Intelligente Vernetzung – Experten-Interview
"Ware lückenlos verfolgen"
Interview mit Alexander Unruh
Seit einigen Monaten überwacht der Logistikdienstleister Kühne + Nagel den Transport von Druckern auf ihrem Weg von Deutschland in die USA mit Hilfe von RFID-Software von Siemens. Alexander Unruh (38), Projektleiter RFID in der internationalen IT-Zentrale von Kühne + Nagel in Hamburg, erläutert Ziele und Herausforderungen des Projekts
Was hat Sie dazu bewogen, RFID-Technik einzusetzen?
Unruh: Das Thema hat uns schon länger interessiert. Mehrere Anfragen von Kunden, die sich von der neuen Technologie einen Mehrwert versprechen, haben uns dann bewogen, RFID anzupacken. Zudem ist Kühne + Nagel Mitglied der Cargo-2000-Initiative, einem Zusammenschluss von mehr als 30 internationalen Firmen, deren gemeinsames Ziel die automatische und lückenlose Überwachung von Luftfracht ist – und die muss natürlich auch über Grenzen hinweg stattfinden.
Was gilt es beim grenzüberschreitenden Einsatz von RFID zu beachten?
Unruh: Vor allem die Standards. Für Ultrahochfrequenz-Tags, wie wir sie für den Transport der Druckerbauteile unseres Kunden Océ von München ins US-Distributionszentrum in Mount Laurel benötigen, werden in den USA andere Frequenzen benutzt als in Europa. Zudem gelten dort andere Grenzwerte für die Strahlungsstärke der Lesegeräte. Wir müssen folglich Tags einsetzen, die auf beiden Kontinenten verwendbar sind. Darüber hinaus kodieren wir nach dem relativ jungen internationalen Elektronischen Produkt Code (EPC), der Objekte nach einem international einheitlichen Schema individuell markiert.
Gab es darüber hinaus noch andere Herausforderungen?
Unruh: Für optimale Leseergebnisse mussten wir erst einmal Lagermitarbeiter und Packer mit der sorgfältigen Handhabung des RFID-Gates, der Funktore und der Antennen vertraut machen. Außerdem haben wir getestet, wie die Tags am besten gelesen werden; was passiert etwa, wenn ein Karton schräg durchs Gate rutscht oder wenn sich zwei Gabelstapler mit markierter Ware im Gate begegnen.
Letztlich muss sich der Aufwand für Sie lohnen. Welchen Nutzen hat der RFID-Einsatz in diesem großen Projekt, an dem auch die Lufthansa Cargo und Siemens Business Services beteiligt sind?
Unruh: Drucker und Druckerzubehör sind wertvolle Güter und eine Beschädigung der Ware entsprechend teuer. Jetzt werden die mit Tags versehenen Geräte an jeder Station erfasst – lückenlos, berührungslos und automatisch: wenn sie das Werk verlassen, wenn sie am Münchener Flughafen verladen werden, bei der Ankunft in den USA und bei der Auslieferung in Mount Laurel. So lässt sich verfolgen, bei wem sich die Ware gerade befindet und auch wer haftbar ist, falls sie verloren geht oder beschädigt wurde. Via Internet kann der Kunde jederzeit abfragen, wo die Lieferung ist. Das macht es auch für die Leute in Mount Laurel einfacher, die Auslieferung zu planen.
RFID ist also für Kühne + Nagel eine Technik mit Potenzial?
Unruh: Auf jeden Fall. Gerade erst haben wir unsere RFID-Abteilung aufgestockt. In Zukunft möchten wir die Technik auf weitere Verkehrswege ausdehnen – insbesondere auf den Schiffs- und Fernlastverkehr.
Das Interview führte Tim Schröder