Erfinder & Innovatoren – Dr. Osman Ahmed
Siemens Building Technologies, Buffalo Grove, USA
Mikrosensor im Gebäude
Wenn Osman Ahmed über seinen Lebensweg nachdenkt, dann beschreibt er ihn als die Reise von einem, der stets Neues tun wollte. So brach er Anfang der 80er Jahre seine Promotion in Nukleartechnik ab und wandte sich der Gebäudetechnik zu. "Damals habe ich mich der Marktsituation angepasst, denn es war absehbar, dass auf mittlere Frist keine neuen Kernkraftwerke in den USA gebaut würden."
Ahmed ist überzeugt, dass Innovationen nur dann zum Markterfolg werden, wenn sie eng an den Kundenbedürfnissen entlang entwickelt werden. Einen frühen Erfolg heimste er während seiner Tätigkeit bei Landis & Gyr Powers, nahe Chicago, mit Klima-Regelsystemen ein. So liefen Abzugshauben, unter denen etwa mit Viren gearbeitet wird, ständig auf Volllast. Ahmeds Team entwickelte ein System, das in Pausen die Leistung automatisch herunterfährt – und damit viel Energie spart. Eigentlich war das ein relativ kleiner Coup, doch er zeigt sein Geschick, Lösungen mit hohem Kundennutzen zu entwickeln.
1997 begeisterte sich Ahmed zum ersten Mal für das Gebiet, das sein künftiges Tätigkeitsfeld werden sollte: "Auf einer Konferenz erfuhr ich von mikro-elektromechanischen Systemen, kurz MEMS. Ich dachte mir: Das müsste sich auch für die Steuerung von Gebäudetechnik nutzen lassen." Die MEMS-Technologie nutzt die besonderen Eigenschaften von Silizium: Das Material, aus dem Computerchips gemacht sind, ist auch als Messfühler, etwa für Druck oder – mit bestimmten Beschichtungen – für Gase einsetzbar.
Als Ahmed 1999 erfuhr, dass Siemens seinen damaligen Arbeitgeber übernehmen würde, jubelte er – mit den Ressourcen eines Großkonzerns könnte er MEMS-Produkte zur Marktreife bringen. Auf einem kleinen Chip, so die Idee, müssten sich noch mehr Funktionen unterbringen lassen als in den bisherigen Geräten, die so groß wie Zigarettenschachteln sind. Und mit kleinen Funkantennen könnten sich die Mini-Sensoren zu einem intelligenten System vernetzen.
Dieses System misst und steuert dann im Gebäude etwa die Temperatur oder es analysiert die Beleuchtungsstärke oder das Kohlendioxid in der Raumluft. "Ergebnis ist ein dezentrales, selbstregulierendes Steuersystem, das den Energieverbrauch erfasst und daraus Energiesparstrategien ableitet. Und die Funktechnologie macht Kabel überflüssig", berichtet Ahmed. Im Herbst 2006 startete die einjährige Entwicklungszeit für ein erstes Produkt – für seine Erfindungen wurde Ahmed 2004 als Erfinder des Jahres ausgezeichnet.
"Nur in Freiheit und Eigenständigkeit macht Entwicklungsarbeit Spaß", sagt der zweifache Vater, der in Bangladesch, Kanada und den USA studierte. Und er fügt hinzu: "Es muss eine gesteuerte Freiheit sein, eine, die nicht in persönlichen Technologie-Genüssen ausartet, sondern sich klar an den Kundenwünschen orientiert."
Andreas Kleinschmidt
Wie entstehen Innovationen wirklich? Viele Management-Bücher konzentrieren sich auf die Theorie von Innovationsprozessen, -strategien und -methoden, doch inwieweit lässt sich die Entstehung von Innovationen wirklich in solche Theorien pressen? In Kurzporträts stellen wir Erfinder und Innovatoren und ihre authentischen Erfahrungen vor. Welche Charakterzüge haben sie und was leisteten sie, um Hürden aller Art zu überwinden? Letztlich zeigt sich: Einen Königsweg gibt es nicht. Manche Innovationen beruhen auf der Hartnäckigkeit von visionären Vor- und Querdenkern, andere auf konsequenter Beachtung von Meilensteinen, Analysen und kontinuierlichen Prozessverbesserungen, wieder andere auf der frühzeitigen Einbindung von Kunden – vor allem in den Regionen vor Ort – oder Kooperationen mit externen Partnern. Allen gemeinsam ist jedoch die Freiheit zum eigenständigen Denken sowie eine Kultur, die Fehler zulässt und die Kreativität der eigenen Mitarbeiter fördert. Und die vor allem eines tut: die Ideen nicht um ihrer selbst willen hervorbringt, sondern immer danach fragt, was dem Kunden nützt.