Erfinder & Innovatoren – Dr. Jun Kong
Siemens Shanghai Medical Equipment, Shanghai, China
Im Geiste Konfuzius
Wer kann schon von sich behaupten, direkter Nachfahre von Kong Zi ("Meister Kong", Konfuzius) zu sein, dessen vor etwa 2 500 Jahren formulierte Lehre als Grundfeste chinesischer Ethik gilt? Siemens-Forscher Dr. Jun Kong ist einer dieser seltenen Menschen. "Die Philosophie des Konfuzius hat meinen Managementstil stark beeinflusst: Mir geht es bei der täglichen Arbeit um Ehrlichkeit, Vertrauen und Beharrlichkeit", sagt Kong.
Der Erfolg des Computertomographen (CT) Somatom Spirit, den er mit seinem Team in China entwickelt hat, gibt ihm Recht: Bis Mitte 2006 wurde das Gerät etwa 400-mal bestellt – drei von vier Bestellungen kommen aus dem Ausland. Der Ingenieur hatte sich bereits bei der Entwicklung des Vorgängermodells, Somatom Smile, Sporen verdient, indem er die Bildqualität optimierte. Später besuchte er Kunden auf der ganzen Welt, schulte und half, Bedienungsfehler auszuräumen.
Diese Erfahrungen flossen in die Entwicklungsarbeit des Somatom Spirit ein. Gemeinsam mit den Marketing- und Vertriebsteams hatte Kong die Marschroute klar definiert: Somatom Spirit sollte kosteneffizient sein und hoch verlässlich. Außerdem sollte er einfach zu bedienen sein und seine Investitionskosten möglichst rasch verdienen. "Alle relevanten Krankenhäuser haben schon ein High-end-Gerät. Aber für weniger komplizierte Untersuchungen, zum Beispiel der Lunge, wünschen sich diese Kunden oft ein kostengünstiges Zweitgerät", erklärt er. Auch die zahllosen kleineren Krankenhäuser im Riesenreich China interessieren sich für ein Einstiegsmodell, um selbst CT-Scans machen zu können.
"Der Schlüssel zum Erfolg ist letztlich Kommunikation – mit den Kunden, untereinander im Team, aber auch mit der Med-Zentrale in Erlangen und den Top-Entwicklern in Forchheim", meint Jun Kong, der sein internationales Team von Shanghai aus leitet. Nur mit präzisem Prozessmanagement und einer klaren Überwachung der Meilensteine, da ist er sich sicher, war der Erfolg überhaupt möglich. Noch bedeutender aber sei gewesen, dass die Ingenieure in China und Deutschland nicht nur eine gemeinsame Sprache – Englisch – sprechen, sondern auch lernten, die kulturellen Unterschiede zu überbrücken.
Kong weiß: "Man kann auf ungewöhnlichen Pfaden oft Besonderes zu Tage fördern. Wenn meine Mitarbeiter mit verrückten Ideen kommen, gebe ich eine Zeit lang schon mal ein limitiertes Budget." Außerdem lässt er sich manches einfallen, um die Besten in seine Abteilung zu holen und dort zu halten. "Bei unseren monatlichen Treffen besprechen wir den Fortschritt all unserer Projekte – schließlich will ich keine brillanten Spezialisten mit Scheuklappen, sondern verantwortungsbewusste Mitarbeiter, die den Gesamtüberblick haben."
Im Anschluss gibt es dann eine Party – zu Ehren aller, die im jeweiligen Monat Geburtstag feiern. "Das hat einen großen Vorteil: Die Leute reden in entspannter Atmosphäre miteinander und bekommen das Gefühl, das für viele Chinesen sehr wichtig ist: Meine Firma ist für mich da."
Andreas Kleinschmidt
Wie entstehen Innovationen wirklich? Viele Management-Bücher konzentrieren sich auf die Theorie von Innovationsprozessen, -strategien und -methoden, doch inwieweit lässt sich die Entstehung von Innovationen wirklich in solche Theorien pressen? In Kurzporträts stellen wir Erfinder und Innovatoren und ihre authentischen Erfahrungen vor. Welche Charakterzüge haben sie und was leisteten sie, um Hürden aller Art zu überwinden? Letztlich zeigt sich: Einen Königsweg gibt es nicht. Manche Innovationen beruhen auf der Hartnäckigkeit von visionären Vor- und Querdenkern, andere auf konsequenter Beachtung von Meilensteinen, Analysen und kontinuierlichen Prozessverbesserungen, wieder andere auf der frühzeitigen Einbindung von Kunden – vor allem in den Regionen vor Ort – oder Kooperationen mit externen Partnern. Allen gemeinsam ist jedoch die Freiheit zum eigenständigen Denken sowie eine Kultur, die Fehler zulässt und die Kreativität der eigenen Mitarbeiter fördert. Und die vor allem eines tut: die Ideen nicht um ihrer selbst willen hervorbringt, sondern immer danach fragt, was dem Kunden nützt.