Maßgeschneiderte Lösungen – Siemens One
Das Legostein-Prinzip
Mithilfe der Unternehmensinitiative Siemens One bietet Siemens seinen Kunden maßgeschneiderte Komplettlösungen an – etwa für Flughäfen, Hotels, Krankenhäuser oder ganze Stadtteile wie New Wembley in London.
Comeback einer Legende: Rund um das neue Wembley Stadion errichtet ein britischer Bauträger derzeit ein Wohn- und Entertainmentviertel – unter anderem mit modernster Siemens-Technik
Kinder-Wunschzettel haben sich im Laufe der Jahre kaum verändert. Noch immer stehen vor dem Geburtstag oder Weihnachten Baukästen ganz oben auf den Listen. Egal ob Piratenschiff, Weltraumstation oder ganze Stadtlandschaften: Das beste Resultat erreichen die kleinen Bauherren, wenn sie die unterschiedlichen Einzelteile gemäß der Bauanleitung zusammensetzen.
Konzerne wie Siemens ähneln in gewisser Weise dem Prinzip der Spielzeughersteller. Ihre Produkte sind Bausteine, die sich auf vielfältige Art und Weise kombinieren lassen. Die Unternehmen sind meist jedoch nur für einzelne Produkte bekannt und weniger für fertige Baukästen samt Anleitung. Möchte ein potenzieller Kunde beispielsweise einen Flughafen bauen, sucht er sich deshalb oft die nötigen Komponenten bei mehreren Firmen zusammen und vereint diese zu einer Gesamtlösung. Nicht selten stellt sich dann erst spät heraus, dass einige der Komponenten nicht miteinander kompatibel sind. Die Folgen: Mehrkosten und ein durcheinander geratener Terminplan.
Aus diesem Grund hat sich Siemens zum Ziel gesetzt, sein umfangreiches Geschäftsportfolio deutlicher herauszustellen und Lösungen aus Sicht des Kunden anzubieten. Das Resultat ist die 2004 ins Leben gerufene Unternehmensinitiative Siemens One, eine Mischung aus systematischem Key Account Management und sektorübergreifender Markterschließung. Mit großem Erfolg: Bereits in über 40 Ländern tritt das Unternehmen mit einheitlichem Siemens-Gesicht den Kunden gegenüber auf – und stellt seine Vielfältigkeit vor allem bei Projekten wie Flughäfen (Finanzierung nach Maß), Krankenhäusern oder Hotels unter Beweis.
"Bis heute hat Siemens beispielsweise 5 900 Hotels im gehobenen und Luxus-Segment ausgestattet", sagt Michael Hartmann, Senior Vice President Corporate Sales vom Market Development Board Hospitality. Eine ernorme Erfahrung, deren Quintessenz sich laut dem Hotelspezialisten derzeit im aktuellen Projekt Hilton Molino Stucky in Venedig wieder findet, das über 385 Zimmer in zehn Gebäuden verfügt. "In diesem Hotel schafften wir es, einen Großteil der Siemens-Disziplinen zu integrieren", freut sich Hartmann. Tatsächlich können sich die einzelnen Bausteine, die Siemens für die amerikanische Hilton-Gruppe zu einem Gesamtpaket geschnürt hat, sehen lassen: Brandschutzanlagen, Sicherheitstechnologien mit Überwachungssystemen, Gebäudemanagementsysteme und Kommunikationsanlagen sowie ein speziell integriertes Entertainmentsystem für die Gästezimmer bieten dem Besucher höchste Sicherheit bei gleichzeitig größtem Komfort.
Die Herausforderung beim Hilton-Auftrag war aber nicht nur die technische Ausstattung: "Wir müssen wissen, wie die Branche tickt", erläutert Hartmann. "Der Kunde formuliert keine technischen Lösungen als Wünsche, sondern bespricht mit uns lediglich das gewünschte Resultat." Ob Gästekomfort oder Energieeffizienz – Hartmanns Truppe muss letztlich wissen, welche Lösungen den Wünschen des Kunden gerecht werden.
