e-Business – Internationale Aktivitäten fürs Geld der Zukunft
Der weite Weg nach €ldorado
Verfahren für das elektronische Bezahlen gibt es wie Sand am Meer – die einen erfolgreicher, die anderen weniger. Noch testen die Firmen, welche Formen des digitalen Geldes beim Kunden am besten ankommen, wie sich die Daten sicher verschlüsseln lassen und was zum international akzeptierten Standard werden könnte.
Ende der 90er Jahre schien der Siegeszug des digitalen Geldes bereits sicher, das Ende von Münzen und Scheinen besiegelt. Bankexperten machten sich schon Gedanken über die Kontrolle der Geldmenge unter den Rahmenbedingungen einer Wirtschaft, in der Bargeld zur Randerscheinung würde (siehe Experten-Interview). Diese Anfangseuphorie hat sich gelegt. Zwar drängen noch immer neue Produkte auf den Markt, durchsetzen konnte sich bisher freilich kein elektronisches Zahlungssystem. Als eines der aussichtsreichsten Verfahren galt "eCash" (Nachfolger von "DigiCash") von eCash-Technologies. Dahinter stand unter anderem die Deutsche Bank. Doch die digitale Währung wurde in Deutschland im Mai 2001 wegen mangelnden Kundeninteresses eingestellt.
"Das war ein technisch sehr ansprechendes Verfahren", sagt Dr. Joachim Henkel vom Institut für Innovationsforschung und Technologiemanagement der Ludwig-Maximilian-Universität München. "Aber eben zu aufwändig." Wer damit in einem Online-Shop bezahlen wollte, musste zunächst zur Post gehen und sich identifizieren. Anschließend sollte der potenzielle Kunde auf seinem Computer eine Software installieren und ein digitales Zertifikat ablegen. Schließlich musste er digitale Münzen generieren und zur Bank senden, die sie dann gegen Belastung des Kontos gültig machte und zurückschickte. Doch "Otto-Normaluser" hatte Besseres zu tun und ließ die digitalen Münzen links liegen. Das gleiche Schicksal erfuhr bereits Ende 2000 "CyberCoin", das Konkurrenzprodukt der CyberCash GmbH. Auch ihm wurde die umständliche Prozedur zum Verhängnis. "Einen solchen Aufwand treibt der Kunde nur dann, wenn er weiß, dass er dadurch ein akzeptiertes Zahlungsmittel bekommt, das quasi Standard ist", so Henkel. "Aber wenn ich eine Transaktion tätigen möchte und muss dafür tagelang verschiedenste Dinge tun, dann schreckt das ab." Henkel hat festgestellt, dass "die Leute nicht so richtig verstehen, wie digitale Münzen funktionieren". Bargeld auf der Festplatte ist nun mal nicht jedermanns Sache. Kein Wunder, dass der e-Commerce in Deutschland immer noch vorwiegend über die Standardverfahren Nachnahme und Rechnungsstellung abläuft. Während US-Amerikaner und Briten 95 % ihrer Online-Einkäufe per Kreditkarte bezahlen, brechen viele deutsche Online-Shopper den Kaufvorgang ab, sobald die Frage nach der Kreditkartennummer auftaucht.
Nach Untersuchungen von Forrester Research wird in den nächsten Jahren die Anzahl der Online-Käufer in Europa deutlich steigen. Rund zwei Drittel der Internet-Nutzer dürfte dann im Netz einkaufen, per PC, Handy, PDA oder am Fernseher und für durchschnittlich 1774 € im Jahr – ein wichtiges Argument für die Entwicklung elektronischer Zahlungssysteme
Die Angst vor Missbrauch ist begründet, entstand doch dadurch im vergangenen Jahr nach einer Schätzung der EU-Kommission allein in Europa ein Schaden von 600 Mio. €. Laut Eurocard liegt die Betrugsrate im Internet zehnmal höher als im übrigen Handel. Immer öfter erscheint deshalb unten rechts im Browser das Symbol eines Schlüssels oder eines Schlosses, das Zeichen für Verschlüsselung. Vor allem die großen Online-Shops bieten eine SSL-Verschlüsselung für Zahlungen im Internet an (Secure-Sockets-Layer). Diese schafft eine relativ sichere Verbindung zwischen Server und PC des Kunden, die für Dritte nicht zugänglich ist. Doch einen Nachteil gibt es noch: Bisher kann der Händler nicht überprüfen, ob der Kunde wirklich seine eigenen Daten angegeben hat.
