Nachhaltige Stadtentwicklung – Fakten und Prognosen
Das urbane Millennium
Anteil der in Slums lebenden städtischen BevölkerungQuelle: UN-Millenniumsprojekt 2005 (UN-Habitat 2003)
Nach einem aktuellen Bericht des Siedlungsprogramms der Vereinten Nationen (UN-Habitat) werden 2007 erstmals mehr Menschen in Städten leben als auf dem Land. 2050 werden es sogar zwei Drittel sein; vor allem in Afrika, Asien und Lateinamerika. Viele davon leben in verwahrlosten Vierteln, ob in Nairobi, Mumbai oder Jakarta – eine Milliarde Slumbewohner gibt es bereits weltweit. In Mumbai teilen sich 42 % der Familien je 10 m&2sup; Wohnraum; 95 % haben keinen Wasseranschluss.
Viele Megacities – Städte über zehn Millionen Einwohner – stehen vor ähnlichen Problemen: ein schnelles Bevölkerungswachstum, verbreitete Armut, illegale Wohngebiete, schlechte Umweltbedingungen sowie Probleme des öffentlichen Gesundheitssystems und der Organisation der Verwaltung. Den Verantwortlichen fehlt es oft an Kapazitäten, umfassender Kompetenz sowie Kapital. Die zentrale Herausforderung im 21. Jahrhundert besteht deshalb darin, städtisches Wachstum im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung so zu lenken, dass die Wirtschaft floriert, ökologische Ziele berücksichtigt werden und soziale Benachteiligungen verringert werden.
Das verfolgen auch die so genannten Millennium Development Goals (MDG). Sie wurden im Jahr 2000 von Vertretern der UN, der Weltbank, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und anderen Organisationen erarbeitet. So soll etwa die Zahl der in extremer Armut lebenden Menschen bis 2015 halbiert werden, ebenso der Anteil der Menschen ohne Zugang zu Trinkwasser. Dafür müssten jährlich für über 100 Millionen Menschen Wasseranschlüsse geschaffen werden.
| Studie zur weltweiten Lebensqualität 2006 | |||
| Platz | Stadt | Land | 2006 |
| 1 | Zürich | Schweiz | 108,2 |
| 2 | Genf | Schweiz | 108,1 |
| 3 | Vancouver | Kanada | 107,7 |
| 4 | Wien | Österreich | 107,5 |
| 5 | Auckland | Neuseeland | 107,3 |
| 6 | Düsseldorf | Deutschland | 107,2 |
| 7 | Frankfurt | Deutschland | 107,0 |
| 8 | München | Deutschland | 106,8 |
| 9 | Bern | Schweiz | 106,5 |
| 16 | Berlin | Deutschland | 105,1 |
| 28 | San Francisco | USA | 103,2 |
| 33 | Paris | Frankreich | 102,7 |
| 34 | Singapur | Singapur | 102,5 |
| 35 | Tokio | Japan | 102,3 |
| 36 | Boston | USA | 101,9 |
| 39 | London | Großbritannien | 101,2 |
| 46 | New York | USA | 100,0 |
| 55 | Los Angeles | USA | 98,3 |
| 62 | Rom | Italien | 97,4 |
| 68 | Hongkong | Hongkong/China | 95,4 |
| 78 | Buenos Aires | Argentinien | 87,3 |
| 81 | Santiago | Chile | 86,5 |
| 83 | Kapstadt | Südafrika | 86,0 |
| 85 | Dubai | Ver. Arab. Emirate | 85,2 |
| 87 | Johannesburg | Südafrika | 84,0 |
| 89 | Seoul | Südkorea | 83,0 |
| 103 | Shanghai | China | 80,1 |
| 107 | Bangkok | Thailand | 77,7 |
| 108 | Istanbul | Türkei | 77,1 |
| 117 | Rio de Janeiro | Brasilien | 74,5 |
| 122 | Peking | China | 73,4 |
| 128 | Mexiko-Stadt | Mexiko | 71,7 |
| 131 | Kairo | Ägypten | 71,2 |
| 150 | Mumbai | Indien | 61,0 |
| 150 | Neu-Delhi | Indien | 61,0 |
| 160 | Chennai | Indien | 58,3 |
| 171 | Karachi | Pakistan | 54,9 |
| 173 | Moskau | Russland | 54,8 |
| 199 | Lagos | Nigeria | 41,8 |
| 215 | Bagdad | Irak | 14,5 |
| Quelle: Mercer Human Resource Consulting, 2006 (New York = 100) | |||
Die globale Städte-Koalition Cities Alliance beschäftigt sich seit 1999 unter anderem mit Slumsanierungsprogrammen, die helfen, Wachstum zu planen und das Entstehen neuer Slums zu verhindern. Beispiel Bogotá: In der kolumbianischen Hauptstadt wurden rund 600 000 Bewohner in das Programm einbezogen. Die Stadt erweiterte das Trinkwassernetz um 78 ha, es versorgt nun über 5 000 Haushalte zusätzlich. Knapp 3 800 Haushalte wurden neu an die Abwasserentsorgung angeschlossen. Außerdem wurden zahlreiche Fußwege, Plätze, Schulen, Kinderspielplätze, Parks und Bürgerzentren errichtet. Ein anderes Beispiel: Bangladesch. Hier sank der Anteil der Ärmsten mit Einkommen von unter einem Dollar pro Tag seit 1995 um 15 %, und das Wirtschaftswachstum betrug 6 % im Jahr. Ein Grund für den Erfolg waren Minikredite für Privat- und Geschäftsleute, mit denen sich viele eine Existenz aufbauen konnten.
Kommunen erhalten immer mehr Verantwortung und neue Möglichkeiten, Stadtentwicklung aktiv zu gestalten. In den Dialog müssen auch die Slumbewohner eingebunden werden. Im Dezember 2005 diskutierten z.B. Zehntausende von Bürgern weltweit 72 Stunden lang im Internet über städtische Nachhaltigkeit – ein Dialog zwischen Armen und Reichen. "Der Schwerpunkt lag dabei auf Visionen für Städte, die soziale Entwicklung, wirtschaftliche Produktivität und Umweltschutz miteinander in Einklang bringen", sagt Daniel Biau, stellvertretender Direktor von UN-Habitat. Der Chat war eine vorbereitende Veranstaltung für die dritte Sitzung des World Urban Forum im Juni 2006 in Vancouver. Hier berieten 8 000 Vertreter von Regierungen, unabhängigen Organisationen (NGO) und Firmen, wie die Lebensqualität in den Elendsvierteln verbessert, die Kriminalität in den Städten eingedämmt und die Armut nachhaltig gesenkt werden kann.
Im Hinblick auf die Lebensqualität bleibt laut dem aktuellen Städte-Ranking von Mercer Human Resource Consulting die Stadt Zürich auch 2006 weltweit der Ort mit der höchsten Bewertung, gefolgt von Genf, Vancouver und Wien (siehe Tabelle). In Bagdad ist die Lebensqualität am geringsten. Jede Stadt wird dabei nach 39 Kriterien bewertet: politische, soziale, wirtschaftliche und umweltrelevante Faktoren ebenso wie persönliche Sicherheit und Gesundheit, Bildung, Transport und andere öffentliche Dienste wie die Versorgung mit Elektrizität oder Wasser.
Sylvia Trage