Gesundheit digital – Fakten und Prognosen
IT im Gesundheitswesen
Der Markt für Informationstechnik in Krankenhäusern ist nach einer Studie von Frost & Sullivan (F&S) zwischen 2000 und 2004 allein in Europa von 2,4 auf knapp 3,5 Mrd. € angestiegen. "Im Durchschnitt geben europäische Kliniken jährlich 2 % ihres Gesamtbudgets für IT aus", sagt Siddharth Saha, Manager für Healthcare IT and Medical Imaging bei F&S. "Je nach Größe der Klinik schwankt der Betrag zwischen 20 000 und 2 Mio. € pro Jahr." Auch in den USA geben Krankenhäuser nach einer Untersuchung von PricewaterhouseCoopers vom April 2005 etwa 2 % ihres Gesamtbudgets für IT aus. "Auf Systeme für Verwaltung und Abrechnung entfielen in der Vergangenheit etwa 80 % aller IT-Ausgaben. Heute sind es nur noch 40 %, da der Verwaltungsbereich in den meisten Häusern bereits digitalisiert ist", sagt Saha. Im Fokus stehen heute IT-Systeme für den medizinischen Bereich. "Gegenwärtig werden dafür etwa 60 % aller IT-Ausgaben aufgewendet, und in fünf Jahren werden es 80 % sein."
Software im Krankenhaus. Ganz oben auf der Wunschliste der Ärzte steht laut Saha Digitaltechnik, die die Versorgungsqualität verbessert, etwa die elektronische Patientenakte oder CPOE-Systeme (Computerized Physician Order Entry). Sie ermöglichen es dem Arzt, ein elektronisches Rezept oder den Auftrag zu einer anstehenden Laboruntersuchung in den Computer einzugeben und elektronisch zu verschicken. In den USA haben Klinik-Informationssysteme für den stationären Bereich sowie Programme zur Verwaltung von diagnostischen Bildern (PACS, Picture Archiving and Communication System) höchste Priorität.
Starkes Wachstum in Asien. In China wurde in den vergangenen Jahren vor allem in Verwaltungssysteme und Medizingeräte investiert. Saha rechnet damit, dass auch in den nächsten drei bis vier Jahren der Fokus auf diesen Investitionen liegen wird. Danach prophezeit er auch in China ein starkes Wachstum bei PACS. In Indien haben Privatkliniken die Vorreiterrolle beim Aufbau von Klinik-IT übernommen. "In den vergangenen zwei bis drei Jahren kauften die Häuser insbesondere Verwaltungs- und Abrechnungssysteme", erklärt Saha. In einem nächsten Schritt sollen elektronische Rezepte eingeführt werden, und danach PACS. "Von diesen Systemen gibt es zurzeit in Indien nur eine Hand voll", sagt Saha.
Automatische Bildauswertung. Laut Siddharth Saha sind Systeme zur automatischen Bildauswertung (Computer-aided detection, CAD) der nächste sinnvolle Schritt nach der Investition in PACS. CAD-Systeme analysieren sowohl digitalisierte Röntgenbilder und Mammogramme als auch Daten vom Computer- oder Magnetresonanz-Tomographen, und sie erkennen dabei automatisch krankhafte Gewebeveränderungen wie Tumoren.
In Europa sind bereits 270 dieser Systeme installiert, 90 % davon in der Mammographie. Nach Frost & Sullivan steigern sie die Erkennungsrate bei Brustkrebs um 25 %. Doch auch in der Früherkennung von Lungen- und Darmkrebs sind sie im Kommen (siehe Trends). Da CAD-Systeme mit 150 000 US-$ zwei- bis dreimal so teuer wie PACS sind, werden sie meist nur von großen Kliniken angeschafft. Der europäische CAD-Markt, der 2003 noch ein Volumen von 27 Mio. US-$ hatte, steigt nach einer Schätzung von F&S bis 2008 jedes Jahr um durchschnittlich 26,5 % und beträgt im Jahr 2008 etwa 87,5 Mio. US-$.
Michael Lang