Editorial
158 Jahre jung
Heinrich v. Pierer
Dr. Heinrich v. Pierer ist Vorsitzender des Aufsichtsrats der Siemens AG. Seit 1969 gehört er dem Unternehmen an. Von 1992 bis Januar 2005 war er Vorstandsvorsitzender der Siemens AG
Was ist das Erfolgsgeheimnis langlebiger Firmen? Etwa zwei Drittel der Unternehmen aus der Fortune-500-Liste des Jahres 1970 existieren heute nicht mehr, sind aufgekauft, mit anderen Unternehmen verschmolzen, liquidiert oder in Einzelteile zerbrochen. Siemens hingegen war 1970 bereits seit über 120 Jahren auf den globalen Märkten tätig und – was den Umsatz betraf – die Nummer 10 im Weltelektromarkt. Heute sind wir das einzig verbliebene europäische Unternehmen in der Liste der Top Ten und sieben Ränge weiter nach oben geklettert: auf Platz 3.
Der berühmte amerikanische Autor F. Scott Fitzgerald sagte einmal: "Es zeugt von höchster Intelligenz, zwei gegensätzliche Vorstellungen gleichzeitig zu verfolgen und doch handlungsfähig zu bleiben." Wir sprechen von "Kontinuität und Wandel" – und genau dieses Motto "Die traditionellen Stärken bewahren und zugleich den Fortschritt stimulieren" ist einer der Erfolgsfaktoren für nachhaltiges Wachstum. Das Management des Wandels muss funktionieren, um in einer sich ständig wandelnden Welt zukunftsfähig zu bleiben. Gleichzeitig müssen aber grundlegende Maximen des Handelns bewahrt werden. Bei Siemens ziehen sich vor allem Innovationen – neben einer frühen Globalisierung und einem hohen Maß an Kundenorientierung – wie ein roter Faden durch die Unternehmensgeschichte.
Die Erfindung von Zeigertelegraf und Dynamo, die weltweit erste elektrische Eisenbahn, das erste Telefonamt und dann im 20. Jahrhundert die erste Metallfaden-Glühlampe, der erste Staubsauger, das erste serienreife Elektronenmikroskop, der erste Herzschrittmacher, die Herstellung von Reinstsilizium – was ein wichtiger Meilenstein für die Mikroelektronik war –, das erste Automatisierungssystem für die Industrie, die digitale Fernsprechvermittlung oder Weltrekorde in der Datenübertragung und im Wirkungsgrad von Kraftwerken – Innovationen von Siemens haben immer entscheidende Weichen für die Entwicklung der Elektrotechnik gestellt. Bereits 1905, vor hundert Jahren, hat Siemens sein erstes zentrales Forschungslabor in Berlin gegründet – den Vorläufer der heutigen Corporate Technology. Über die Meilensteine dieser vergangenen 100 Jahre berichten wir in dieser Ausgabe von Pictures of the Future im Abschnitt Corporate Technology – 100 Jahre Zentrale Forschung.
Natürlich gilt das Prinzip von Kontinuität und Wandel auch für die Forschung: War sie um die Mitte des 20. Jahrhunderts eher technologiegetrieben, so legte sie in den 70er Jahren zusätzlich ihren Fokus mehr und mehr auf den Markt als Themenquelle, auf effizientere Prozesse sowie auf den Ausbau globaler Netzwerke und eine striktere Ausrichtung auf den Kundennutzen – Innovationen sind heute für die Differenzierung auf den Weltmärkten wichtiger denn je. Wie erfolgreich wir darin sind, Neues zu schaffen, wird beispielsweise belegt durch die Verleihung des Innovationspreises der Deutschen Wirtschaft im Januar 2005 an Siemens-Entwickler, nachdem zuvor schon ein Siemens-Forscher zusammen mit Kollegen von Infineon und der Fraunhofer-Gesellschaft mit dem Deutschen Zukunftspreis 2004 ausgezeichnet wurde – und im Jahr 2005 sind nun sogar zwei Siemens-Teams für den Zukunftspreis nominiert: für so unterschiedliche Entwicklungen wie einen Höchstleistungs-Röntgenstrahler für die Computertomographie und für Piezo-Einspritzsysteme für Automotoren – letzteres zusammen mit einem Entwickler der Robert Bosch GmbH ( In aller Kürze).
Wie schon im 19. und 20. Jahrhundert werden Siemens-Innovationen sicherlich auch weiterhin die Zukunft der Elektrotechnik prägen. Beispielhaft beschreibt dieses Heft Entwicklungen für Energieversorgung und Gebäudetechnik, Home Entertainment und das Smart Home, Verkehrstelematik, Funketiketten für die Logistik, das mitdenkende Auto oder den Nutzen, den Informations- und Kommunikationstechniken für das Gesundheitswesen haben. Diese Bandbreite zeigt, dass es kaum ein vergleichbares Unternehmen gibt, das so gut für die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gerüstet ist wie Siemens. Trend setzende Innovationen bleiben die tragende Säule unseres Geschäfts.