Einmal pro Jahr zeichnet Siemens herausragende Mitarbeiter aufgrund ihrer Patentanmeldungen als "Erfinder des Jahres" aus. Die (meist) zwölf Preisträger werden unter Tausenden von Forschern und Entwicklern aus allen Bereichen von Siemens ausgewählt. Allein aufs Konto der zwölf Preisträger des vergangenen Jahres gehen etwa 600 Erfindungen – stellvertretend stellen wir zwei Forscher vor, deren Entwicklungen den Verkehr in der Luft und am Boden sicherer gemacht haben.
Winzlinge ohne Wartung: Mit LED bestückte Leuchtfeuer sind kostengünstig und besonders stabil
Bisher glaubten die Fachleute, dass auf Start- und Landebahnen von Flughäfen nur Halogenlampen den hohen Sicherheitsansprüchen genügen. Bei Leuchtdioden (LED) sei die Lichtausbeute zu gering, hieß es. Jean-Claude Vandevoorde von Industrial Solutions and Services in Belgien hinterfragte diese Lehrmeinung und forschte intensiv auf dem Gebiet der Flughafenbefeuerung. Die von ihm entwickelten Feuer mit Hochleistungs-LED beleuchten heute unter anderem die Rollbahnen in Brüssel, Vancouver und Cincinnati. Vorteile dieser LED: Ihre Reaktionszeit ist viel schneller, sie verbrauchen bis zu 70 % weniger Strom als Halogenleuchten, müssen nicht aus hitzebeständigem Material gefertigt werden, kennen keine Korrosion und temperaturbedingte Alterung und haben eine Lebensdauer von bis zu 20 Jahren. Dadurch entfallen aufwändige Wartungsarbeiten auf Rollbahnen, was die Kosten senkt und die Sicherheit erhöht. In den vergangenen acht Jahren meldete Vandevoorde 21 Erfindungen an.
Louise Christensen
Schwebende Anzeige: Von Heinz-Bernhard Abel entwickelte Displays sollen sich künftig automatisch der Fahrsituation anpassen
Viele Erfindungen von Dr. Heinz-Bernhard Abel von Siemens VDO aus Babenhausen drehen sich um so genannte Head-up-Displays für Autos. Dabei blendet ein Spiegelsystem wichtige Informationen wie etwa Geschwindigkeit oder Navigationshinweise in die Windschutzscheibe ein. Für den Fahrer entsteht der Eindruck, als schwebten die Informationen oberhalb der Motorhaube. Dadurch muss der Autofahrer seinen Blick nicht ständig von der Fahrbahn nehmen und neu fokussieren. Dies ist nicht nur bequem, sondern trägt auch erheblich zur Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer bei. Im Mittelpunkt von Abels neuester Erfindung steht die flexible Steuerung von Anzeigen im Auto. Diese ermöglicht eine situationsgerechte, variable Nutzung von Displays, die sich etwa an der aktuellen Fahrsituation oder der Beanspruchung des Fahrers orientiert. Damit können beispielsweise Warnmeldungen oder andere sicherheitsrelevante Hinweise besser wahrgenommen werden. Das ist ein weiterer Beitrag zur Steigerung der Verkehrssicherheit. In Zukunft soll das System selbst erkennen, in welcher Situation sich das Fahrzeug befindet und dann die Anzeigefunktionen der jeweils passenden Anzeige dynamisch zuweisen. Abel hat seit Mitte der 90er Jahre 18 Erfindungen gemacht, von denen einige patentiert und in Produkte umgesetzt wurden. Unter seiner Mitwirkung entstand auch das mittlerweile für den neuen 5er BMW erhältliche Head-up-Display.
