Maßgeschneiderte Lösungen – Szenario 2020
Heißes Eis
Mai 2020. Mitten in der Wüste eröffnet ein arabisches Emirat mit Iceworld ein Miniaturabbild Islands. Projektleiter Jimmy Cargon zeigt einem Journalisten die technischen Finessen der gigantischen Halle.
Skiurlaub in der Wüste: Projektleiter Jimmy Cargon vom Technologie-Konsortium World Solutions zeigt seinem Gast Filippo Celentano während einer Zugrundfahrt, wie er und sein Team Iceworld realisiert haben. Mit Hilfe von Modulkonzepten, virtuellen Entwicklungen und Simulationen sowie einer intensiven Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Konsortiumbereichen konnten die kniffligen technischen Anforderungen erfüllt werden
Ein Eisparadies mit Skiliften, Geysiren und Berghotels an einem der heißesten Orte der Erde. Wie haben Sie das gemacht, Jimmy?" Filippo Celentano kann kaum fassen, was er auf der anderen Seite des Zugfensters sieht. "Mit Maßband, Kreativität und künstlicher Intelligenz", antwortet ihm Projektleiter Jimmy Cargon vom Technologie-Konsortium World Solutions lächelnd. "Nachdem mir der Scheich in mehreren Gesprächen seine Vorstellungen erläutert hat, ging es zunächst darum, die notwendigen Komponenten aus unserem Gesamtportfolio zusammenzustellen: Motoren, Züge, Wassertechnologie, die ganze Software und so weiter."
"Das klingt aber nach der berühmten Nadel im Heuhaufen", bemerkt sein Gast. "Keineswegs", entgegnet ihm Cargon. "Wir bildeten ein Gremium, bestehend aus je einem Spezialisten der entsprechenden Bereiche und von unseren Partnern, und setzten dann mit einer Planungssoftware alles am Computer zusammen – wie Legosteine, verstehen Sie? So lange, bis die gewünschten Attraktionen in der virtuellen Simulation einwandfrei funktionierten."
Celentano zeigt auf ein rotes Armband, das er am Eingang bekommen hat: "Daran dürften Sie aber nicht lange gefeilt haben." Cargon lacht: "Wenn Sie wüssten! In Ihrem Armband befindet sich nicht nur ein herkömmlicher Chip, der das rote Ding zum universellen Bezahlungsmittel und zum Zimmerschlüssel macht – darüber hinaus enthält er eine ausgeklügelte Biometrie-Software. Kameras vergleichen das 3D-Bild Ihres Gesichtes und Ihrer Handgeometrie mit den Daten auf dem Chip. Das dürfte absolut fälschungssicher sein."
Celentano staunt, doch Cargon fährt bereits fort. Er ist nun ganz in seinem Element: "Oder nehmen Sie das intelligente Zugbeeinflussungssystem: Mit seiner Hilfe rollen wir fahrerlos, sicher und zuverlässig durch die Halle. Oder die Zeppeline über uns: Die haben wir auf Wunsch der Scheichfamilie zu fliegenden Luxussuiten umgebaut. Es heißt, dort oben erholen sie sich vom hitzigen Tagesgeschäft." In diesem Moment schießt ein Geysir direkt neben dem Zug in die Höhe. "Da, schauen Sie", ruft der Projektleiter begeistert. Celentano zieht seine Augenbrauen hoch: "Schon beeindruckend. Wenn ich aber bedenke, wie viel Elektrizität diese Halle verbraucht…"
"Ob Sie es glauben oder nicht", unterbricht ihn sein Gastgeber, "Wir haben den Energieverbrauch weitestgehend minimiert und nutzen nur umweltfreundlichen Strom. So analysiert eine von uns entwickelte IT-Lösung den jeweiligen Strombedarf der einzelnen Anlagen und regelt sie etwa wie diesen Geysir automatisch je nach aktueller Lage – das heißt, die Geysire schießen gerade dann nach oben, wenn der restliche Stromverbrauch etwas nachlässt. Die komplette Energie produzieren wir übrigens mit mehreren Solarthermie-Kraftwerken. Die Minusgrade in der Halle verdanken wir quasi der heißen Wüstensonne", schmunzelt er.
"Ich muss sagen, ich bin echt beeindruckt", gesteht sein Zuhörer. "Aber die Entwicklung dieser Schneewelt muss doch Unsummen verschlungen haben, oder?" "In der Tat", nickt Cargon. "Aber wir haben dabei auf ein Modulkonzept gesetzt. Die Systeme im Hintergrund – etwa Steuerungen, Heiz- und Kühlsysteme oder die Stromerzeugung – bilden ein replizierbares Gerüst. Die sichtbaren Lösungen wie die Geysire, die Beschneiungsanlagen oder die Skilifte sind Module, die wir mit kompatiblen Schnittstellen sozusagen auf das Gerüst stecken. Die Tropenwelt, an der wir momentan in einem anderen Emirat arbeiten, ist deshalb für uns weitaus preiswerter, da wir das Grundgerüst nicht mehr entwickeln müssen."
Celentano sieht ein Eisstadion vorbeiziehen, an dem noch gearbeitet wird. "Nachträglich wird also auch noch gebaut", bemerkt er. "Richtig", stimmt sein Nachbar zu, "aus Platzgründen jedoch nur temporär – wie diese Schlittschuharena mit 2 500 Sitzplätzen, in der in etwa vier Wochen internationale Eiskunstlaufmeisterschaften stattfinden und die wir auf Basis eines Leichtbaukonzeptes entworfen haben. Nach dem Event bauen wir das Stadion einfach wieder ab." "Wenn ich Ihnen so zuhöre, scheint Iceworld überhaupt keine Probleme bereitet zu haben", bemerkt der Journalist.
"Na ja, wir mussten schon einige harte Nüsse knacken", verrät Cargon. "Beispielsweise mussten wir Iceworld in Rekordzeit planen, entwickeln, aufbauen und in Betrieb nehmen. Zudem sollte jede Benutzeroberfläche, ob nun die Steuerung im Hintergrund oder die neuen Bestellterminals an den Restauranttischen, für den Benutzer selbsterklärend sein. Die fast fehlerfreie Inbetriebnahme haben wir der bereits erwähnten Planungssoftware zu verdanken. Mit ihr haben wir die Halle als Gesamtlösung simuliert, bis alle Systeme perfekt aufeinander abgestimmt waren. Die Benutzeroberflächen haben wir mit einem neuen Software-Tool und mit einer Menge von Testpersonen gestaltet. Nun füttern wir die Datenbank mit den Aktionen der realen Besucher von Iceworld – unsere Software lernt immer weiter hinzu und optimiert während des laufenden Betriebs ständig die Benutzeroberflächen."
"Verehrte Fahrgäste", tönt es plötzlich aus einem Lautsprecher, "in Kürze erreichen wir wieder den Einstiegsbahnhof." "Sie müssen mir noch unbedingt verraten, was das Projekt gekostet hat", sagt Celentano. "Soviel, dass wir selbst für das Emirat ein Finanzierungsmodell entwickeln mussten", antwortet Cargon, während beide sich aus den Sitzen erheben und Richtung Tür gehen. "Neben fest ausgehandelten Raten ist unser Konsortium für die nächsten 25 Jahre Betreiber der Kraftwerke – das ist durchaus lukrativ, kann ich Ihnen sagen. Kommen Sie, darauf müssen wir einen trinken. Ich lade Sie auf einen Glühwein auf dem Wintermarkt ein. Ich wette mit ihnen: Das ist der Beste den Sie je getrunken haben – auch wenn er hier alkoholfrei ist."
Sebastian Webel
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