Ausgiebige Sitzungen zwischen den Hospitality-Vertretern der einzelnen Siemens-Divisionen und dem Kunden sind deshalb ein Muss, um die Vorstellungen der Hoteliers zu verstehen. Behilflich sind dabei die zahlreichen Kollegen mit Hotel-Erfahrung, die von Siemens deshalb eingestellt wurden. So auch Michael Hartmann selbst, der zuvor in der Kempinski-Gruppe gearbeitet und verschiedene Hotel Management Colleges besucht hat.
Dass sich die Mühe lohnt, verdeutlicht allein schon der Umsatz, den Siemens mit seinen Lösungen jährlich auf dem Hotelmarkt generiert – 210 Mio €. Auf große Ketten wie Hilton entfällt hiervon etwa ein Drittel. " Das ist ein Markt, in dem wir noch viel bewirken können", glaubt Hartmann.
In Hotels zuhause: Bis heute hat Siemens über 5 900 Hotels im gehobenen und Luxus-Segment mit State-of-the-art-Technologie ausgestattet. Eines davon ist das Hilton-Hotel Molino Stucky in Venedig mit über 385 Zimmern
Ein Novum für Portugal. Ein großes Potenzial sehen die Siemens-Experten auch bei Krankenhäusern, denn Kliniken werden immer öfter von privaten Trägern betrieben, die aufgrund ihres wirtschaftlichen Interesses einen ganzheitlichen Ansatz bevorzugen – nur so können sie ihre Betriebsabläufe optimieren und langfristig wirtschaftlich arbeiten. Ein Paradebeispiel hierfür ist das Hospital da Luz in Lissabon, das Siemens im Auftrag des portugiesischen Klinikbetreibers Espirito Santo Saúde (ESS) ausgestattet hat und das eines der größten Projekte des Technnologie-Unternehmens im Gesundheitswesen ist.
2007 als ein so genannter integrierter Gesundheitscampus eröffnet, bietet das Hospital da Luz neben einem Allgemeinkrankenhaus auch ein Pflege- sowie ein Seniorenheim – ein Novum in Portugal. In mehr als 30 Abteilungen und Praxen werden hier die Patienten stationär und ambulant versorgt, hauptsächlich mit Technologien aus dem Hause Siemens. "Was das diagnostische Equipment betrifft, hat Siemens nahezu alles geliefert, was es in seinem Portfolio hat. Computer- und Magnetresonanz-Tomographen oder Mammographie-Geräte sind da nur wenige Beispiele", sagt Dr. Klaus Wecker, der bei diesem Referenzprojekt auch den Siemens-Sektor Healthcare vertritt.
Darüber hinaus zeigt sich hier auch, was Siemens sonst noch aus einer Hand anbieten kann: Ob Beleuchtungssysteme, elektrische Installationen, Energieverteilung oder ein komplexes Überwachungssystem mit etwa 13 000 Sensoren für Licht-, Luft- und Temperaturverhältnisse: Das Gebäude birgt eine Vielzahl technischer Finessen, die Patienten und Angestellte nur unbewusst wahrnehmen. Sehr geschätzt wird von den Patienten das so genannte Hi-Med-Cockpit an jedem Bett, eine Mischung aus Entertainment- und Untersuchungssystem, mit dem man im Internet surfen, fernsehen oder telefonieren kann. Auch der Arzt nutzt die Bildschirme während seiner Stippvisite, um die elektronische Akte des jeweiligen Patienten einschließlich Laborwerten, Röntgenbildern oder Befundberichten aus einer zentralen Datenbank aufzurufen – eine von Siemens entwickelte Revolution für den Workflow eines Krankenhauses.
"Unsere Workflow-Lösung Soarian ist das eigentliche Kernstück des Hospital da Luz", sagt Wecker. "Mit diesem System können Ärzte und Pfleger überall im Krankenhaus auf die Patientenakte zugreifen, statt sie zeit- und kostenintensiv im Archiv zusammensuchen zu müssen." Innerbetriebliche Abläufe werden so viel effektiver, die Stationen können ihre Arbeitsabläufe besser planen, die Bürokratie wird verringert und das Personal entlastet – schnelle patientenorientierte Abläufe sind das Resultat. Die daraus resultierende kurze Verweildauer der Patienten ist für den Klinikbetreiber ESS von großem Vorteil.
