Intelligente Vernetzung – Szenario 2014
Technik der Weltklasse
Brasilien im Jahr 2014: Zur Eröffnung der Fußballweltmeisterschaft empfängt der Gastgeber das deutsche Nationalteam. Im komplett vernetzten Stadion von Rio de Janeiro erleben die Sportreporter Harry und Luiz brasilianische Technik auf dem Platz – und deutsche High-tech-Lösungen rund ums Stadion.
Vernetztes Stadion: eine packende Atmosphäre im Eröffnungsspiel der Fußball-WM 2014 in Rio de Janeiro. Live dabei zwei Sportreporter. Dank intelligenter Verkehrsmanagementsysteme und personalisierter Navigation auf dem Handy haben sie es rechtzeitig zum Anpfiff geschafft. Im Stadion wachen intelligente Kameras über die Sicherheit, und ein Chip im Fußball klärt eindeutig, ob ein Tor gefallen ist
Elegant umkurvt Altstar Ronaldinho seinen deutschen Gegenspieler, täuscht kurz an und lupft den Ball mit einem gekonnten Heber ins Tor. "Gooool!", schreit der Stadionsprecher begeistert, und eine Sekunde später verwandeln tausende Fans die neue Arena in ein gelb-grünes Jubelmeer. "Unglaublich!" freut sich Luiz, der für eine brasilianische Zeitung über das Spiel berichtet. "Das darf doch nicht wahr sein!" stimmt ihm sichtlich weniger euphorisch sein deutscher Kollege Harry zu.
Beide sitzen mit ihren Laptops und Personal Digital Assistants (PDA) auf der Pressetribüne und beobachten seit einer Halbzeit das Spiel. Ihre Computer sind per Funknetz mit etlichen Kameras am Spielfeldrand vernetzt, die den Ball automatisch verfolgen und immer im Fokus halten – so können die Reporter das Geschehen en détail betrachten. "Eins zu null für Brasilien, schmeichelhafte Führung in der 48. Minute", spricht Harry in seinen PDA. "Schau doch nicht so missmutig, Amigo", sagt Luiz und gibt "Brasilien führt souverän" in seinen Computer ein. "Wir haben nun mal die bessere Technik, da könnt ihr einfach nicht mithalten."
"Mag sein, aber nur auf dem Platz", erwidert Harry. "Sieh dich mal genau um, das ganze Stadion steckt voller feinster Technik made in Germany." Er deutet auf einen verglasten Raum links unterhalb der Pressetribüne. "Das ist die Steuerungszentrale für die Gebäude- und Sicherheitstechnik. Sie ist mit der Polizei, der Feuerwehr und allen Sicherheitssystemen in der Arena vernetzt. Davon gibt es hier eine ganze Menge, auch wenn sie dir nicht auffallen: Intelligente Kameras überwachen das Stadion und melden ungewöhnliche Ereignisse – etwa wenn jemand wie der da auf der Tribüne gegenüber eine brennende Fackel schwenkt. Die Kameras sind mit einem Sensornetz verbunden. Das besteht aus vielen kleinen Fühlern, die selbstständig Informationen austauschen, die Temperatur messen und im gesamten Gebäude Rauch aufspüren. Bei Notfällen schlagen die elektronischen Späher automatisch Alarm. Dort unten in der Zentrale laufen alle Informationen zusammen. Ich wette, dass die den Mann mit der Fackel dank der Kameras schon entdeckt haben und gleich Sicherheitsleute rüberschicken."
Auf dem Spielfeld haben die Brasilianer die deutsche Mannschaft unterdessen fest im Griff: Eine Jubelwelle brandet durch das Stadion und erfasst auch die beiden Reporter. Sie beobachten, wie die "La Ola" im deutschen Fanblock ins Straucheln gerät. "Ihr habt vielleicht gute Ingenieure, aber der Rhythmus fehlt euch trotzdem", stellt Luiz grinsend fest. "Doch ohne unsere Technik würde es viel länger dauern, bis eure Aficionados ihr Rhythmusgefühl zeigen können", kontert Harry und hält seinem Kollegen seine Eintrittskarte vor die Nase. "Diese Tickets enthalten RFID-Funkchips aus Kunststoff. Damit gelangen die Fans schnell und unkompliziert ins Stadion. Die Lesesysteme an jedem Block registrieren, in welchem Bereich sich die Zuschauer aufhalten. Übrigens sind die Tickets ja nicht nur Eintrittskarte, sondern auch Park- und Fahrschein für den öffentlichen Nahverkehr, wie du weißt. Aber was ist das, sieh doch!" Verteidiger Philipp Lahm luchst Ronaldinho den Ball ab und passt auf Podolski. Der Stürmerstar überläuft seine Gegenspieler und erzielt den Ausgleich. Der deutsche Fanblock jubelt – genau wie Harry.
"Freu dich nicht zu früh, das war alles nur Glück", ärgert sich Luiz und blickt ungläubig auf seinen Laptop, wo die Spielszene wiederholt wird. "Zum Glück bist du heute mal den Empfehlungen des Verkehrsmanagementsystems gefolgt – sonst hättest Du glatt unser schönes Tor versäumt", erinnert ihn Harry genüsslich. "Das war übrigens auch eine dieser Innovationen: Auf den Straßen überwachen tausende Sensoren, Kameras und TrafficOnline-Systeme den Verkehr und übermitteln ihre Daten an die Verkehrsmanagementzentrale. Diese liefert dann entsprechende Empfehlungen via Handy, Radio oder Internet an die Verkehrsteilnehmer, etwa ob sie auf einer gewissen Strecke besser auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen sollten. Dadurch bekommt man das Chaos immer besser in den Griff – selbst in Rio."
Auf dem Spielfeld tritt unterdessen wieder der ehemalige Weltfußballer des Jahres 2004 in Aktion: Ronaldinho umdribbelt meisterlich die deutsche Abwehr und schießt. Der Ball knallt gegen den Pfosten und rollt auf der Torlinie entlang, bis ihn ein Spieler ins Aus tritt. "Goool!" schreit Luiz, "hättest du wohl gerne", sein deutscher Kollege. "Der Ball war niemals hinter der Linie, das ist kein Tor", meint er aufgeregt. "Das haben wir gleich. Seit der WM 2006 bei euch in Deutschland sind ja alle Bälle mit RFID-Chips versehen", sagt Luiz. "So lässt sich genau feststellen, ob der Ball wirklich im Kasten ist." Er drückt eine Taste auf seinem Laptop, der auch mit den Lesesystemen am Tor vernetzt ist. Und tatsächlich – das Textfenster ist eindeutig: Brasilien führt mit zwei zu eins, verbleibende Spielzeit 30 Sekunden. "Ich liebe eure Technik", sagt Luiz und strahlt.
Florian Martini
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