Erfinder & Innovatoren – Szenario 2020
Frühe Förderung
Auf einem Wolkenkratzer in Shanghai im Oktober 2020. Die Preisverleihung "Best Innovations of the Year" ist in vollem Gange. Hier treffen sich Innovatoren aus der ganzen Welt.
Innovationspreisverleihung in Shanghai: Karen Sand, F&E-Leiterin bei MicroSenGalaxy, ist stolz auf ihren Global Innovation Award. Passend zum Firmennamen projiziert die Urkunde eine kleine Galaxie von Sensoren als Hologramm. Auf der Bühne wird gerade das Unternehmen Smart&Wear für das "Best Consumer Product 2020"prämiert – ein Erfolg auch für Robert, der als Berater die Innovationsprozesse von Smart&Wear optimiert hat
And the winner of our Global Innovation Award 2020 is... MicroSen Galaxy. Das Unternehmen hat es als erstes geschafft, Mikrosysteme samt Sensorik und selbstorganisierenden Funknetzen zu entwickeln, die wahre Alleskönner sind: Sie messen etwa den Kohlendioxid-Gehalt der Luft im Besprechungsraum, die Temperatur im Hotelzimmer oder die Luftströmung im Büro – und sorgen für ein angenehmes Klima. Der Clou: Sie sind so klein, dass sie sogar der Wandfarbe beigemischt oder im Teppich versteckt werden können. Das eröffnet wirklich eine ganze Galaxie neuer Möglichkeiten", schwärmt der Moderator, als er Karen Sand die Urkunde überreicht. Karen arbeitet als Leiterin für Forschung und Entwicklung (F&E) bei MicroSen Galaxy. Als sie von der Bühne herabsteigt, begegnet sie einem alten Bekannten. "Herzlichen Glückwunsch, Karen! Schicke Urkunde – sieht toll aus, dieses kleine Holo-Display." "Mensch, Robert! Lange nicht gesehen. Was gibt's Neues?"
Die beiden kennen sich vom Förderprogramm für junge Innovatoren, das sie vor 14 Jahren erfolgreich abgeschlossen hatten. "Schau mal, gerade wird auf der Bühne der Preis 'Best Consumer Product 2020' verliehen. Rate mal, wer das Unternehmen Smart&Wear in Sachen intelligente Kleidung in den vergangenen Jahren beraten hat." "Doch nicht etwa du", frotzelt Karen. Seit Jahren arbeitet Robert als Innovation Manager und berät Firmen, wie sie ihre Prozesse verbessern und Innovationen erfolgreich am Markt platzieren können. "Mein Projekt bei Smart&Wear war eine echte Herausforderung. Die Forscher und Entwickler dort hatten einen ganzen Korb voller guter Ideen, die nur darauf warteten, in die Tat umgesetzt zu werden. Nur leider hatte sich das Management damals an der Fitness-Kleidung festgebissen, die etwa Puls und Blutdruck misst, den Brennwert der verzehrten Nahrungsmittel individuell berechnet, Blutwerte überwacht und Bewegungstipps gibt."
"Klingt doch ganz sinnvoll", sagt Karen. "Ja schon", meint Robert, "aber die Manager hatten die Kunden aus dem Blickfeld verloren und zu wenig mit ihren eigenen Marketingleuten gesprochen. Sonst hätten sie den Trend hin zu Fun Features schon früher erkannt". "Wie seid ihr denn dann auf die Produktidee gekommen?" "Wir haben die ganze Palette durchgezogen: Lead-Customer-Befragungen, Usability-Tests, Online-Foren, regionale Marktuntersuchungen… Bei Smart&Wear haben wir alle Beteiligten aus F&E, Produktion, Einkauf, Vertrieb und Marketing zusammengebracht – und dann ging es ganz schnell mit der Kreativität."
