Intelligente Vernetzung – Flughafen-Großprojekte
Flughafen unter der Wüste
An der Erweiterung des Dubai International Airports sind mehrere Siemens-Bereiche beteiligt. Der gemeinsame Auftritt ("Siemens One") sichert eine effiziente Umsetzung von Großprojekten.
Flughafen der Superlative: Bereits heute ist der Dubai International Airport der größte im Nahen Osten – bald soll er einer der größten der Welt sein
Dubai boomt. Die Herrscher der Stadt, die Familie Al Maktum, möchten die Wüstenmetropole zur Drehscheibe des Handels zwischen Europa, Asien und der arabischen Welt ausbauen. Mit Erfolg: Immer mehr Firmen siedeln sich an. Um fast 17 % ist das Bruttosozialprodukt 2004 gestiegen – mit erheblichen Folgen auch für den Dubai International Airport: Mit 21,7 Millionen Passagieren im Jahr 2004 – eine Steigerung von über 20 % zum Vorjahr – ist der Flughafen zum bedeutendsten im Nahen Osten aufgestiegen. Seit 2003 werden ein drittes Terminal und zwei Vorfeld-Terminals errichtet sowie das bestehende Terminal 2 erweitert. Damit will Dubai im Jahr 2006 eine Kapazität von 70 Millionen Fluggästen pro Jahr erreichen. Zum Vergleich: Der Frankfurter Flughafen hat jährlich 50 Millionen Fluggäste, der John F. Kennedy International Airport in New York 32 Millionen.
Bei der Erweiterung des Flughafens in Dubai ist Siemens mit von der Partie. Das Department of Civil Aviation (DCA) – die Luftfahrtbehörde der Vereinigten Arabischen Emirate – hat in einer ersten Umbauphase von 1998 bis 2002 Aufträge für Gepäckförderanlagen, Landebahnbefeuerung und Gebäudetechnik an die Bereiche Industrial Solutions and Services (I&S) sowie Building Technologies (SBT) vergeben.
"Mit Siemens haben wir uns für einen sehr erfahrenen Partner auf dem Gebiet der Flughafenautomatisierung entschieden", sagt Scheich Ahmed bin Said Al Maktum, Präsident des Ministeriums für zivile Luftfahrt und Chef der Emirates Airline. Gezählt haben bei der Auftragsvergabe jedoch nicht nur Erfahrung und weltweite Reputation. Überzeugt hat das DCA vor allem die "Siemens One"-Strategie – die Fähigkeit, verschiedene Dienstleistungen aus einer Hand anbieten zu können: "Während andere Firmen Leistungen zukaufen müssen, arbeiten bei uns alle Bereiche zusammen, analysieren gemeinsam den Bedarf des Kunden und liefern maßgeschneiderte Gesamtlösungen", erklärt Günter Menden, Sprecher des Siemens Sector Development Board Airports.
Steht eine Großveranstaltung an, müssen Flughäfen oft zusätzliche Abfertigungskapazität schaffen. Hilfe kommt von Siemens Airport Logistics mit dem innovativen Service CapacityPlus. Für die Dauer der Veranstaltung errichtet Siemens ein vollständig ausgerüstetes zusätzliches Terminal auf dem Flughafengelände mit allen nötigen Funktionen: Ankunftsbereich mit Gepäckausgabe, Abflugbereich mit Check-in-Schaltern, Gepäckfördersystem, elektronische Fluggast- und Gepäck-Sicherheitssysteme sowie Einrichtungen für Polizei und Zoll. Erstmals setzte Siemens CapacityPlus bei der Fußball-Europameisterschaft 2004 in Lissabon, Portugal, ein (Bilder oben). Auf einer Fläche von 7 000 m² wurden in einem riesigen Zelt und einem kurzfristig umfunktionierten Hangar bis zu 3 000 Fluggäste pro Stunde abgefertigt. CapacityPlus wurde in nur vier Monaten fertig gestellt und konnte während der EM die Ankunft und den Abflug von insgesamt 700 000 Fußballfans problemlos sicherstellen.
