Erfinder & Innovatoren – Dr. Maximilian Fleischer
Siemens Corporate Technology, München
Im Reich der Winzlinge
Maximilian Fleischer ist 45 Jahre alt, doch gemessen an der Zahl seiner Patente müsste er längst eine graue Eminenz sein. Seit 1992 arbeitet Fleischer für Corporate Technology (CT) bei Siemens in München. Seitdem hat er 150 Erfindungen angemeldet – und ebenso viele Fachveröffentlichungen geschrieben. "Ich probiere halt gern Neues aus", sagt er bescheiden. Der promovierte Physiker herrscht wie Gulliver über ein Reich von Winzlingen. Seine Liliputaner sind chemische Mini-Sensoren zur Detektion verschiedener Substanzen – von giftigen Gasen über Schadstoffe aus der Industrie bis zur verbrauchten Raumluft in Besprechungszimmern. Sie sind nur wenige Quadratmillimeter groß, einfach aufgebaut und dadurch preiswert.
Die ersten seiner Sensoren sind bereits seit einigen Jahren kommerziell im Einsatz – darunter sensible Mikrochips, die die Verbrennung in Kleinfeueranlagen, etwa in Gasthermen für den Haushalt, überwachen. In Kürze sollen Alkohol-Sensoren für Autofahrer auf den Markt kommen. Und mittelfristig steht die Einführung von Messfühlern an, die Asthma und andere Krankheiten am Geruch erkennen (siehe Pictures of the Future, Herbst 2004, Gassensoren).
Was Fleischer auszeichnet, ist, dass er eigene Wege gegangen ist. Vor allem seinem ehemaligen Chef, Prof. Hans Meixner, Forscher und Experte für innovative Anwendungen von Piezokeramiken bei Siemens, ist er dafür dankbar: "Als Diplomand hatte ich die Freiheit, etwas Neues auszuprobieren – und entwickelte einen Piezomotor, der sich in beide Richtungen drehen konnte." Eine kleine Sensation. In seiner Doktorarbeit legte er die Basis für seinen ersten chemischen Sensor. "Man muss Geduld haben. Vom Beginn einer Idee bis zur Fertigung eines Produktes dauert es in unserer Branche gut zehn Jahre."
Der Siemens-Forscher, der im Jahr 2003 von Siemens die Auszeichnung "Erfinder des Jahres" erhielt, kooperiert gern mit Universitäten und anderen Unternehmen. Er fährt auf Konferenzen, informiert sich über den neuesten Stand der Forschung und spricht viel mit den Kollegen. "Und dann muss man halt intelligent kombinieren, was die Forschung beitragen kann, um zur Anwendung zu kommen", meint er.
Auch nach 15 Jahren Laborarbeit möchte Fleischer, der inzwischen habilitiert ist, Forscher bleiben. Als ein namhaftes Unternehmen mit einem Forschungsleiter-Posten winkte, lehnte er ab. "Das wäre reines Management gewesen. Ich hätte zwar sagen können, dass so und so viele Leute nach meiner Pfeife tanzen, aber am Ende hätte ich die Forschung von anderen verwaltet." Nein, Fleischer schätzt seine "relativ bescheidene Arbeitsgruppe", und versucht ihr die Freiheit zu geben, die ihm selbst so wichtig ist.
Tim Schröder
Wie entstehen Innovationen wirklich? Viele Management-Bücher konzentrieren sich auf die Theorie von Innovationsprozessen, -strategien und -methoden, doch inwieweit lässt sich die Entstehung von Innovationen wirklich in solche Theorien pressen? In Kurzporträts stellen wir Erfinder und Innovatoren und ihre authentischen Erfahrungen vor. Welche Charakterzüge haben sie und was leisteten sie, um Hürden aller Art zu überwinden? Letztlich zeigt sich: Einen Königsweg gibt es nicht. Manche Innovationen beruhen auf der Hartnäckigkeit von visionären Vor- und Querdenkern, andere auf konsequenter Beachtung von Meilensteinen, Analysen und kontinuierlichen Prozessverbesserungen, wieder andere auf der frühzeitigen Einbindung von Kunden – vor allem in den Regionen vor Ort – oder Kooperationen mit externen Partnern. Allen gemeinsam ist jedoch die Freiheit zum eigenständigen Denken sowie eine Kultur, die Fehler zulässt und die Kreativität der eigenen Mitarbeiter fördert. Und die vor allem eines tut: die Ideen nicht um ihrer selbst willen hervorbringt, sondern immer danach fragt, was dem Kunden nützt.