Bei dem von Visa und Mastercard erstellten SET-Standard (Secure Electronic Transaction) muss sich der Kunde dagegen zunächst bei seiner Bank zertifizieren lassen. Bezahlt wird mit einem verschlüsselten Zertifikat (Wallet), das an den Online-Shop geschickt wird. Bei der aktuellen SET-Variante liegt das digitale Wallet auf dem PC, in Zukunft soll es auf einem Server verwaltet werden. Noch sicherer wäre es, das Wallet auf einer Chipkarte (SmartCard) zu speichern. Doch dafür braucht der Nutzer einen Kartenleser, der mit etwa 100 € zu Buche schlägt. "Allein mit dem Sicherheitsargument können Sie den nicht an den Mann bringen", sagt der Experte Knud Böhle, der am Institut für technologische Zukunftsforschung im spanischen Sevilla die Entwicklung elektronischer Zahlungssysteme auf internationaler Ebene beobachtet. "Die Kunden sind nicht bereit, dafür zu zahlen." Auch Henkel ist skeptisch: "Die meisten wissen nicht einmal, wie sie den Kartenleser installieren sollen."
Dennoch ist sich Böhle sicher, dass SmartCards mittelfristig den Online-Handel beflügeln, da sie ohnehin eingeführt werden. Bis spätestens 2005 sollen alle Kreditkarten mit Mikrochips zur Datenverschlüsselung ausgestattet werden. "Dann wird es neue Anreize geben, in die PC Kartenleser einzubauen", glaubt Böhle. Ein möglicher Anreiz von staatlicher Seite könne sein, dass "man z.B. seine Steuererklärung digital signieren und per e-Mail abschicken kann".
Für Behördengänge im Internet schafft das 1997 in Kraft getretene deutsche Signaturgesetz die Grundlage. Es sollte der digitalen Signatur den Status eines "zweiten Personalausweises" verleihen. Seit Januar 2000 gibt es mit der EU-Signaturrichtlinie auch einen europaweiten Standard, dem das deutsche Gesetz im Mai 2001 angepasst wurde. Mit Hilfe der elektronischen Unterschrift lässt sich z.B. überprüfen, ob ein Text im Datennetz manipuliert wurde. Doch immer wieder gelingt es Hackern, auch die sicherste Software mit "Trojanischen Pferden" zu knacken. Bis man dem Notar sensible Dokumente übers Internet schickt, dürfte also noch etwas Zeit vergehen.
Weit weniger kritisch ist die Bezahlung von Kleinbeträgen im Internet. Für solche "Micropayments" könnten künftig auch Geldkarten genutzt werden, sobald Kartenleser Standard sind. In Schweden, Finnland und Belgien z.B. lassen sich SmartCards bereits übers Internet aufladen und für Einkäufe verwenden. Doch in Deutschland werden die etwa 20 Millionen elektronischen Geldbörsen im normalen Handel kaum genutzt. Es gibt nicht genug Akzeptanzstellen und 20 verschiedene, nicht interoperable Systeme in Europa. Beispielsweise lässt sich die deutsche Geldkarte noch nicht am spanischen Geldkartenterminal auftanken – für Touristen ein frustrierendes Erlebnis.
Gute Zukunftsaussichten prophezeien Experten so genannten "Billing-Systemen". Der Kunde installiert eine Software und kann dann Kleinstbeträge per Mausklick bezahlen. "Das Inkasso erfolgt über die Telefonrechnung, die Rechnung des Internet Service Providers oder eine andere Rechnungsbeziehung. Schwer haben es da neue Firmen, die die Beziehung zu den Kunden erst aufbauen müssen", erläutert Knud Böhle. Ein solches Inkasso-Verfahren bietet auch die Firma In Medias Res mit "Net900" an, das sie an die Deutsche Telekom lizenzierte, die es wiederum als "Click & Pay net900" einsetzt. Noch einfacher sind Internet-Prepaid-Karten, wie etwa die "Paysafecard", die das Zahlen im Internet nicht nur sicher, sondern auch anonym machen soll. Kein Wunder, dass solche Karten vor allem für Erotik-Angebote genutzt werden. Der Käufer rubbelt auf der Karte eine Geheimzahl frei, die er ins Online-Zahlungsformular eingibt, sofern der Web-Shop dies akzeptiert. Manchmal ist noch eine PIN mit im Spiel. Auf dem Zentralrechner von Paysafecard wird dann überprüft, ob das Guthaben, das der Geheimzahl zugeordnet ist, ausreicht. Unter dem Namen "MicroMoney" bringt die Telekom-Tochter DeTe CardService im Herbst 2001 eine Konkurrenz-Karte heraus. Nachteil: Die Karten-Anbieter berechnen den Händlern hohe Gebühren zwischen 5 und 35 %.
Vielleicht ersetzt in Zukunft aber auch das Handy die Geldbörse. In Finnland kann man damit bereits am Cola-Automaten oder im Waschsalon bezahlen. Auch in Deutschland gibt es verschiedene handygestützte Zahlungsverfahren, wie etwa "Paybox". Der Kunde gibt bei der Bestellung seine Mobilfunknummer an, die der Händler samt Zahlungsbetrag an Paybox übermittelt. Nach einigen Sekunden erhält der Kunde einen Anruf und wird um die Bestätigung des Kaufs durch Eingabe einer PIN gebeten. Anschließend zieht Paybox den Betrag per Lastschrift vom Kundenkonto ein und leitet ihn an den Händler weiter. Doch auch hier machen noch zu wenige Händler mit.
