Erfinder & Innovatoren – Thomas Schott
Siemens A&D, Nürnberg
Steuerung von Weltklasse
Einfachheit ist unser Erfolgsrezept", sagt Thomas Schott, Leiter für Fertigungsautomatisierung bei Siemens Automation and Drives (A&D) in Nürnberg. Die Simatic-Steuerungen waren von Anfang an für Nichtspezialisten gedacht, jeder Ingenieur und Techniker sollte sie ohne großen Aufwand erlernen und anwenden können. Ihre Geschichte reicht bis in die 1950er Jahre zurück. Doch erst ab 1979 schnellte der Verkauf nach oben. Ein Jahr zuvor hatte Schott, der an der Fachhochschule Schweinfurt Elektrotechnik studiert hatte, bei Siemens angefangen. Der 52-Jährige gilt als Vater der Simatic und nennt sich selbst schmunzelnd "Opa der Steuerungstechnik".
Zu Beginn war man ein "Local hero", wie Schott erzählt, der sich seine Kunden erst auf dem deutschen Markt erkämpfen musste. Heute ist die Simatic mit einem Marktanteil von 36 % die unumstrittene Nummer eins in der Welt. Der Simatic-Siegeszug ist das Ergebnis harter Arbeit und kontinuierlicher Innovation vor dem Hintergrund der Miniaturisierung und rapide steigenden Rechenleistung der Computertechnik. "Radikale Innovationen gibt es eher nicht, unsere Produktzyklen dauern fünf bis sieben Jahre", sagt Schott, doch dadurch werde die Aufgabe nicht einfacher. Denn die 170 Leute aus Schotts Kernteam müssen Tag für Tag den Finger am Puls der Zeit haben, um neue Technologien sofort in neue Produkte einsetzen zu können, wenn Kunden dies benötigen.
Dazu fahren die Mitarbeiter zweigleisig: Zum einen führen sie regelmäßig Innovationsgespräche mit Leitkunden in den wichtigsten Märkten, um herauszubekommen, wo deren Entwicklung in den nächsten Jahren hinführt. Zum anderen spürt man Technologietrends auf, indem man mit namhaften Universitäten zusammenarbeitet und im Haus neue Technologien wie die Anbindung ans Internet oder komplett digitale Fabriken mit selbstorganisierenden Produktionseinheiten entwickelt. Die Kunst besteht darin, die Wünsche der Kunden mit den technischen Möglichkeiten unter einen Hut zu bringen.
Ein radikaler Umbruch hat gerade wieder einmal begonnen. Künftig sollen Design-Daten des Produkts zur Generierung der Software für die Produktionssteuerung dienen. Damit dürften sich 50 bis 70 % der Kosten einsparen lassen. Auch die Zeitspanne von der Planung bis zum Anlauf der Produktion wird sich deutlich verkürzen.
Thomas Schott sieht seine Rolle als die des Ideengenerators, der seine Energie und viele Ideen aus Gesprächen mit Kunden bezieht. Erfahrung findet Schott in seinem Job extrem wichtig. "Wenn man immer wieder neue Leute holt, machen sie immer wieder die gleichen Fehler." Und das ist in einem Markt, der von Kontinuität und stabilen Kundenbeziehungen lebt, nicht gerade förderlich. Das heißt nicht, dass Schotts Team keine Fehler machen würde, doch 70 % der Ideen seiner Abteilung, sagt er, werden am Ende ein Erfolg und verdienen soviel Geld, dass man sich die restlichen 30 % Misserfolg leisten kann. Keine Fehler macht nur, wer alles beim Alten belässt. Doch das, meint Schott, sei der größte Fehler überhaupt.
Bernd Müller
Wie entstehen Innovationen wirklich? Viele Management-Bücher konzentrieren sich auf die Theorie von Innovationsprozessen, -strategien und -methoden, doch inwieweit lässt sich die Entstehung von Innovationen wirklich in solche Theorien pressen? In Kurzporträts stellen wir Erfinder und Innovatoren und ihre authentischen Erfahrungen vor. Welche Charakterzüge haben sie und was leisteten sie, um Hürden aller Art zu überwinden? Letztlich zeigt sich: Einen Königsweg gibt es nicht. Manche Innovationen beruhen auf der Hartnäckigkeit von visionären Vor- und Querdenkern, andere auf konsequenter Beachtung von Meilensteinen, Analysen und kontinuierlichen Prozessverbesserungen, wieder andere auf der frühzeitigen Einbindung von Kunden – vor allem in den Regionen vor Ort – oder Kooperationen mit externen Partnern. Allen gemeinsam ist jedoch die Freiheit zum eigenständigen Denken sowie eine Kultur, die Fehler zulässt und die Kreativität der eigenen Mitarbeiter fördert. Und die vor allem eines tut: die Ideen nicht um ihrer selbst willen hervorbringt, sondern immer danach fragt, was dem Kunden nützt.