Südkorea und Japan liegen weltweit vorne, wenn es um breitbandige Internetzugänge geht. Der Download von Videos oder Spielen sind hier ebenso selbstverständlich wie das Telelearning, die Fernüberwachung von Kinderspielplätzen oder das Online-Banking per Handy.
Internetcafé in Seoul: für viele Südkoreaner ebenso unverzichtbar wie das mobile Internet und der Breitbandanschluss zu Hause
Sie erledigen Einkäufe oder Bankgeschäfte via Handy und spielen gegeneinander übers ultraschnelle Breitbandnetz - im PC Bang, wie die Internetcafés heißen, oder zu Hause in Hightech-Wohnzimmern. Willkommen in Südkorea, dem derzeitigen Mekka der Breitbandtechnik. Etwa 75 % der 14 Millionen Haushalte können mit Hochgeschwindigkeit surfen. In Japan ist es derzeit jeder dritte, in den USA jeder vierte, in Deutschland nur jeder siebte Haushalt. Weltweit liegt Korea damit an erster Stelle. Etwa 132 Mrd. &uro; hat die Regierung Koreas seit 1998 in den Ausbau der Breitbandversorgung seiner 48 Millionen Einwohner gesteckt. Die "e-Korea Vision 2006" sieht vor, dass Ende 2005 fast 95 % der Privathaushalte und der Firmen superschnellen Zugang zum Internet haben sollen.
Die meisten Südkoreaner nutzen zu Hause derzeit ADSL, das eine Geschwindigkeit von 640 kBit/s bis 8 MBit/s ermöglicht. Auf dem Broadband Worldforum im Mai 2004 in Seoul gingen Experten sogar davon aus, dass fast ein Viertel der koreanischen Breitbandnutzer schon über Very high data rate Digital Subscriber Line (VDSL) verfügen und damit über 13 MBit/s. Einer der Hauptlieferanten von VDSL-Technologie für Korea Telecom, Koreas größtem Breitband-Anbieter, ist der Netzausrüster Dasan. An Dasan hält Siemens eine knapp 50-prozentige Beteiligung. "Wir sind dadurch jetzt beim VDSL-Rollout mit dabei und gewinnen wertvolle Erfahrungen für unsere Netzstrategie und Produktplanung", sagt Bernhard Neef, Senior Vice President von Siemens Com in der Zentrale für Südostasien mit Sitz in Kuala Lumpur, Malaysia.
Neben TV-Serien, Kinofilmen und Entertainment, darunter vor allem die in Korea so beliebten Spiele, kommen hauptsächlich Ausbildungsinhalte ins heimische Wohnzimmer. "Koreaner geben mehr Geld für die Ausbildung ihrer Kinder aus als für Miete und Essen", berichtet Neef. Manche Nachhilfelehrer unterstützen schon ihre Schüler beim Lernen via Breitbandnetz. Derzeit treibt Korea Telecom das Heimkino auf Abruf voran, also Video-on-Demand mit 0,5 bis 1,0 MBit/s. Zunächst soll der heimische Rechner die Datenmengen in VHS-Qualität empfangen, später in DVD-Qualität, und sie dann drahtlos ans Fernsehgerät senden. "Gegenwärtig werden Produkte mit einer Funkschnittstelle entwickelt", erklärt Neef. Bei Koreas Innovationstempo sei die Marktreife bald erreicht. "Letztlich sollen von einer Box via WLAN alle Terminals zu Hause versorgt werden, über DECT das Telefon und über die Settop-Box das Fernsehgerät".
