Das mitdenkende Auto – Fakten und Prognosen
Elektronik treibt Innovationen im Auto voran
Eine Vielzahl aktiver Sicherheitssysteme kommt auf den Markt
In dieser Dekade nehmen die aktiven Fahrerassistenzsysteme deutlich zu. Antiblockiersystem (ABS) und elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP) werden laut einer Studie von Frost & Sullivan (F&S) von 2004 im Jahr 2010 in Europa den Löwenanteil des Marktvolumens von 3,5 Mrd. € ausmachen. Andere Systeme wie Abstandsregeltempomat, Fahrspurerkennung, Überwachung des toten Winkels und automatische Reifendruckkontrolle kommen sukzessive auf den Markt und wachsen sehr stark. Während heute fast alle Neuwagen ABS haben, ist ESP erst bei etwa der Hälfte vorhanden. Bis 2010 wird dieser Anteil auf knapp 70 % ansteigen. Der europaweite Umsatz mit Systemen zur automatischen Reifendruckkontrolle wird sich bis 2010 voraussichtlich auf knapp 337 Mio. € mehr als vervierfachen. Jeder zweite Neuwagen wird dann dieses System haben.
Start bei Null. Der Markt von Systemen zur Fahrspurerkennung oder zur Überwachung des toten Winkels ist derzeit nahezu Null, wird aber ab 2006 ansteigen. So dürften europaweit im Jahr 2010 über 16 Mio. € mit Fahrspurerkennungssystemen umgesetzt werden, ein ähnliches Marktvolumen sollen dann Nachtsichtsysteme umfassen. Für Assistenzsysteme, die den Fahrer beim Wechsel von Fahrspuren unterstützen, prognostizieren die Marktforscher von F&S bis 2010 ein Umsatzvolumen in Europa von knapp 26 Mio. €. Head-up-Displays, die Informationen direkt ins Sichtfeld des Fahrers einblenden, werden laut F&S in Europa ebenfalls erst ab 2006 marktrelevant, dann aber mit hohem Wachstumspotenzial.
Elektronik und Software machten 1990 noch 16 % des Fahrzeugwerts aus. Im Jahr 2001 waren es bereits 25 %. Bis 2010 wird der Anteil auf knapp 40 % steigen, so das Ergebnis einer Gemeinschaftsstudie des Center of Automotive Research, PricewaterhouseCoopers, des VDA und der Stadt Leipzig.
Assistenzsysteme vor der Marktreife
"Bahnbrechende Neuheiten bei mechanischen Teilen sind nicht zu erwarten. Die Innovation liegt zu 90 % bei Elektronik und Software", erklärt Dr. Alexander Borusan, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Software- und Systemtechnik ISST in Berlin. Schon heute stecken in einem Mittelklassewagen 30 bis 50 Steuergeräte, in Fahrzeugen der Oberklasse sind es bis zu 80.
85 % von 1 300 befragten deutschen Autobesitzern sehen in den elektronischen Helfern eine Entlastung. Das ergab eine Studie der Dekra – einem internationalen Unternehmen für Prüfungen und Gutachten – zum Thema Autoelektronik. Zugleich hatten 39 % schon einmal Probleme mit der Fahrzeugelektronik. Dennoch überwiegen in den Augen der Autokäufer die Vorteile, die solche Systeme für Fahrzeugsicherheit und -komfort bringen. Vor allem für deutsche Autofahrer ist die Fahrzeugsicherheit eines der wichtigsten Kaufkriterien. Ein Grund dafür ist die alternde Bevölkerung: Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes steigt der Anteil der über 60-Jährigen bis 2030 auf fast 35 %. Und vor allem ältere Käufer eines Neuwagens wollen eine bessere Sicherheitsausstattung.
Sylvia Trage