Erfinder & Innovatoren – Dr. Tzoanna Ekaterinidi
Siemens Griechenland, Athen
Athens Software-Schmiede
Man muss die Leute lieben, sie mit ihren Stärken und Schwächen anerkennen, so wie Eltern ihre Kinder – und sie aber auch erziehen, damit eine Kultur der objektiven Selbstbewertung entsteht", sagt die Leiterin des Software-Centers (SW-Center) von Siemens Griechenland, Tzoanna Ekaterinidi. Die Selbstbewertung lebt die 47-Jährige vor: "Als Vorgesetzte möchte ich meinen Mitarbeitern das Gefühl geben, dass ich für sie und mit ihnen arbeite. Wenn wir offen miteinander sprechen, können wir Fehler vermeiden und es das nächste Mal besser machen."
Möglicherweise ist dies das Erfolgsgeheimnis des SW-Centers, dessen Ingenieure, Informatiker und Physiker SW-Entwicklungen und Innovationen auf drei Feldern vorantreiben: Telekommunikationsnetze, Simulation und Sicherheit. Heute arbeiten 700 Menschen im SW-Center, 40 % davon Frauen – ein ungewöhnlich hoher Anteil. "Software-Entwicklung ist eine sehr analytische, präzise Arbeit, die gut zur weiblichen Denkstruktur passt", ist Ekaterinidi überzeugt.
Die Anfänge des SW-Centers 1990 waren viel bescheidener: "Ich hatte gerade als Software-Entwicklerin bei der Siemens-Landesgesellschaft angefangen. Wir waren damals zu zwölft und haben das Center aufgebaut", erinnert sich die gebürtige Athenerin, die bereits mit 22 Jahren ihr Diplom für Elektrotechnik in der Tasche hatte. Im Anschluss an eine zweijährige Familienpause gründete die Elektrotechnikerin eine Firma für Design, Engineering und Konstruktion elektrotechnischer Projekte, studierte parallel Physik und promovierte. Acht Jahre später gab sie die Selbstständigkeit auf und fing bei Siemens an.
Die Leitung des SW-Centers übernahm Ekaterinidi 1997. Unter ihrer Führung hat es sich als internationales Forschungs- und Entwicklungszentrum etabliert. Im Auftrag von Siemens realisiert es Projekte in Europa, dem Nahen und Mittleren Osten und Afrika. Dazu gehört auch die Software für das hochmoderne Sicherheits- und Verkehrsüberwachungssystem, das bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen eingesetzt wurde. Zudem treibt das Center die Entwicklung von Prototypen oder innovativen Dienstleistungen für den internationalen Markt von Siemens voran.
Die offene Kommunikation gehört zu der von Ekaterinidi geschaffenen Innovationskultur. Bei internen Workshops holt sie Ingenieure, Forscher, Techniker, Vertriebsmitarbeiter und Kunden an einen Tisch. "Sie müssen lernen, frei ihre Gedanken zu äußern. Es gibt nichts Dummes oder Falsches", ermutigt sie alle. So haben ihre Mitarbeiter unter ihrer Führung gelernt, zu diskutieren und auch Überzeugungsarbeit zu leisten, wenn sie auf Hindernisse stoßen. "Man muss in der Lage sein, den erwarteten Nutzen klar und deutlich wiederzugeben. Und man muss von der Idee überzeugt sein und den starken Willen haben, sie umzusetzen", sagt die Software-Managerin.
Evdoxia Tsakiridou
Wie entstehen Innovationen wirklich? Viele Management-Bücher konzentrieren sich auf die Theorie von Innovationsprozessen, -strategien und -methoden, doch inwieweit lässt sich die Entstehung von Innovationen wirklich in solche Theorien pressen? In Kurzporträts stellen wir Erfinder und Innovatoren und ihre authentischen Erfahrungen vor. Welche Charakterzüge haben sie und was leisteten sie, um Hürden aller Art zu überwinden? Letztlich zeigt sich: Einen Königsweg gibt es nicht. Manche Innovationen beruhen auf der Hartnäckigkeit von visionären Vor- und Querdenkern, andere auf konsequenter Beachtung von Meilensteinen, Analysen und kontinuierlichen Prozessverbesserungen, wieder andere auf der frühzeitigen Einbindung von Kunden – vor allem in den Regionen vor Ort – oder Kooperationen mit externen Partnern. Allen gemeinsam ist jedoch die Freiheit zum eigenständigen Denken sowie eine Kultur, die Fehler zulässt und die Kreativität der eigenen Mitarbeiter fördert. Und die vor allem eines tut: die Ideen nicht um ihrer selbst willen hervorbringt, sondern immer danach fragt, was dem Kunden nützt.