Erfinder & Innovatoren – Dr. Dorin Comaniciu
Siemens Corporate Research, Princeton, New Jersey (USA)
Fusion der Datenströme
Zu mir kommen oft Leute und behaupten, dass irgendetwas nicht geht. Und ich antworte immer: Dann versucht es noch einmal", sagt Dorin Comaniciu, Leiter des Integrated Data Systems Department von Siemens Corporate Research in Princeton, USA, und Koordinator für biomedizinische Informatik. Nichts könnte besser die Beharrlichkeit ausdrücken, mit der Comaniciu Ideen voranbringt. Er ermutigt seine mehr als 30 Mitarbeiter selbstständig zu denken, ohne die wesentlichen Ziele aus den Augen zu verlieren.
Die eigenen Ideen hat er mit 13 Patenten gesichert, weitere 70 sind zum Patent angemeldet. 2004 wurde Comaniciu als Erfinder des Jahres ausgezeichnet. Die visionärste Erfindung des 42-Jährigen ist "Robust Information Fusion". Sie basiert auf einem mathematischen Ansatz, der fragwürdige Daten einer beliebigen Datenquelle erkennt und entfernt. Derart bereinigte Bits und Bytes werden dann zu einem Datenstrom zusammengefasst. Mit diesem "Daten-Zusammenführungsverfahren" lassen sich die Qualität und Aussagekraft verschiedenster Daten verbessern, egal ob sie von einer Überwachungskamera oder einem Ultraschall-Signalgeber stammen. ( Trends Bildverarbeitung)
"Sobald man Daten zuverlässig ermitteln und zusammenführen kann, ist die Entwicklung von Expertensystemen möglich, die diese Daten auswerten und daraus Schlussfolgerungen ziehen", erklärt der gebürtige Rumäne, der in seinem Heimatland einen Doktorgrad für Datenkomprimierung erworben hatte, bevor er 1996 in die USA ging. Mit Comanicius Lösungen wird das Wissen von Experten in Algorithmen übersetzt, mit deren Hilfe die menschliche Entscheidungsfindung in grundverschiedenen Bereichen wie der medizinischen Diagnostik, der Sicherheitstechnik oder dem Fahren eines Autos unterstützt wird.
Der erste Schritt ist bereits geschafft: "Auto EF" (Ejection fraction) ist ein datenbankgeführtes Programm. Es misst anhand relativ unscharfer Ultraschallbilder automatisch den Umriss eines schlagenden Herzens und ermittelt daraus die Ejektionsfraktion: Das ist der Anteil des bei einer Kontraktion ausgeworfenen Blutes im Verhältnis zum Gesamtblutvolumen der Herzkammer. "Um dies zu ermitteln, braucht ein Experte mehrere Minuten, während die Software die gleiche Aufgabe in Sekunden lösen kann", sagt Comaniciu.
Ein Manager muss einen Drahtseilakt vollführen, sagt Comaniciu. Zum einen muss er eine Roadmap haben und diesen Weg in die Zukunft konsequent verfolgen. Zum anderen muss er genügend Freiraum schaffen, damit sich Kreativität entfalten kann. Es muss ihm gelingen, seine Mitarbeiter zu überzeugen, dass sie an etwas Großem arbeiten, das die Gesellschaft verändern könnte. Und letztlich müssen seine Mitarbeiter auch mit Spaß bei der Sache sein, um Höchstleistungen zu erzielen.
Arthur F. Pease
Wie entstehen Innovationen wirklich? Viele Management-Bücher konzentrieren sich auf die Theorie von Innovationsprozessen, -strategien und -methoden, doch inwieweit lässt sich die Entstehung von Innovationen wirklich in solche Theorien pressen? In Kurzporträts stellen wir Erfinder und Innovatoren und ihre authentischen Erfahrungen vor. Welche Charakterzüge haben sie und was leisteten sie, um Hürden aller Art zu überwinden? Letztlich zeigt sich: Einen Königsweg gibt es nicht. Manche Innovationen beruhen auf der Hartnäckigkeit von visionären Vor- und Querdenkern, andere auf konsequenter Beachtung von Meilensteinen, Analysen und kontinuierlichen Prozessverbesserungen, wieder andere auf der frühzeitigen Einbindung von Kunden – vor allem in den Regionen vor Ort – oder Kooperationen mit externen Partnern. Allen gemeinsam ist jedoch die Freiheit zum eigenständigen Denken sowie eine Kultur, die Fehler zulässt und die Kreativität der eigenen Mitarbeiter fördert. Und die vor allem eines tut: die Ideen nicht um ihrer selbst willen hervorbringt, sondern immer danach fragt, was dem Kunden nützt.