Steht eine Großveranstaltung an, müssen Flughäfen oft zusätzliche Abfertigungskapazität schaffen. Hilfe kommt von Siemens Airport Logistics mit dem innovativen Service CapacityPlus. Für die Dauer der Veranstaltung errichtet Siemens ein vollständig ausgerüstetes zusätzliches Terminal auf dem Flughafengelände mit allen nötigen Funktionen: Ankunftsbereich mit Gepäckausgabe, Abflugbereich mit Check-in-Schaltern, Gepäckfördersystem, elektronische Fluggast- und Gepäck-Sicherheitssysteme sowie Einrichtungen für Polizei und Zoll. Erstmals setzte Siemens CapacityPlus bei der Fußball-Europameisterschaft 2004 in Lissabon, Portugal, ein (Bilder oben). Auf einer Fläche von 7 000 m² wurden in einem riesigen Zelt und einem kurzfristig umfunktionierten Hangar bis zu 3 000 Fluggäste pro Stunde abgefertigt. CapacityPlus wurde in nur vier Monaten fertig gestellt und konnte während der EM die Ankunft und den Abflug von insgesamt 700 000 Fußballfans problemlos sicherstellen.
Die Vorteile von "Siemens One" zeigten sich bereits während der ersten Umbauphase: Je weniger Dienstleister an einem Projekt beteiligt sind, desto weniger Schnittstellen gibt es in der Prozesskette – von Planung und Projektierung bis zu Integration und Realisierung. So ließen sich die Projekte termingerecht und zu den vorgegebenen Kosten abwickeln. Kostspielige Nachbesserungen, die bei Großprojekten oft anfallen, waren nicht notwendig. Ein weiterer Vorteil ist der Ansatz "one face to the customer": Mit Günter Behrend – General Manager von Siemens Airport Logistics in Dubai – hatte das DCA einen zentralen Ansprechpartner, mit dem es alle Wünsche und Fragen besprechen konnte. "Auf diese Weise behalten wir den Gesamtüberblick über das Projekt. Informationen gehen nicht verloren", sagt Behrend. Die Siemens-Mitarbeiter vor Ort können ihren Kollegen in anderen Bereichen wichtige Informationen liefern – über anstehende Projekte, Ansprechpartner und Entscheidungswege. "Die sind Gold wert, da die Entscheidungswege in einem fremden Land oft nur schwer zu durchschauen sind", weiß Behrend.
Weltgrößte Gepäckförderanlage. Dank dieser erfolgreichen "Siemens One"-Strategie gingen auch in der zweiten Umbauphase, die bis 2008 dauert, weitere Großaufträge an Siemens. So baut I&S Airport Logistics ein Cargo-Zentrum für einen Frachtumschlag von 1,2 Mio. t im Jahr sowie eine automatische Gepäckförderanlage für das Passagierterminal 3 – mit einer Gesamtlänge von 90 km die größte der Welt. Der Auftragswert beider Projekte liegt bei über 350 Mio. €. Um Platz für die Flugzeugbewegungen zu schaffen, wird sich das Terminal 3 komplett unter der Wüstenerde befinden.
I&S wird neben der Fördertechnik auch das IT-System mit Hardware und Software installieren. Dank dieser Maßnahmen lässt sich die Umsteigezeit der Passagiere auf 45 Minuten reduzieren. Wichtig für das DCA bei der Auftragsvergabe war darüber hinaus, dass Siemens das Gepäckfördersystem nicht nur liefern, sondern auch mindestens zehn Jahre betreiben kann. 300 bis 400 Mitarbeiter müssen dafür bereitgestellt werden – für einen Dauerbetrieb rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr. "Eine solche Flexibilität und Zukunftssicherheit können nur wenige Unternehmen bieten", sagt Behrend.
Trotz des Umbaus ist bereits absehbar, dass der Dubai International Airport künftig wieder an Kapazitätsgrenzen stoßen wird. So weist der Cargo-Umschlag Steigerungsraten zwischen 20 und 30 % im Jahr auf. Daher soll in einiger Entfernung ein weiterer Großflughafen mit einer Logistik-City und einer riesigen Freihandelszone entstehen. Dieser Jebel Ali International Airport soll der größte Flughafen der Welt werden, mit sechs parallelen Start- und Landebahnen sowie 120 Millionen Fluggästen pro Jahr und 12 Mio. t Luftfracht.
Gitta Rohling