Logistik – Warenlager
Für Fabriken, Kaufhäuser, ja sogar Briefmarken: die Zukunft der Transponder
Intelligente Kaufhaus-Etiketten: Transponder mit Funktechnologie sollen die Transportlogistik vereinfachen, da sich mit ihnen die Ware vom Liefereingang bis zur Kasse verfolgen lässt (deutlich sichtbar ist hier die rechteckige Funkantenne am Etikett)
Automobilkonzerne und Logistikfirmen setzen schon seit längerem auf kleine Funketiketten, die so genannten Transponder. Pilotstudien zeigen, dass diese Identifikations-Chips zunehmend unseren Alltag erobern und den Barcodes Konkurrenz machen werden. Experten sind sich einig, dass die Zukunft der Transponder-Technologie gehört, denn ihre Vorteile sind unschlagbar. Anders als Barcodes lassen sich die Funketiketten ohne Sichtkontakt beschreiben und auslesen, und sie funktionieren selbst dann noch, wenn sie verschmutzt oder ihre Oberflächen zerkratzt sind. Mit Transpondern können Gepäckstücke, Container oder Briefe markiert und in Sekundenbruchteilen erfasst werden. Fachleute sprechen von RFID (Radio Frequency Identification). Das größte Hindernis bei Massenanwendungen wie der Produktkennzeichnung im Einzelhandel ist derzeit noch der Preis der Transponder-Etiketten, der so genannten Tags. Doch sie werden immer billiger – so billig, dass sie nach und nach auch die Bereiche der Massenanwendung erschließen werden.
Hunderte von Etiketten gleichzeitig erfassen. Seit Anfang 2000 engagiert sich Siemens Venture Capital in dem australischen Unternehmen Magellan Technology. Die Firma ist führend im Bereich der Massenanwendungen. Sie hat ein sehr preisgünstiges System auf den Markt gebracht, das aus verschiedenen Schreib- und Lesegeräten sowie unterschiedlichen Tags besteht. Ein weiterer Vorteil: Signalüberschneidungen werden verhindert. Bislang bereitete nämlich das gleichzeitige Auslesen vieler Transponder, z.B. in einem Haufen kleiner Bauteile, Probleme. Die Funksignale überlagern und stören sich gegenseitig. Um das zu verhindern, setzt Magellan das so genannte Frequency-Hopping-Verfahren ein. Dabei wechseln die Transponder ihre Funkfrequenz in regelmäßigen Abständen. Auf mehreren Kanälen empfängt oder sendet das Schreib-Lese-Gerät gleichzeitig die Funksignale. Die Datenübertragung wird dadurch wesentlich beschleunigt. Mehrere Hundert Etiketten lassen sich innerhalb von Millisekunden aus einem Abstand von etwa 50 cm gleichzeitig erfassen – z.B. eine Kiste voller Briefe im Postverteilzentrum. So sollen in Japan Briefmarken in absehbarer Zukunft durch Transponder ergänzt werden.
Transponder im Kaufhaus. Vor kurzem ging ein Pilotprojekt von Siemens Business Services und der Kaufhof AG zu Ende, bei dem 20 000 Transponder zur Kennzeichnung von Kleidungsstücken eingesetzt wurden (Bild oben). Kaufhof will damit überprüfen, ob sich durch die Transpondertechnik die Transportlogistik beschleunigen und vereinfachen sowie der Verlust von Waren reduzieren lässt. Siemens Automation and Drives steuerte Schreib-Lese-Geräte bei, die Informationen auf die Transponder übertragen und wieder abrufen können. Damit wurden sowohl der Wareneingang und -ausgang in einem Zentrallager als auch eine Kaufhof-Filiale ausgestattet. Im Warenhaus wurden die Schreib-Lese-Geräte an den Kassen angebracht. Das erlaubte eine Verfolgung der Ware über die gesamte Logistikkette bis zur Kasse. Im Verkaufsraum konnten Mitarbeiter mit Hilfe mobiler Lesegeräte in Sekundenschnelle den Warenbestand erfassen und prüfen. Parallel dazu lieferte ein direkt am Regal angebrachtes Lesegerät eine digitale Inventur.
Intelligenter Werkzeugkasten. Die Transpondertechnologie wird derzeit in vielen Branchen und Anwendungsfeldern getestet. Forscher vom Auto-ID-Center des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston untersuchen, welche Transponder-Anwendungen realistisch sind und zu vertretbaren Kosten verwirklicht werden können. Gemeinsam mit Firmen wurden dazu diverse Pilotprojekte gestartet. Mit einem Flugzeughersteller entwickelten die Wissenschaftler einen intelligenten Werkzeugkasten für die Wartung von Jets. Der bemerkt, wenn ein mit einem Transponder versehenes Werkzeug fehlt. Damit es nicht in einem sensiblen Teil eines Flugzeugs vergessen wird, schlägt er bei Schichtende Alarm. Auch Siemens beteiligt sich an den Aktivitäten des Auto-ID-Centers, um die Transponder-Visionen schneller Realität werden zu lassen. Darüber hinaus ist Siemens Mitglied in Gremien des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) und des Verbands der Automobilindustrie (VDA), die das Ziel verfolgen, Szenarien, Anwendungen und Standardisierungen der RFID-Technologie weiter voranzubringen.
Tim Schröder