Das weltweite Marktvolumen für Software wird laut den US-Marktforschern von IDC von 185 Mrd. US-$ im Jahr 2003 auf etwa 260 Mrd. US-$ bis 2008 steigen. Und dies ist nur das Volumen für vorkonfektionierte Software-Pakete – dazu kommt noch ein weit größerer Anteil: die Software, die von Unternehmen selbst erstellt wird. Siemens gibt etwa für Software-Entwicklung pro Jahr über 3 Mrd. € aus. Im Gegensatz zur PC-Software, bei der das Wachstum spürbar nachlässt, erwarten Analysten eine explosionsartige Zunahme bei der "eingebetteten Software", die in Produkten versteckt meist nicht wahrnehmbar ist – vom Handy bis zur Fabriksteuerung.
Dieser Trend liegt vor allem am immer billigeren Speicherplatz. Das kalifornische Forschungsinstitut iSuppli schätzt, dass der Preis pro Megabit Speicher (DRAM) von etwa 0,02 US-$ in diesem Jahr bis 2008 auf 0,4 Cent fallen wird – 1995 lag er noch bei 3,5 US-$. An Autos lässt sich diese Entwicklung gut verfolgen. Mikroprozessoren übernehmen verstärkt Aufgaben von elektromechanischen Systemen, so dass sich die Funktionalität von der Hard- auf die Software verlagert. Laut Mercer Management Consulting wurden im Jahr 2000 etwa 25 Mrd; € für Automobil-Software ausgegeben. 2010 sollen es viermal so viel sein. Dann stecken 35 % des Werts eines durchschnittlichen Autos in Software und Elektronik – 13 Prozentpunkte davon entfallen auf die Software.
Schon bald könnten Autobesitzer von ihrem Autohaus Software-Upgrades beziehen, sagt Jan Dannenberg, Leiter der Analysegruppe für den Automobilbereich bei Mercer. Beispielsweise könnten sie vor dem Wintereinbruch ein Programm herunterladen, das das sichere Bremsen bei Eis und Schnee unterstützt. Daya Nadamuni, leitender Analyst bei Gartner Dataquest, sieht das größte Potential für eingebettete Software bei Geräten mit einer Benutzerschnittstelle – etwa bei Mobiltelefonen, Informationssäulen, Patientenüberwachungssystemen oder Industriesteuerungen. Vorreiter dürften laut dem US-Forschungsinstitut VDC neben der Automobil- auch die Militär-, Luft- und Raumfahrtindustrie sowie die Unterhaltungselektronik sein.
Der Wert von Software und Elektronik im Auto wird bis 2010 um etwa 8 % pro Jahr auf 270 Mrd. € anwachsen – im Schnitt sind das 35 % des Gesamtwerts eines Autos
Allerdings ist eine typische Anwendung in den vergangenen zwei Jahren von 100 000 auf eine Million Zeilen Code angeschwollen, teilt das US-Unternehmen Wind River mit, das Betriebssysteme für eingebettete Software produziert. Die Komplexität wird mit zunehmender Vernetzung und Echtzeit-Fähigkeit der Geräte noch weiter steigen. Laut Watts Humphrey, Direktor am Software Engineering Institute der Carnegie Mellon University in Pittsburgh, USA, unterliegen Größe und Komplexität von Systemen und Anwendungen einem exponentiellen Wachstum: Sie verzehnfachen sich alle fünf Jahre. Um die Komplexität zu beherrschen, werden immer mehr Software-Bestandteile in Standardmodule gekapselt. Der Vorteil: "Wenn ein Modul geprüft und in sich fehlerfrei ist, ist seine Größe nicht mehr entscheidend. Nur die Schnittstelle zählt. Solange die einfach genug ist, können wir damit umgehen", erklärt Reinhold Achatz, Leiter der Abteilung Software & Engineering bei Siemens Corporate Technology.
Mary Lisbeth d’Amico