Nachhaltige Stadtentwicklung – Gebäudeautomatisierung
Mehr als grüne Fassade
Mit fast unsichtbarer Technologie können große Gebäude wie Hotels oder Bürotürme umweltfreundlicher denn je betrieben werden. Intelligente Vernetzung senkt dabei nicht nur die Kosten"sie eröffnet auch neue Möglichkeiten der Gästebetreuung.
Zentrale der Chesapeake Bay Stiftung: Vorbild in Sachen Umweltschutz (große Bilder). Das Mövenpick-Hotel in Frankfurt verfügt über eine besonders effiziente Gebäudetechnik (kleine Bilder)
Manchmal sind die Dinge ganz einfach: Wir schonen unsere Umwelt am besten, wenn wir Wasser und Energie so effizient wie möglich nutzen. Gleichzeitig sind Gebäude auf diese Weise am rentabelsten zu unterhalten. Der Trend bei der Planung großer Komplexe wie Hotels, Büros, Krankenhäuser oder Universitäten heißt daher Green Buildings. Das umfasst die gesamte Interaktion des Gebäudes mit seiner Umwelt: Verträglichkeit mit dem Standort, verwendete Materialien, Bauweise und natürlich die gesamte Gebäudetechnik. Wer diese Faktoren optimal berücksichtigt, vernetzt und sinnvoll steuert, spart viel Geld und handelt zugleich im Sinne der Nachhaltigkeit.
Ganz so einfach sind die Dinge dann aber doch nicht: Denn kein Gebäude gleicht dem anderen, und die Nutzer stellen hohe Anforderungen, was vor allem Hotelmanager zu spüren bekommen. Dennoch lassen sich unterschiedliche Ziele wie Kostensenkung oder Gästezufriedenheit immer besser mit dem Umweltgedanken vereinbaren. Siemens verbindet mit seinem Gebäudekonzept Total Building Solutions die verschiedenen Systemwelten eines Gebäudes miteinander und eröffnet damit neue Möglichkeiten, dieses zu nutzen und zu bewirtschaften.
Der Trend zur Nachhaltigkeit hat verschiedene Ursachen: Viele Menschen in den westlichen Industrieländern orientieren ihren Lebensstil an der Natur. Sie wollen unbelastete Lebensmittel, Kleidung aus Naturfasern und Möbel ohne giftige Stoffe. Und steigende Preise machen Energiesparen attraktiv. Unternehmen haben darauf reagiert, indem sie zunehmend ausgefeilte Systeme entwickelten, etwa hocheffiziente Heizungsanlagen oder Wassersparsysteme.
Natürliche Brise nutzen. Die USA erleben derzeit einen regelrechten Nachhaltigkeits-Boom. "Sowohl die öffentliche Verwaltung als auch die Firmen haben erkannt, dass dieses Konzept kein Kostentreiber ist, sondern im Gegenteil zu teils drastischen Einsparungen führt", erklärt Richard Walker, USA-Spezialist für umweltfreundliche Lösungen bei Siemens. Ein besonders fortschrittliches Belüftungs- und Kühlungssystem hat Siemens im Hauptgebäude der Chesapeake Bay Foundation (CBF) verwirklicht. Die Chesapeake Bay ist das größte Flussmündungsgebiet der USA, und die Stiftung kämpft für den Erhalt dieses einzigartigen Ökosystems. Kein Wunder, dass sie beim Bau ihres Gebäudes allergrößten Wert darauf legte, sowohl recyceltes als auch recycelbares Material zu verwenden und den Wasserverbrauch mit Hilfe von Regenwasserzisternen und Kompost-Toiletten um 90 % zu senken. Ihre Zentrale ist eines der "grünsten" Bürogebäude in den USA"die CBF erhielt dafür die Platin-Auszeichnung für Leadership in Energy and Environmental Design (LEED).
Das Belüftungssystem der CBF nutzt die allgegenwärtige Brise in der Bucht. Feuchtigkeits- und Temperaturmessgeräte innerhalb und außerhalb des Gebäudes geben ihre Daten ans System weiter, das sich selbstständig abschaltet, wenn keine künstliche Heizung oder Kühlung erforderlich ist. In den Räumen signalisieren Leuchtanzeigen den Mitarbeitern, die Fenster zu öffnen. Siemens teilte die Klimatisierung in einzelne Zonen auf. Jetzt können etwa die unteren Etagen heizen, während es oben aufgrund der Sonneneinstrahlung warm genug ist. Über Sensoren an den Türen der Konferenzräume, die sich zur Dachterrasse öffnen, registriert die Steuerung, wann die Türen offen sind und schaltet die Klimaanlage ab. Das Beispiel zeigt den Trend in der Gebäudeautomatisierung: Wird ein schlüssiges Energiesparkonzept bereits beim Bau berücksichtigt, sinken die Investitions- und Energiekosten deutlich. Der Betrieb des CBF-Verwaltungssitzes benötigt etwa zwei Drittel weniger Energie als ein vergleichbares herkömmliches Bürogebäude.
