardisierung in Kürze beginnt, soll dann ab 2011 sogar 100 Mbit/s und mehr bieten.
Gleichzeitig starten derzeit Netze mit der Funktechnologie WiMAX (Worldwide Interoperability for Microwave Access). Analysten von Credit Suisse First Boston gehen davon aus, dass über mobiles WiMAX Datenraten von zwei Mbit/s bis zu 70 Mbit/s möglich sind. Experten von Arthur D. Little erwarten für mobiles WiMAX bis zu 16,8 Mbit/s in der Spitze.
Endgerätehersteller reagieren weltweit auf das Nebeneinander verschiedener mobiler Breitbandtechnologien und bieten Handys, Smartphones, Handhelds und Notebooks an, die mehrere Technologien an Bord haben. Die Marktforscher von Frost & Sullivan heben vor allem Handys hervor, mit denen sowohl in Mobilfunknetzen als auch kostengünstiger über WLAN telefoniert werden kann. Die Experten von Strategy Analytics prognostizieren, dass 2009 etwa 15 Millionen Notebooks mit integrierten 3G-Modems ausgeliefert werden. Konkurrierend kommen auch Intel WiMAX-Chipsätze in Notebooks hinzu.
Auch die Industrie sieht große Vorteile in hohen Bandbreiten, etwa beim Einsatz von Industrial Ethernet in Fabriken. Der Markt für industrielle Ethernet-Geräte wächst einer Studie der ARC Advisory Group von 2005 zufolge in den kommenden Jahren jährlich um über 51 %. Demnach wird die Anzahl der ausgelieferten industriellen Ethernet-Geräte von derzeit 3,1 Millionen auf 6,6 Millionen im Jahr 2009 wachsen. Auch Industrial Wireless Lan (IWLAN) ist auf dem Vormarsch. Laut ARC Advisory Group wird der Markt für drahtloses Industrie-Equipment von 453 Mio. US-$ im Jahr 2007 auf 1 Mrd. US-$ im Jahr 2010 wachsen.
Nikola Wohllaib
DSL dominiert weltweit die Festnetz-Breitbandanschlüsse
Boom bei Ethernet-Verbindungen
Hohe Nachfrage nach Funktechniken in der Industrie