Robert lächelt und fährt fort: "Hast du die neue Kleidung schon mal ausprobiert? Ich wäre froh gewesen, wenn ich so etwas während meiner Studienzeit gehabt hätte. Rollbares Display in der Westentasche. Per Fingertip-Sensor können sich die Studenten von heute ins Intranet ihrer Uni oder das weltweite Wissenschaftsnetz ruckzuck einloggen. Je nach Vertraulichkeitsstufe noch eine zusätzliche Authentifikation via Spracherkennung, und los geht's."
"Ich weiß", sagt Karen. "Meine Tochter Natalie will unbedingt das neue Smart&Wear-Outfit für ihre Reality-Outdoor-Rollenspiele. Sie wird nächsten Monat 17 und fängt bald ihr Studium an." "Siehst Du! Sag ich doch: Fun Features!", bekräftigt Robert. "Lass mich raten, Natalie will Molekularmedizin studieren?" "Nein, sie will ihren Master in Weltraumtechnologie machen. Nur die Uni steht noch nicht fest. Derzeit liebäugelt sie mit dem akademischen Dorf in Paris. Hinsichtlich der Studieninhalte ist es ja heute nicht mehr ganz so entscheidend wie zu unserer Zeit, wo man studiert. Die Lernmodule und Abschlüsse an europäischen Hochschulen sind ja schon lange vereinheitlicht. Aber Betreuung, Service und Ausstattung müssen stimmen. Auf dem Campus in Paris gibt es Forschungscluster, die gemeinsam von Uni, Industrie und EU betrieben werden und mit den anderen Spitzeninstituten weltweit vernetzt sind."
"Und was will dein Sohn Dennis machen?" "Musik studieren – er hat schon immer gerne die unterschiedlichsten Instrumente lautstark ausprobiert. Natalie hat sich dagegen bereits als Kindergartenkind für alle Phänomene aus Natur und Technik interessiert. Wie gut, dass es damals diese Experimentierkästen für Kindergärten gab. Richtig Glück hatte sie auch am Gymnasium mit ihren Lehrern, die ihre Schüler immer wieder ermutigten, an Förderprogrammen für Technikinteressierte oder Wettbewerben wie der Physik-Olympiade teilzunehmen. Natalies Schule hatte auch einen Industriepaten, der den Schülern schon sehr früh Einblicke in das Arbeits- und Wirtschaftsleben gab."
"Wohl wahr, das Ganze steht und fällt mit der richtigen Ausbildung. Stichwort Förderung, sieh mal, da hinten steht unser damaliger Mentor, Professor Blake. Weißt du noch, wie er uns die Innovationsprozesse wieder und wieder eingetrichtert hat? Treten Sie einen Schritt zurück, bekommen Sie den Überblick, analysieren Sie das Ganze aus verschiedenen Blickwinkeln. Wo sind die Märkte, was ist der Bedarf, wo liegen die Chancen, wo die Schwächen? Setzen Sie sich unterschiedliche Hüte auf! Weißt Du noch? … Und sein Kredo zur Innovationskultur... Diskutieren Sie offen und respektvoll. Auch Fehler sind Gold wert, denn sie verhindern Stillstand. Wer keine Fehler macht, ist nur nicht mutig genug! Bei F&E-Investitionen ist oft die Hälfte der Ausgaben für die Katz' – Sie müssen nur herausfinden, welche Hälfte! All diese Sprüche…"
"Na klar weiß ich das noch. Ein wunderbarer Mentor. Vor allem als ich meinen Job damals wegen der Familie an den Nagel hängen wollte, motivierte er mich wieder und zeigte mir Wege auf, wie ich Familie und Beruf vereinbaren kann. Das war vor rund 15 Jahren ja noch keine Selbstverständlichkeit. Heute bin ich selbst als Mentorin tätig und berate meine Mentees in Karriere- und Familienfragen. Übrigens wollen auch immer mehr Männer mehr Zeit für ihre Familie." "Also in meinem Beraterjob mit den vielen Reisen kann ich mir das schlecht vorstellen. Da ist bereits jede Minute verplant." "Schade Robert. Bist du dir sicher, dass du da bereits alle Prozesse optimiert hast?"
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