Derzeit stattet Samsung Electronics in Seoul Apartmentkomplexe mit Breitbandanschluss, vernetzten Haushaltsgeräten und Sicherheitssystemen aus, die zum Teil auch übers Handy steuerbar sind (siehe Interview). Nach der Roadmap des koreanischen Ministeriums für Information und Kommunikation sollen Ende 2004 etwa 500 000 Wohnzimmer voll digitalisiert sein. Zunächst mit Video-on-Demand und Kontrolldiensten etwa um per Handy zu erfahren, wer vor der Haustür steht. Bis 2007 weist die "IT-8-3-9-Strategy" (acht favorisierte Dienste auf Basis von drei breitbandigen Netzen, die neun Wachstumsfelder anstoßen sollen) zehn Millionen Wohnungen mit Home Network aus. Dafür will die Regierung bis 2007 etwa 175 Mrd. ausgeben. Kevin Morrow, Leiter des Digital Solution Centers von Samsung, schätzt allerdings aufgrund der derzeitigen Entwicklung, "dass es bis 2007 etwa 1,4 Millionen solcher Wohnungen geben wird" deutlich weniger als von der Regierung gewünscht, aber immer noch eine sehr beeindruckende Zahl.
Kevin Morrow (39) leitet das Digital Solution Center von Samsung Electronics in Seoul, Südkorea. 250 Ingenieure arbeiten dort an Lösungen für "homevita", wie bei Samsung alles rund ums vernetzte Heim heißt
Kann man in Südkorea auf dem Heimweg schon seine Badewanne via Handy einlaufen lassen?
Morrow: Das ist eher ein Szenario aus der Werbung. Nützlicher ist wohl, wenn man vom Büro oder Handy aus die Klimaanlage oder die Sicherheitskameras steuern kann. Genau das geht mit dem Home Network, das man über jeden Webbrowser erreichen kann.
Leben Sie selbst bereits in einem Digital Home?
Morrow: Nein, aber VDSL-Breitbandzugang habe ich auch. Cyberapartments oder Digital Homes sind auch in Korea noch recht neu. Es gibt sie vor allem in teuren Hochhaus-Neubauten mit bis zu 1000 Apartments. Bis jetzt achten die meisten Kunden allerdings noch nicht so sehr auf den Mehrwert wie Komfort und größere Sicherheit, den ein Home Network bieten kann das wird wohl noch fünf Jahre dauern.
Welchen Mehrwert hat so ein Cyberapartment?
Morrow: Am meisten genutzt werden derzeit die Steuerung der Hauseinrichtungen per Touchscreen oder Webpad sowie Community-Portale im Internet und die Fernüberwachung des Hauses oder von Kinderspielplätzen. Künftig wird das drahtlose WLAN immer wichtiger, um Daten, Audio und Video innerhalb der Wohnung zu verteilen. Wir entwickeln derzeit Lösungen, bei denen man beim Nachhausekommen nur einen Knopf drücken muss und dann passiert alles wie von selbst: Das Licht geht an, die Klimaanlage läuft, die Jalousien öffnen sich und die Lieblingsmusik spielt. In der Küche kann man sich von einer der Kochseiten im Internet ein Video herunterladen, das zeigt, wie ein bestimmtes Mahl zubereitet wird. Und die Instruktionen lassen sich an Ofen oder Mikrowelle weiterleiten.
Das Interview führte Nikola Wohllaib
Internet-Telefonie und Glasfasern ins Haus. Darüber hinaus führt Korea die Internettelefonie (VoIP) ein bei Hanaro, Koreas zweitgrößtem Breitbandversorger, abonnieren pro Woche etwa 3 000 Nutzer diesen Service. Im Teststadium ist zudem die Videotelefonie. Immer mehr ersetzen auch Glasfasern bis ins Wohnzimmer Fiber-to-the-Home (FTTH) die bisherigen Kupferkabel. Denn für Anwendungen wie das Herunterladen von Spielfilmen und das gleichzeitige Spielen übers Netz sind Bandbreiten von 25 MBit/s und mehr erforderlich. Ganz vorne bei FTTH liegt derzeit Japan. Yuji Inoue, Senior Vice President bei Japans größtem Telekommunikationskonzern NTT, sagte auf dem Broadband Worldforum, dass über eine Million der 15 Millionen Breitbandnutzer in Japan bereits via FTTH ins Hochgeschwindigkeitsnetz gehen. Die Abo-Kosten für FTTH mit maximal 100 MBit/s liegen derzeit unter 50 pro Haushalt und Monat. Inoue rechnet bis 2005 mit fünf Millionen Abonnenten. 2008 soll FTTH mit dann 30 Millionen Nutzern sogar ADSL überholt haben.