Und die Techniker arbeiten mit Hochdruck an weiteren Systemen: In Frankreich sind Handys von Motorola und Sagem im Einsatz, die einen zweiten Slot besitzen, in den die Chipkarte geschoben werden kann. Bei einer anderen Variante ist die SmartCard zum Bezahlen ins Mobiltelefon integriert. Böhle ist an einem Versuch mit den Firmen Visa und Nokia beteiligt, bei dem ein solches Modell erprobt wird. "Wenn der Vorgang des Bezahlens schneller wird und die Akzeptanzstellen zunehmen, kann das Handy zu einem alltäglichen Zahlungsinstrument werden", glaubt Böhle. "Irgendwann wird es dann nur noch einen Bezahl-Button geben, mit dem ich eine Überweisung tätige."
Güven Purtul
Mit dem WebPhone von Siemens Elasa könnten öffentliche Telefone wieder in Mode kommen. Es bietet einen großen Monitor für Internet-Zugang, Videokamera und eine schnelle ADSL-Verbindung>
Werden wir auch morgen noch den vertrauten Klang des Klimperns von Geldmünzen hören? Sicherlich, wenn es nach Siemens Elasa geht, dem in Zaragoza, Spanien, beheimateten weltgrößten Produzenten öffentlicher Münztelefone. Kaum jemand kennt den Klang des Geldes so gut wie die Experten von Siemens Elasa, denn sie nutzen ihn zur Identifizierung. Der Aufprallton, den eine Münze verursacht, wenn sie in ein Münztelefon oder einen Verkaufsautomaten geworfen wird, ist sehr charakteristisch – und nicht nur dieser: Auch Größe, Gewicht, magnetische Eigenschaften und Fallgeschwindigkeit werden untersucht. Wie Francisco Ibañez, Forschungs- und Entwicklungschef von Siemens Elasa, erläutert, müssen die Geldstücke 22 Testparameter durchlaufen, bevor ihre Gültigkeit anerkannt wird.
Und in Zukunft haben es Fälscher noch schwerer: Zum einen ist der Euro die technisch wohl ausgefeilteste Münzwährung, die jemals produziert wurde. So verfügen z.B. die 1-€- und 2-€-Münzen über eine derart komplexe innere Struktur, dass ein perfekter Nachbau nahezu ausgeschlossen ist. Zum anderen hat Siemens Elasa eine neue Software für das Testen der Münzen entwickelt, die auch noch ein weiteres Problem löst: Wie sollen die Telefonapparate, die bislang D-Mark, Drachmen und Pesetas schluckten, ein Gefühl für den Euro entwickeln – wie sollen sie die Währungen auseinander halten und auch noch das Falschgeld erkennen?
Ab dem 1. Januar 2002 sollen Münzfernsprecher in ganz Europa neben den einheimischen Währungen auch Euro-Münzen akzeptieren; ab dem 1. März werden sie dann ausschließlich mit Euros gefüttert. Die Lösung von Siemens Elasa für dieses Problem heißt Teleprogrammierung. Damit können die Service-Provider alle dafür standardisierten Telefone aus der Ferne auf die neuen Münzen umstellen. Die Provider – ob Italtel in Italien oder Telefonica in Spanien – spielen dabei lediglich die neuen Parameter für den Münztest simultan in Zehntausende öffentlicher Telefonapparate ein. Diese Geräte werden gegenwärtig bei Elasa produziert, 500 pro Tag. Die Parameter können sogar so fein eingestellt und angepasst werden, dass sie in der Lage sind, Falschgeld künftig noch besser zu erkennen.
Doch wird es in Zukunft überhaupt noch Geräte geben, die Münzen akzeptieren? Bewegen wir uns nicht immer mehr in Richtung einer "cashless economy"? "Das glaube ich nicht", kommentiert Ibañez. "Wir haben festgestellt, dass an Orten, an denen Münz- und Kartentelefone nebeneinander aufgestellt sind, 80 % der Nutzer das Münztelefon bevorzugen."
Arthur F. Pease
Bimetall und Vielfachschichten
Die 1- und 2-€-Münzen bestehen aus einer raffinierten Kombination verschiedener Metalle. Die Bimetall-Ausführung (von Rand und Zentrum) und der Aufbau aus mehreren Schichten verringern die Verwechslungsgefahr und erhöhen die Fälschungssicherheit
Klang-, Optik- und Magnetsensoren
Die Euro-Sensoren der Automaten zu täuschen, ist fast unmöglich oder jedenfalls viel zu aufwändig: Sie prüfen den Klang der Münzen ebenso wie ihre optischen und magnetischen Eigenschaften und testen sogar die Unterschiede von Rand und Zentrum der Münze