Louise Christensen
Stets bestens informiert: Ärzte kennen bereits beim Händedruck die Krankengeschichte ihrer Patienten
Behandlungen im Krankenhaus könnten künftig für Mediziner einfacher und für Patienten transparenter werden – dank eines Funkarmbands von Siemens mit einem 0,5 mm² kleinen RFID-Chip (Radio Frequency Identification). Aus Datenschutzgründen ist darauf nicht die Krankenakte gespeichert, sondern deren Webadresse im Zentralrechner, in den sich der autorisierte Arzt einwählen kann – auch von Mobilgeräten aus. Bei einem Projekt im New Yorker Jacobi Medical Center hat Siemens Business Services mehr als 200 Personen mit den Armbändern ausgestattet. Ärzte können die Daten mit einem RFID-fähigen PDA auslesen. Wird der Patient etwa auf die Röntgenstation geschickt, kann der dortige Arzt sofort die digitale Patientenakte bearbeiten, zum Beispiel Diagnosen oder Röntgenbilder hinzufügen. Siemens entwickelt zudem eine innovative RFID-Uhr. Mit Hilfe von Antennen, die auf dem Klinikareal verteilt sind, kann der Standort des Trägers der Uhr auf zwei Meter genau ermittelt werden. Ein Sensor, den der Patient an der Brust trägt, misst zudem die Herzwerte und übermittelt sie an die Uhr. Das Gerät funkt dann die Daten an den Arzt. Risikopatienten wären somit auch außerhalb ihres Zimmers – etwa im Krankenhauspark – unter ärztlicher Aufsicht.
Schlaue Kombination: Die SPECT·CT vereint die Vorteile der Nuklearmedizin und der Computertomographie
Um Krankheiten noch früher und sicherer erkennen zu können, hat Siemens zwei bildgebende Verfahren in einem Gerät kombiniert. Die True Point SPECT· CT-Technik vereint die Computertomographie (CT) mit der SPECT-Diagnostik (Single Photon Emission CT). Mit Hilfe der Röntgenbilder aus der CT lassen sich dreidimensionale Bilder aus dem Körperinneren mit hoher Auflösung gewinnen. Das nuklearmedizinische SPECT-Verfahren hingegen beruht auf dem Nachweis geringer Mengen radioaktiver Substanz, die sich in bestimmten Organen anreichert. Die ausgesandte Gammastrahlung erfasst eine spezielle Kamera. SPECT erlaubt Rückschlüsse auf Körper- und Zellfunktionen und kann sehr frühzeitig krankhafte Veränderungen erkennen. Im Vergleich zur CT haben SPECT-Bilder aber eine geringere räumliche Auflösung – daher die Kombination der Verfahren, um die Vorteile beider Methoden zu nutzen. Damit lässt sich die Diagnostik von Krebs, Herzerkrankungen und Nervenleiden verbessern. Ab Juni 2005 soll die Technik auf dem deutschen Markt erhältlich sein.
Bilderchronik auf dem Display: Eine Software verknüpft Handy-Fotos mit Hilfe von GPS mit einer Ortsangabe
Siemens-Entwickler haben eine Software geschrieben, mit der Handynutzer künftig ein mobiles Foto-Tagebuch führen können. In Kombination mit dem Satellitennavigationssystem GPS bekommen mit der Handy-Kamera aufgenommene Bilder eine Ortsangabe. Werden die Fotos noch mit einer digitalen Landkarte verknüpft, erscheint der Ort der Aufnahme in einem Kartenausschnitt. Mit einem Bluetooth-fähigen Eingabegerät – einem digitalen Stift oder einer Maus – können die Fotos mit handschriftlichen Aufzeichnungen oder Sprachnachrichten verbunden und verschickt werden. In Zukunft könnte das Programm auch auf einem großen Handy-Display laufen. Der Monitor zeigt einen Kartenausschnitt, auf dem jedes Digitalfoto mit einem Symbol dargestellt ist. Klickt der Anwender auf ein Foto, wird es vergrößert. In der Menüleiste unten ist eine chronologische Folge der Bilder. Eine derartige Verbindung von Orts- und Zeitangaben auf Fotos erleichert etwa die Dokumentation einer Urlaubsreise oder eines Messebesuchs.