Die Unternehmensberaterin und Dozentin Dr. Inga-Lena Darkow (32) arbeitet seit 1997 bei Prof. Dr. Helmut Baumgarten im Fachgebiet Logistik am Institut für Technologie und Management der Technischen Universität Berlin
Viele Logistikketten – etwa in der Autoindustrie – scheinen weitgehend optimiert. Lassen sie sich noch verbessern?
Darkow: Jede Wertschöpfungsstufe für sich genommen hat bereits einen hohen Optimierungsgrad erreicht, an den Schnittstellen allerdings hapert es gewaltig. Unternehmen, die ihre Systeme geschickt vernetzen und es dazu noch schaffen, ihre Mitarbeiter zu motivieren, verschaffen sich immense Wettbewerbsvorteile. Denn sie sind schneller, flexibler und preiswerter als die Konkurrenz.
Wie steht es mit den verstopften Verkehrswegen? Sind sie nicht das Nadelöhr in der Logistikkette?
Darkow: Eine Kette kann nur so stark sein wie ihr schwächstes Glied. Aus verstopften Verkehrswegen resultieren Staus, Ressourcenverschwendung und erhöhte Transportkosten – für die Volkswirtschaft wie für die Unternehmen. In vielen Logistikketten sind aber noch Puffer vorhanden, die Verzögerungen durch Staus – die ja in der Regel im Stundenbereich liegen – kompensieren können. In zeitkritischen Ketten aber, etwa bei der Belieferung mit Frischwaren oder Ersatzteilen, aber auch im schnellen e-Commerce, entscheiden bereits Stunden über die Wettbewerbsfähigkeit. Daher – und auch wegen der Diskussion um die Einführung der Lkw-Maut in Deutschland – sind Firmen zunehmend für das Verkehrsthema sensibilisiert, obwohl die Transportkosten im Schnitt nur wenige Prozent der Gesamtkosten betragen.
Wird die Logistikkette in 50 Jahren voll automatisiert sein?
Darkow: Nein, denn auch in 50 Jahren wird es keine perfekte Vernetzung von IT-Systemen geben. Wenn aber unterschiedliche Systeme kommunizieren, treten ab und zu Übersetzungsfehler auf. Spätestens hier muss der Mensch eingreifen. Zudem gibt es immer wieder Situationen, wo entschieden werden muss, welcher Auftrag gerade am wichtigsten ist. Auf den Menschen wird man nie verzichten können.
Das Interview führte Ulrike Zechbauer