Julia Körner, Claude Toussaint und Gitta Rüscher diskutieren verschiedene Bedienblenden für Waschmaschinen
Die kleine Expertenrunde diskutiert am PC die Bedienung einer Waschmaschine. "Wenn wir den Drehsteller durch eine Reihe Funktionstasten ersetzen, verändert sich das Menü", überlegt die Psychologin Julia Körner und deutet auf ein Flussdiagramm auf dem Monitor. "Und wie wäre es, wenn wir stattdessen zwei Drehsteller verwenden, je einen für Temperatur und Waschprogramme?" fragt die Anthropologin Gitta Rüscher. "Das würde das Erscheinungsbild der Bedienblende erheblich verändern", meint der Designer Claude Toussaint, der die Arbeitsgruppe für Interface-Design bei designafairs in München leitet.
Das Unternehmen ging 1997 aus der Siemens-Designabteilung hervor. Viele Produkte, darunter die meisten Siemens-Handys und geplanten UMTS-Geräte tragen die Handschrift von designafairs. Die international ausgerichtete Firma zählt inzwischen auch Fahrzeug- sowie Lampen- und Büromöbelhersteller zu ihren Kunden. Zur Zeit entwickelt Toussaints Team ein einheitliches Bedienkonzept für eine Produktlinie von Waschmaschinen. "Wir erarbeiten Vorschläge für Bedienvarianten, und der Kunde entscheidet dann, was er umsetzen möchte", erklärt Toussaint. Sein Team setzt stark auf die Zusammenarbeit der verschiedenen Disziplinen: So werden die Arbeitsschritte nicht nacheinander abgearbeitet, sondern in einem Prozess ständiger Rückkopplungen. Die Designer bringen ihre Kompetenz schon in der Analysephase ein, und die Ergonomen betreuen den Prozess bis zum Ende.
Wissen um Denk- und Verhaltensweisen. Bei der Diskussion über das Bedienkonzept der Waschmaschinen weist die Anthropologin Gitta Rüscher auf die Waschgewohnheiten verschiedener Länder hin: "In Skandinavien wird mehr Wert auf hohe Schleuderzahlen gelegt, in der kühlen Luft dauert das Trocknen sonst zu lange. Für Südeuropäer sind dagegen Programme für die Kaltwäsche wichtig", erklärt sie. Rüscher entwirft anhand bestehender Normen ein Konzept, welche Knöpfe wie gestaltet und platziert werden müssen, um eine effektive Bedienung zu ermöglichen, und wie das Menü aufgebaut sein muss.
Jedes Mal, wenn neue Eingabegeräte vorgeschlagen werden, bekommt auch Julia Körner Arbeit. Sie ist dafür zuständig, dass die Bedienmenüs logisch strukturiert sind. "Wir haben dem Hersteller gezeigt, wie die Hardware mit der Software korreliert", sagt sie. Wird etwa ein Drehsteller durch Funktionsknöpfe ersetzt, ändern sich alle Menübäume. Die Psychologin weiß aus ihrem Studium, wie Menschen Informationen verarbeiten und Aufgaben lösen. Aber nicht jeder Techniker ist sofort davon überzeugt, dass er die Konzeption eines Bedienmenüs einem Psychologen überlassen soll. "Da prallen zwei Welten aufeinander", sagt Gitta Rüscher. "Viele Techniker sagen: Das kann ich doch selbst machen." Tatsächlich aber seien sie geprägt durch ihre Art, Probleme zu lösen. Heraus kämen dann Maschinen von Ingenieuren für Ingenieure.
Julia Körner hat noch eine andere Erklärung, warum viele Geräte unergonomisch sind. In den Entwicklungslabors würden Hard- und Software-Spezialisten oft getrennt arbeiten, ohne zu berücksichtigen, dass sich beides wechselseitig beeinflusst. "Wir sind nicht so vermessen und behaupten, dass wir wissen, wie alle denken", erläutert Gitta Rüscher. "Aber wir haben durch unsere Ausbildung einen Einblick gewonnen, welche verschiedenen Herangehensweisen es gibt".
Claude Toussaint, Ingenieur und Designer, diskutiert anschließend mit seinem Team die Vorschläge und kann schon in einem frühen Stadium absehen, ob sie technisch machbar sind. Toussaint und andere Interface-Designer gestalten dann letztlich das Erscheinungsbild der Bedienoberflächen.
Grenzen der Produktentwicklung. Doch nicht alles, was ergonomisch sinnvoll oder technisch machbar ist, fließt in die Produktentwicklung ein. Grenzen setzen etwa die Vorgaben des Auftraggebers, aber auch Gewohnheiten und individuelle Vorlieben der Endverbraucher. So ließe sich das heutige Problem der Zuordnung der Wäsche zu Dutzenden von möglichen Temperatur-, Wasch- und Sonderprogrammen technisch leicht vereinfachen: "Mit einem Scanner am Bullauge könnten auch ungeübte Personen die Wäsche anhand von Symbolen auf den Etiketten leicht nach den Kriterien sortieren, die optimale Waschergebnisse versprechen", erklärt Julia Körner. Doch zum einen vertrauen viele Verbraucher einer solchen Technik nicht auf Anhieb und zum anderen würde ein Ein-Knopf-Vollautomat zunächst wohl nur eine relativ kleine technophile Zielgruppe vielleicht die Single-Männer ansprechen.
