Gesundheit digital – Herzzentrum Indiana
Eine Herzensangelegenheit
Bereits zwei Jahre nach seiner Eröffnung zählte "The Heart Center of Indiana" zu den besten 15 % der Krankenhäuser in den USA im Bereich Kardiologie. Die Partnerschaft mit Siemens trug maßgeblich zu diesem Erfolg bei.
Alles passt perfekt zusammen – ob im Operationssaal (oben), am Krankenbett der Kardiologie (links unten) oder in der Klinikapotheke (rechts unten). Im Herzzentrum von Indiana wurden alle medizintechnischen Systeme, die IT-Infrastruktur und sogar das ausgelagerte Abrechnungsmanagement von Siemens realisiert
Es begann mit einem Abendessen zwischen Klinik- und Verwaltungsexperten und einigen Notizen auf einer Papierserviette. Dann war der erste Entwurf einer hochmodernen Herzklinik fertig. "Wir wollten etwas anderes als das herkömmliche Krankenhausmodell", erinnert sich John Stewart, der vor vier Jahren mit am Tisch saß. "Wir stellten uns die Frage, ob man eine einzigartig effiziente Klinik schaffen kann, wenn man sie von Grund auf neu baut."
18 Monate und 60 Millionen Dollar später öffnete im Dezember 2002 das Herzzentrum "The Heart Center of Indiana (THCI)" seine Tore – ausgestattet mit fünf Operationssälen, fünf Herzkatheterlaboren und einer Kapazität von 60 Betten, die auf 120 Betten erhöht werden kann. Das vierstöckige Gebäude war die erste komplett digital betriebene Einrichtung zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Gegend von Indianapolis. John Stewart, heute CEO des THCI, wollte eine papier- und filmlose Einrichtung schaffen, die alle klinischen und betriebswirtschaftlichen Funktionen elektronisch integriert – und dank Siemens wurde seine Vision in Rekordzeit Wirklichkeit.
"Siemens installierte alle IT-, Medizin- und Finanzsysteme in nur sieben Monaten", sagt Stewart. "Vollständig papierlos sind wir zwar noch nicht, aber wir sind nahe dran." Siemens Medical Solutions (Med) übernahm eine Schlüsselrolle und lieferte sowohl erstklassige Medizintechnik als auch Informationstechnologie. "Da alle Systeme aus einer Hand stammen, arbeiten sie reibungslos zusammen. Es entstehen keine neuen Schnittstellen, was besser ist, als Systeme verschiedener Anbieter zusammenzustückeln", sagt Robert Dewey, Direktor Kardiologie, Global Solutions, bei Med.
Schon nach den ersten zwei Betriebsjahren wurde das THCI für seine klinische Qualität und die exzellenten Leistungen bei Koronar-Interventionen und der Behandlung von Herzinfarkten ausgezeichnet: Das unabhängige Institut für Qualitätsbewertung im Gesundheitswesen, HealthGrades, vergab mit fünf Sternen die höchste Auszeichnung. Damit zählt das THCI auf diesen Feldern zu den besten 15 % aller Krankenhäuser in den USA. Zudem wurden kürzere stationäre Aufenthalte und bessere medizinische Ergebnisse registriert. Verglichen mit den Werten für Bypass-Operationen der amerikanischen Gesellschaft der Thorax-Chirurgen hat das THCI die durchschnittliche Dauer des stationären Aufenthalts der Patienten von 8,8 Tagen auf 6,5 Tage und die Mortalitätsrate von 2,4 % auf 0,9 % gesenkt.
Der Nutzen, der sich aus der Partnerschaft mit Siemens ergibt, ist überall sichtbar. Der Kardiologe und Echokardiographie-Spezialist Dr. Douglas Segar äußert sich sehr zufrieden über die Digitaltechnik seiner Geräte. Dies habe den Arbeitsablauf enorm verbessert. "Früher waren Ärzte auf Videobänder und -rekorder angewiesen. Bis man darauf zugreifen konnte, dauerte es oft eine Woche. Die Patienten wurden untersucht und gingen nach Hause, nur um mehrere Tage später den Anruf zu erhalten, sie sollten wiederkommen", erzählt Segar. "Heute beträgt die Zeit von der Untersuchung bis zum Ergebnis lediglich einige Minuten."
Auf Knopfdruck stellt die elektronische Patientenakte von Siemens Ärzten und Krankenschwestern jede medizinische Information bereit. "In meinem Büro oder an irgendeinem beliebigen Computerarbeitsplatz hier im Haus kann ich sofort Röntgenbilder, MR- und Herzkatheter-Aufnahmen betrachten", sagt Segar. "Auch Laborergebnisse, Vitalparameter und klinische Tests kann ich jederzeit abrufen."
Zeitersparnis zum Nutzen des Patienten. Neben jedem Krankenbett steht zudem ein Monitor, der den Krankenschwestern Zugriff auf die medizinischen Informationen eines bestimmten Patienten gibt. "Jetzt sind meine Taschen nicht mehr voller Zettel", sagt Kris Fuller, Krankenschwester und Spezialistin für klinische Informationen. "Heute mache ich die notwendige Dokumentation direkt am Krankenbett, und zwar in dem Moment, in dem ich die Daten erhebe. Eine großartige Zeitersparnis."
Die Ärzte wiederum loben Siemens-Geräte wie den Magnetresonanz-Tomographen für kardiologische Anwendungen und den Computertomographen Somatom Sensation 64. Letzterer, so Dr. Segar, ist der "heilige Gral" der Bildgebung für die Darstellung von Arterien – ohne Katheteruntersuchung. Ob bei der Abbildung von Herz, Brustkorb oder Gefäßen – das Gerät erfasst in einer Drittelsekunde 64 Schichten hochaufgelöster Daten aus dem Körperinneren.
Das THCI führte auch das auf Barcodes basierende Medication Administration Check-System (MAK) von Siemens ein, um die Ausgabe von monatlich 40 000 bis 50 000 Medikamentendosen zu koordinieren. Brian Peters, Leiter der Klinikapotheke, sagt, MAK reduziere Fehler bei der Medikamentengabe mit Hilfe eines Abgleichs von Dosis, Darreichungsform, Uhrzeit, Arznei und Patient. Siemens unterstützte das THCI bei der gewaltigen Aufgabe, ein hauseigenes Strichcode-System zu entwickeln.
Auch die Verwaltung der Patientendaten sowie das Abrechnungsmanagement hat das THCI an Siemens abgegeben. Das Abrechnungssystem läuft über ein Application-Service-Provider-Modell, bei dem alle Daten in das Rechenzentrum von Siemens in Malvern, Pennsylvania, übertragen werden. Dort laufen dann sämtliche Funktionen der Patientenbuchhaltung ab: etwa das Ausstellen von Rechnungen an die Kostenträger oder die Buchung von Zahlungseingängen. Dieses Rechenzentrum ist wie ein Hochsicherheitstrakt – "es ähnelt einem Bunker und könnte einem militärischen Angriff widerstehen", sagt Dewey.
Das THCI ist einer von vielen Siemens-Partnern, die zusammen pro Tag eine Million Transaktionen durchführen. "Wenn Sie die Ärzte am THCI fragen, dann ist den meisten von ihnen wohl gar nicht bewusst, dass die Informationen nicht von innerhalb des Krankenhauses kommen", meint Dewey. Das THCI kann sich so ganz auf die Patientenversorgung konzentrieren und zugleich die Leistungen pünktlich abrechnen.
Lauralee Ortiz