China glänzt mit hohen Wachstumsraten, ist allerdings beim Aufbau der Kommunikations-Infrastruktur noch nicht so weit wie seine Nachbarn Japan und Südkorea in großen Landesteilen werden Fest- und Mobilfunknetze erst aufgebaut. Im Internet surfen fast 80 Millionen Chinesen, zwei Drittel von zu Hause aus, der Rest über Internetcafés. Das sind 6,2 % der Bevölkerung - die Internet-Durchdringung ist also noch relativ gering. Doch die Zahl der Breitbandanschlüsse stieg im Reich der Mitte laut Marktforschern der Gartner Group 2003 um 7,6 Millionen auf 11 Millionen, und der chinesische Handymarkt ist einer der wachstumsstärksten weltweit. Jeder fünfte Chinese hat ein Handy, pro Monat werden es vier bis fünf Millionen Kunden mehr. Laut dem Ministerium für Informationsindustrie (MII) gab es Ende 2003 insgesamt 272 Millionen Mobilfunk- gegenüber 263 Millionen Festnetzkunden. Experten schätzen, dass die Zahl der Handynutzer in China bis Ende 2004 auf 320 und bis 2009 auf 550 Millionen anwachsen wird. Für breitbandige Mobilfunknetze wird die chinesische Regierung wohl erst im Jahr 2005 Lizenzen vergeben, aber es werden neben den internationalen auch eigene Standards wie TD-SCDMA entwickelt unter anderem zusammen mit Siemens. Seit drei Jahren ist Siemens auch mit einer Reihe chinesischer und deutscher Universitäten am Projekt "FuTURE" (Future Technologies for Universal Radio Environment) im Rahmen der chinesischen Forschungsinitiative 863 beteiligt. Ziel ist es, die Datenrate gegenüber UMTS nochmals um den Faktor 10 zu erhöhen
Auch für den Mobilfunk verspricht Inoue ab Frühjahr 2005 noch schnellere Verbindungen. Daten sollen dann mit 3 MBit/s auf die Handys flitzen. Japan hat sein erstes mobiles Breitbandnetz bereits im Oktober 2001 gestartet (siehe Pictures of the Future, Frühjahr 2002, Japans Pioniere). Freedom of Mobile Access FOMA, das japanische Pendant zu UMTS nutzten Anfang 2004 über zwei Millionen Teilnehmer. Auch bei der Entwicklung der vierten Mobilfunkgeneration (4G), die noch höhere Datenraten bieten soll, ist Japan derzeit führend. Beim japanischen Netzbetreiber NTT DoCoMo laufen Testsysteme mit 100 MBit/s im Downlink und 20 bis 40 MBit/s im Uplink selbst im langsam fahrenden Auto, wie das Magazin Nikkei Electronics Asia berichtet.
Immer eine Nasenlänge voraus, scheint auch Koreas Devise zu sein. "Korea will bei der Entwicklung von 4G die führende Rolle in Asien einnehmen", weiß Dr. Werner Mohr, der für Siemens Com strategische Forschungsallianzen koordiniert, aus Kreisen des koreanischen Electronics and Telecommunications Research Institutes (ETRI). Das koreanische EV-DO, das vor zwei Jahren gestartet wurde, bringt bis zu 2 MBit/s an Downloadgeschwindigkeit und hat derzeit etwa fünf Millionen Abonnenten, wie auf dem Broadband Worldforum berichtet wurde.