Die hohe Effizienz überzeugte den Betreiber bei der Auftragsvergabe. Anders als Wettbewerber, die nur Einzelprodukte im Portfolio haben, konnte Siemens vieles auf einen Schlag bieten: Einen kompetenten Account Manager, hervorragend aufeinander abgestimmte Schnittstellen, eine gemeinsame Unternehmensstruktur und eine routinierte Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Divisionen.
Neuer Glanz für Wembley. Die langjährige Erfahrung von Siemens mit technischen Gesamtlösungen macht sich auch der britische Bauträger Quintain Estates and Developments für ein Projekt in London zunutze. Wo rund um das sanierte und 2007 fertig gestellte, berühmte Wembley-Stadion noch ein heruntergekommenes Industrieviertel existiert, wird das Investment-Unternehmen einen Wohn-, Einkaufs- und Freizeitkomplex mit Hotels, Bars, Kinos und etwa 5 000 Wohneinheiten schaffen – sozusagen eine Stadt in der Stadt. Für Quintain ist dabei die Nachhaltigkeit des neuen Viertels besonders wichtig. Denn der Bauherr ist auch der zukünftige Verwalter des Areals.
In guten Händen: Das Hi-Med-Cockpit, mit dem der Arzt von jedem Bett aus auf die Patientenakte zugreifen kann (links) und die Beleuchtung sind nur zwei von vielen Siemens-Lösungen im portugiesischen Hospital da Luz
Für die Zukunft gerüstet. So sollen beispielsweise die technischen Lösungen des neuen Stadtviertels noch viele Jahre nach der geplanten Fertigstellung 2015 zu den modernsten auf dem Markt gehören. Aus diesem Grund hat Quintain Siemens mit ins Boot geholt. Das Technologie-Unternehmen berät die Baufirma und ihre Partner bei technologischen Fragen und hilft, die dafür notwendigen Lösungen mit eigenen Produkten und Dienstleistungen zu realisieren. Zwar ist das gigantische Projekt erst in der frühen Bauphase, doch die ersten wichtigen Technologie-Entscheidungen hat Quintain dank der Siemens-Hilfe bereits getroffen.
Beispielsweise werden Glasfaserkabel im neuen Viertel eine sehr schnelle Sprach- und Datenkommunikation ermöglichen, während modernste Gebäudetechnologien den Energieverbrauch und die Emissionen des Areals auf ein Minimum reduzieren. Über weitere Lösungen wie IT- oder Verkehrssteuersysteme wird bereits nachgedacht. "Ich bin mir sicher, dass wir für das New-Wembley-Projekt in den nächsten Jahren eine schöne Bandbreite an Siemens-Lösungen und Services liefern werden", sagt Gordon Carmichael, Projektleiter von Siemens One.
Erst im Sommer 2007 haben beide Unternehmen einen Vertrag über eine strategische Partnerschaft mit einer Laufzeit von 15 Jahren unterzeichnet. Nahezu alle Divisionen von Siemens in Großbritannien sind daran beteiligt, sowie auch das Forschungszentrum in Roke Manor. Das potentielle Geschäftsvolumen liegt laut Carmichael allein in den ersten zehn Jahren bei einem unteren dreistelligen Millionen-Euro-Betrag.
Insgesamt rechnet Quintain für das Bauvorhaben mit einer Gesamtinvestition von mehr als vier Milliarden Euro. Dass sich der Aufwand lohnt, ist sich der Siemens-One-Manager sicher: "Nicht zuletzt dank des Wembley-Stadions und der naheliegenden Wembley-Arena für Konzerte und Events wird das Areal mit zehn bis 20 Millionen Besuchern pro Jahr eine der Hauptattraktionen Londons sein."
Sebastian Webel