Eindeutig im Trend liegen Waschmaschinen mit geringem Wasser- und Stromverbrauch. Doch "der Benutzer erfährt heute zu wenig über die Zusammenhänge zwischen einem Waschprogramm und dem Ressourcenverbrauch. Wir müssen hier für mehr Transparenz sorgen", erklärt Toussaint.
Farbige Displays und elektronische Tinte. Nachdem Julia Körner mehrere Varianten für die Bedienmenüs entworfen hat, wird klar, wie komplex die Menüs ausfallen. "Wir brauchen eine größere Anzeige, um die wichtigen Informationen übersichtlich abzubilden", sagt Gitta Rüscher. "Organische LED wären ideal", schwärmt Toussaint, denn mit einem farbigen Display wären Informationen so ansprechend darstellbar wie am PC (siehe Beitrag Brillanter Kunststoff). Bis diese Technik aber verfügbar und bezahlbar ist, dürfte noch einige Zeit vergehen.
Ob einfache Drehräder oder komplexere Drehdrucksteller, wichtig ist die nachvollziehbare Logik der Bedienung. Blaue Leuchtdioden oder Elektrolumineszenz-Folien signalisieren die eingestellten oder empfohlenen Funktionen
Eine Alternative sieht Toussaint in elektronischer Tinte, "denn sie soll ab 2004 serienreif sein". Diese Technik ermöglicht große und relativ billige Displays und dürfte nach Toussaints Meinung auch die Kunden verblüffen, wenn "auf einer scheinbar normalen Produktoberfläche da wo man sonst Knöpfe erwartet aus dem Nichts Schrift auftaucht und auch nach dem Abschalten des Stroms noch lesbar ist." Toussaint nennt das den Magic Effect.
Ob einfache Drehräder oder komplexere Drehdrucksteller, wichtig ist die nachvollziehbare Logik der Bedienung. Blaue Leuchtdioden oder Elektrolumineszenz-Folien signalisieren die eingestellten oder empfohlenen Funktionen
Eine Alternative sieht Toussaint in elektronischer Tinte, "denn sie soll ab 2004 serienreif sein". Diese Technik ermöglicht große und relativ billige Displays und dürfte nach Toussaints Meinung auch die Kunden verblüffen, wenn "auf einer scheinbar normalen Produktoberfläche da wo man sonst Knöpfe erwartet aus dem Nichts Schrift auftaucht und auch nach dem Abschalten des Stroms noch lesbar ist." Toussaint nennt das den Magic Effect.
Ob einfache Drehräder oder komplexere Drehdrucksteller, wichtig ist die nachvollziehbare Logik der Bedienung. Blaue Leuchtdioden oder Elektrolumineszenz-Folien signalisieren die eingestellten oder empfohlenen Funktionen
Eine Alternative sieht Toussaint in elektronischer Tinte, "denn sie soll ab 2004 serienreif sein". Diese Technik ermöglicht große und relativ billige Displays und dürfte nach Toussaints Meinung auch die Kunden verblüffen, wenn "auf einer scheinbar normalen Produktoberfläche da wo man sonst Knöpfe erwartet aus dem Nichts Schrift auftaucht und auch nach dem Abschalten des Stroms noch lesbar ist." Toussaint nennt das den Magic Effect.
Ob einfache Drehräder oder komplexere Drehdrucksteller, wichtig ist die nachvollziehbare Logik der Bedienung. Blaue Leuchtdioden oder Elektrolumineszenz-Folien signalisieren die eingestellten oder empfohlenen Funktionen
Eine Alternative sieht Toussaint in elektronischer Tinte, "denn sie soll ab 2004 serienreif sein". Diese Technik ermöglicht große und relativ billige Displays und dürfte nach Toussaints Meinung auch die Kunden verblüffen, wenn "auf einer scheinbar normalen Produktoberfläche da wo man sonst Knöpfe erwartet aus dem Nichts Schrift auftaucht und auch nach dem Abschalten des Stroms noch lesbar ist." Toussaint nennt das den Magic Effect.
Eine Alternative sieht Toussaint in elektronischer Tinte, "denn sie soll ab 2004 serienreif sein". Diese Technik ermöglicht große und relativ billige Displays und dürfte nach Toussaints Meinung auch die Kunden verblüffen, wenn "auf einer scheinbar normalen Produktoberfläche da wo man sonst Knöpfe erwartet aus dem Nichts Schrift auftaucht und auch nach dem Abschalten des Stroms noch lesbar ist." Toussaint nennt das den Magic Effect.
Waschmaschinen erkennen die Kleidung. Toussaint möchte, dass Mensch und Maschine kommunizieren. "Es ist schon technisch machbar, dass eine SMS auf dem Handy das Ende des Waschvorgangs mitteilt", sagt er. "Ideal wäre aber auch eine Waschmaschine, die Kleidung automatisch erkennt und selbst das richtige Programm einstellt". Toussaint stellt sich mitdenkende Geräte vor, die sich mit intelligenter Kleidung unterhalten. In die Kleidung eingenähte Transponder (siehe Beitrag Transponder) könnten der Waschmaschine melden: "Ich bin ein Seidenhemd und darf auf keinen Fall geschleudert werden". Und die Maschine könnte dem Benutzer sagen: "Ich kann deine Wäsche schnell waschen. Wenn du aber Zeit hast, dauert es zwar länger, aber ich verbrauche weniger Wasser und Strom."
Michel Lang