"Korea überspringt womöglich die dritte Mobilfunkgeneration und arbeitet mit WIBRO Wireless Broadband an einer weitergehenden Lösung, einer Zwischenstufe zu 4G", sagt Mohr. Laut Dae-Je Chin, südkoreanischer Minister für Kommunikation und Information, wird bis Ende 2005 dieses neue Funkzellennetz aufgebaut sein. Es soll die Vorteile von Festnetz, Mobilfunk und WLAN in sich vereinen und auf dem WiMAX-Standard aufbauen (siehe Mobiles Internet). Im Anfangsstadium soll WIBRO jedem Nutzer bei einem Radius von 1 km zur nächsten Basisstation eine Übertragungsrate von 3 MBit/s zur Verfügung stellen. Zwar ist der WiMAX-Standard international noch nicht endgültig definiert, aber Korea will nicht warten. Die Regierung hat schon das nötige Frequenzspektrum reserviert. Sollte es Abweichungen zum internationalen Standard geben, müsse man eben nachbessern, war mehrfach von koreanischen Experten auf dem Broadband Worldforum zu hören.
Nikola Wohllaib
"Papa, ich möchte, dass du mir aus der Arbeit ein schönes Notebook mitbringst", lautet die nicht ganz ernst gemeinte SMS, die Sang-Il Lee von seiner Tochter Hae-Yin aufs Handy bekommt. Die Achtjährige hat bereits mehrere e-Mail-Adressen und versucht derzeit, eine eigene Homepage zu bauen. Sie schickt ihrem Vater oft Kurzmitteilungen - sogar während der Schulpause. Was die Nutzung neuer Kommunikationstechniken angeht, ist Sang-Il Lees Familie typisch für Südkorea. Der 43-jährige Vater zweier Kinder arbeitet in Seoul als politischer Redakteur bei der Zeitung JoongAng, einer der großen Tageszeitungen. Korea steht, gemessen an der Wirtschaftskraft, an zwölfter Stelle in der Welt. Was die Informationstechnik angeht, ist es hingegen an der Spitze: Mehr als zehn Millionen Familien haben Zugang zu breitbandigen Internetverbindungen, meist über DSL. Das bedeutet, dass etwa 30 Millionen der fast 48 Millionen Einwohner mit hohen Datenraten surfen oder Musikdateien downloaden können. Zudem haben 35 Millionen Menschen einen Handyvertrag. Korea kann durchaus als erste "Always-on"-Gesellschaft bezeichnet werden
Für Sang-Il ist das Internet ein wichtiges Arbeitsmittel, genau wie für jeden anderen Journalisten. Er durchsucht für seine Recherchen online Dokumente und knüpft Kontakte via e-Mail. Seine wertvollen Quellen verwaltet er im Rechner. Auch nimmt er oft an Hintergrundgesprächen oder gesellschaftlichen Ereignissen teil, wo er manchmal wichtige Tipps bekommt. "Vor kurzem habe ich sogar während eines Karaoke-Abends noch Informationen über Laptop und Mobiltelefon an die Redaktion geschickt", sagt Sang-Il. Seine Frau Mi-Young Kim arbeitet auch bei der Zeitung und ist genauso begeistert vom Internet. "Ich mag Online-Banking, weil ich damit wie die meisten koreanischen Frauen das Familienkonto managen kann", sagt sie. Die Kontoführung macht sie sogar übers Handy im Bus.
Hae-Moon, der älteste Sohn der Familie, hat seine eigenen Vorlieben, was das Internet anbetrifft. Der 14-Jährige mag nicht ins Kino gehen, weil er es bequemer findet, Videos via DSL aus dem Netz herunterzuladen und auf seinem PC anzusehen. Vor kurzem gab es Streit mit der Mutter, weil er viele Bilder von Stars und Sternchen auf seinen mobilen MP3-Player überspielt und dabei einen besonders teuren Service genutzt hatte. Hae-Moon hat noch nie einen Brief mit der Hand geschrieben. Seine liebste Kommunikationsform ist Instant Messaging - Chatten mit Freunden, die gerade online sind. Ähnlich läuft auch die Kommunikation in der Familie ab. Sang-Il und Mi-Young sagen übereinstimmend, dass ihnen e-Mail, Messaging und Handygespräche das Gefühl geben, dass die vier Familienmitglieder trotz der langen Arbeitszeit immer zusammen sind. "Sogar mit unseren Eltern reden wir heute öfters als in unserer Kindheit", lachen die beiden.
Sehee Hwang