Neue Technologien eröffnen neue Möglichkeiten: So können künftig Mitarbeiter zu Hause arbeiten, als ob sie im Büro säßen, oder Manager können vom Schreibtisch aus Roboter in der Fertigungshalle überwachen – nur zwei Beispiele einer Always-on-Gesellschaft. Dafür sind Breitband-Verbindungen nötig – also Übertragungsleistungen von mehr als 200 kbit/s, z.B. Digital Subscriber Line (DSL), Kabelmodems oder Satellitenverbindungen. Weltweit ist die Zahl der Breitbandnutzer von 1006nbsp;000 im Jahr 1996 auf 98,8 Millionen Ende 2003 gestiegen, und dieser Trend wird weiter anhalten. Im Report "Broadband Worldwide 2004" prognostizieren die Marktforscher von eMarketer Inc. aus New York, dass bis 2007 weltweit etwa 246 Millionen Privat- und Geschäftskunden einen Breitbandzugang nutzen werden. Derzeit sind die USA und Japan mit 27,6 bzw. 12,1 Millionen Breitbandkunden die größten Märkte (Stand: August 2003). Insgesamt liegt DSL weltweit vorn: Bis Ende 2004 werden 86,5 Millionen DSL-Nutzer erwartet, 2007 sollen es 156,7 Millionen sein. An Platz zwei liegt das Kabelmodem, das in den USA, Kanada, Belgien und den Niederlanden stark eingesetzt wird, doch nur in den USA übertrifft die Zahl der Modem-Nutzer die der DSL-Kunden. In Japan gab es im März 2004 sogar schon 1,14 Millionen Höchstgeschwindigkeitsanschlüsse per Glasfaser (Fiber-to-the-home) – doppelt so viele wie noch im Jahr zuvor.
Zunehmend lassen sich komplexe Datendienste auch mobil nutzen. Wenn sich auch die Netze der dritten Generation (3G) wie UMTS langsamer etablieren als erwartet, so sind doch Technologien wie "General Packet Radio Service" (GPRS) deutlich auf dem Vormarsch. Forrester Research erwartet, dass GPRS bereits 2005 zur Standardausstattung von Mobiltelefonen in Europa gehören und von etwa 72 % der Handybesitzer genutzt wird. 2008 sollen 60 % aller Mobilfunkteilnehmer regelmäßig auf mobile Internetdienste zugreifen. "Aus technischer Sicht sieht es gut aus. Aber die Betreiber müssen sich fragen, welche Dienste am besten übers Handy funktionieren", sagt Michelle de Lussanet, Senior Analyst bei Forrester in Amsterdam. "Das Verbraucherverhalten ändert sich nicht so schnell wie das Angebot an möglichen Anwendungen." Sie erwartet, dass 2008 etwa 28 % aller mobilen Geräte dem 3G-Standard entsprechen und den Weg für Dienste wie Video per Handy ebnen.
Auch Unternehmen sehen immer mehr Vorteile der Always-on-Gesellschaft: Fertigungsdaten können beispielsweise in Echtzeit ausgewertet werden. Dadurch lassen sich Lagerbestände verringern und Aufträge besser nachverfolgen. Auch ermöglicht der Datenaustausch Anwendungen wie die Fernwartung von Anlagen und Maschinen. Als Übertragungsmedium gewinnt Ethernet, der IT-Standard im Bürobereich, an Bedeutung. Die an Industriebedürfnisse angepasste Variante Industrial Ethernet wird mehr und mehr anstelle proprietärer Lösungen in der Fertigung eingesetzt, auch um den Datentransfer zwischen Produktion und Administration zu erleichtern.
Die meisten Ethernet-Versionen unterstützen das Internetprotokoll TCP/IP, so dass auf Fertigungsanlagen bei Bedarf auch übers Internet zugegriffen werden kann. "In einer vollständig mit Ethernet vernetzten Fabrik kann praktisch jeder Mitarbeiter alle Geräte einer Fertigungslinie beobachten", erklärt Harry Forbes, Analyst bei der ARC Advisory Group aus Dedham, Massachusetts. Obwohl die Wirklichkeit noch nicht ganz diesem Szenario entspricht, prognostiziert ARC, dass bis 2007 über sechs Millionen industrielle Ethernet-Knoten installiert sein werden – 2002 waren es erst 2876nbsp;000. Allein Siemens habe etwa 5506nbsp;000 Industrial-Ethernet-Knoten bei Automatisierungssystemen installiert, sagt Günter Baumann, Marketing Services Manager im Siemens-Bereich Automation and Drives.
Ethernet ist jedoch bei zeitkritischen Aufgaben noch überfordert. Ein Beispiel sind Motion-Control-Anwendungen, bei denen die Zusammenarbeit der Antriebe einer Maschine über Software gesteuert wird (WLAN und Ethernet). Die Antriebe müssen dazu schnell und in exakt definierten Zeitintervallen Daten austauschen. Dafür muss Industrial Ethernet ein so genanntes deterministisches Verhalten aufweisen. Die Reaktionszeiten zwischen Ethernet-basierten Geräten sind aber immer noch 20- bis 50-mal langsamer als für Motion Control notwendig – und nicht deterministisch, erklärt Günter Baumann. Mit zusätzlichen Protokollen wie "isochrones Realtime Ethernet" (IRT) soll Industrial Ethernet echtzeitfähig werden. Siemens will noch im Jahr 2004 die ersten IRT-Produkte einführen.
Mary Lisbeth D’Amico