Planung aus einer Hand. Siemens Building Technologies (SBT) hat mit diesem Ansatz auch die Bauherren des neuen Mövenpick Hotels in der Frankfurter Innenstadt überzeugt. Statt der klassischen Gewerketrennung in Elektro- und Gebäudetechnik umfasst die Lösung Elektroanlagen, Schalter und Steckdosen, Brandmeldesysteme, Videoüberwachung, Zutrittskontrollen bis hin zur Gebäudeautomatisierung und dem Parkraummanagement. Die Vorteile: Die Planung aus einer Hand benötigt weniger Zeit und Geld, Kabeltrassen werden gemeinsam genutzt und die Auftraggeber haben nur einen Ansprechpartner, der auch die Abnahme für die gesamten Anlagen gebündelt übernimmt.
Doch das ist erst der Anfang. Die intelligenten Verknüpfungen der Systemsteuerungen eröffnen ganz neue Möglichkeiten. In Hotels der Oberklasse sind die Betreiber auf der Suche nach Lösungen, die auf die Bedürfnisse ihrer Gäste maßgeschneidert sind. Es geht vor allem um "grüne" Hotels, Geschäftshotels und Hotels mit einem sehr hohen Sicherheitsstandard. Allen gemeinsam ist der Anspruch des perfekten Service. "Der Gast will nicht wissen, dass er Teil eines Systems ist, sondern will immer individuell betreut sein", erklärt Michael Hartmann, Sektormanager Hospitality bei Siemens. Gerade Vielreisende verlangen persönliche Zuwendung. Wenn der Stammgast Champagner bestellt, sollte das Personal wissen, welche Marke er bevorzugt. Ebenso welche Blumen er liebt und ob er gerne besonders große Handtücher hätte. Ärgernisse, wie Licht, das sich partout nicht ausschalten lässt, oder Telefonanzeigen, die nachts leuchten, sollen der Vergangenheit angehören.
Dazu ist zweierlei notwendig: Erstens ein Bediengerät, mit dem Gäste aller Altersstufen mühelos umgehen können. "Wir denken an ähnliche Designs wie der iDrive von BMW oder der iPod von Apple", sagt Hartmann. Zweitens eine neue IT-Architektur, damit Hotels die Vielzahl ihrer Steuerungssysteme "von der Klimaanlage übers Telefonnetz bis zu den Back-Office- und Monitoring-Systemen" zentral kontrollieren können, auch um die Sicherheit zu erhöhen. Beides wird zurzeit von Siemens entwickelt.
Mit dieser unsichtbaren Technologie lassen sich vielfältige Ideen verwirklichen. So können Hotels ihren Gästen mit so genannten Energy-Score-Cards für umweltschonendes Handeln danken. Der Energieverbrauch pro Zimmer wird errechnet. Wenn er besonders niedrig ist, können die Gäste beispielsweise Rabatt für die nächste Buchung erhalten. Das kann zu einem wichtigen Marketing-Element werden, da "grüne" Hotels meist von umweltbewussten Gästen genutzt werden. Ganz aktuell ist der Trend zu "Eco-Luxury": Resorts und Lodges, die den höchsten Ansprüchen genügen, aber in einem für die Umwelt verträglichen Maß. Diese Anlagen liegen an landschaftlich schönen Plätzen und fügen sich aufgrund ihrer Gestaltung und der Baumaterialien harmonisch ein. Statt gechlorter Pools gibt es künstliche Badeseen, die der Natur täuschend echt nachempfunden sind. Brauchwasser wird gefiltert und wieder verwendet.
Hotel unter Wasser. Völlig gegensätzliche Erlebniswelten entstehen derzeit vor allem im Nahen Osten, aber auch in den USA. So das Flyotel in Dubai, das wie ein Flügel 200 Meter über dem Meer in den Himmel ragen und das berühmte Burj al Arab in den Schatten stellen soll. Im neuen Stadtteil Bawadi entstehen Hotels mit insgesamt 29 000 Betten, davon allein 6 500 im Asia-Asia-Hotel, dem dann größten der Welt. In Las Vegas errichtet die MGM-Mirage-Gruppe ein "grünes" Citycenter mit einem 4 000-Betten-Hotel, Spielcasino, Einkaufszentren und Luxus-Eigentumswohnungen. Siemens liefert einen großen Teil der Anlagen (Hotelkomplexe). Auch bei einem weiteren, spektakulären Hotelprojekt, dem Hydropolis, wird Siemens beteiligt sein. Noch 2006 soll mit dem Bau im persischen Golf vor Dubai begonnen werden. Das 200-Zimmer-Hotel wird 20 m unter dem Meeresspiegel liegen. Der Münchner Architekt Joachim Hauser wurde von der Entwicklungsbehörde in Dubai mit der Planung beauftragt.
Ohne Infrastruktur sind solche Mega-Projekte undenkbar. "Sie brauchen Energie, sie brauchen Wasser", fasst Michael Hartmann die Grundbedingungen zusammen. Mit dem Bau von Kraftwerken, Stromverteilungssystemen, Wasserpumpen und Recyclinganlagen ist Siemens von Anfang an ein Partner rund um die Welt. Einige Hoteliers denken indes schon über unseren Globus hinaus: So hat Star-Architekt Peter Inston für die Hilton-Gruppe das Luna-Hilton geplant, das ab etwa 2050 auf dem Mond eröffnet werden könnte. Das ist noch Zukunftsmusik, aber Siemens ist bereit, auch hier den Taktstock zu schwingen.
Katrin Nikolaus