Intelligente Vernetzung – Gebäude
Vernetzte Wolkenkratzer
101 Stockwerke und über 500 m hoch ragt Taipei 101 in den Himmel über der taiwanesischen Hauptstadt. Der Turm ist das höchste Gebäude der Welt – und wie viele andere mit Vernetzungstechnologien von Siemens ausgestattet.
Rundum versorgt: Gebäudeautomationssysteme von Siemens sorgen im 500 m hohen Wolkenkratzer für Sicherheit und Komfort und sparen Betriebskosten
Eingeweiht wurde der Megatower am letzten Tag des Jahres 2004. Seither geht dort jeden Tag die Bevölkerung einer Kleinstadt ein und aus: Allein die Büros bieten bis zu 12 000 Arbeitsplätze. Taipei 101 beherbergt über 160 Geschäfte, mehrere Restaurants und ein Fitness-Center, dazu vier Parkdecks – alle beleuchtet, belüftet und beheizt. 61 Fahrstühle transportieren Menschen und Güter. Energiemanagementsysteme helfen Strom sparen und die Betriebskosten minimieren. Zugleich gilt es, das Gebäude und seine Bewohner zu schützen – bei Unfällen oder Feuer ebenso wie gegen unbefugtes Eindringen.
"Wie die zentralen Nervenbahnen des Menschen sind automatische Energiekontroll- und Sicherheitssysteme besonders wichtig für solche Gebäude", analysiert Kurt Y.S. Yeh, bei der Taipei Financial Center Corporation (TFCC) verantwortlich für alle elektrischen und mechanischen Systeme. Die Stränge dieses Nervensystems laufen im Kontrollraum des Turms zusammen. Dort leuchten Monitore, auf denen die Mitarbeiter alles im Blick haben: Was zeigen die Überwachungskameras? Laufen alle Heizungs-, Lüftungs- und Klimasysteme normal? Stimmt der Luftdruck in den Treppenhäusern? Er muss dort etwas höher sein, damit kein Rauch eindringt, wenn es brennt.
Zwei der wichtigsten Gebäudeautomationssysteme in Taipei 101 stammen von Siemens: das Energy Management and Control System (EMCS) und das Zutrittskontrollsystem SiPass. EMCS sorgt beispielsweise für eine angenehme Temperatur und Frischluft oder steuert die Beleuchtung im Gebäude: Über 35 000 Leuchtstofflampen, Energiesparlampen und Halogenlampen der Siemens-Tochter Osram illuminieren Taipei 101. Um den reibungslosen Betrieb zu gewährleisten, sind im Turm über 47 000 Kontrollpunkte installiert, deren Daten das EMCS ständig auswertet. Zudem wacht es über alle Brandschutz- und Lebensrettungssysteme: Im Ernstfall schließt es die Brandschutzklappen, was rauchfreie Fluchtwege garantiert. Bei einem Stromausfall startet das System die Notstromgeneratoren.
SiPass sorgt für die Sicherheit. 500 Kameras überwachen die öffentlich zugänglichen Bereiche des Gebäudes und die Versorgungsebenen. Wer darf welches Stockwerk oder welchen Flur betreten? SiPass weiß es. Das System kontrolliert über 300 Kartenleser an Türen und Fahrstühlen, an denen sich die Büroangestellten ausweisen müssen. Wer zu einem Geschäftstermin den Turm betritt, meldet sich am Visitor Access Kiosk an. Wird der Besucher erwartet, stellt der Kiosk einen Ausweis mit den Zugangsberechtigungen aus.
Beide Systeme – EMCS und SiPass – interagieren miteinander. Meldet sich etwa jemand am Zugangsterminal eines Parkdecks an, informiert SiPass das EMCS, das dann das Licht auf diesem Deck einschaltet. Das Bild einer benachbarten Überwachungskamera erscheint zugleich auf dem Monitor im Kontrollraum.
Hansjörg Wigger von Siemens Building Technologies (SBT) ist überzeugt, dass Gebäudeautomation, -sicherheit und technisches Gebäudemanagement künftig noch mehr zusammenwachsen werden. Das Ziel: Kostensenkung und Effizienzsteigerung für die Eigner. Da jedoch jedes Gebäude eigene Anforderungen hat, kann es keine Universallösung geben. Deshalb hat SBT das Total-Building-Solutions-Konzept entwickelt, das aus mehreren Komponenten und Systemen besteht, die individuell auf das jeweilige Projekt abgestimmt werden. "Wir setzen auf standardisierte Protokolle und Schnittstellen, damit zum Beispiel das Brandschutz- und Lebensrettungssystem kommunizieren können und die Fluchtwege offen halten", sagt Wigger.
Wichtig ist zudem, dass die Systeme flexibel ausgelegt sind. So schaltet das EMCS die Klimaanlagen nach Büroschluss ab. Wer Überstunden macht, kann sie manuell wieder aktivieren. Noch wichtiger ist die Anpassungsfähigkeit des Sicherheitssystems: Die meisten Geschäfte und Büros haben Bewohner auf Zeit mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Ein Juwelier etwa braucht mehr Schutz als eine Boutique. Unter Umständen beziehen diese jedoch nacheinander dieselben Geschäftsräume. SiPass ist daher modular aufgebaut. "Auf jedem Stockwerk gibt es Anschlüsse an das Sicherheitssystem, die eine einfache Anpassung an die Bedürfnisse der Mieter erlauben", erklärt K. T. Yeh, zuständiger Projektmanager bei SBT in Taipei. "So lassen sich leicht weitere Funktionen wie eine biometrische Zugangskontrolle oder eine Personalzeiterfassung integrieren."
Diese Anpassungsfähigkeit ist für den Gebäudeeigner von hohem Wert. Schließlich will er den Turm lange Zeit betreiben. Die ersten Mieter im Taipei 101 sind gerade eingezogen, und der Betreiber hat allen Grund, zufrieden zu sein. "Das Siemens-Team war sehr effizient und hat es geschafft, die Systeme rechtzeitig für die große Eröffnungsfeier einzurichten. Das ist eine bemerkenswerte Leistung", lobt TFCC-Manager Kurt Yeh.
Werner Pluts