Maßgeschneiderte Lösungen – IT-Lösungen
Intelligente Programme
Vom sicheren Grenzübertritt über die vereinfachte Abwicklung von Steuererklärungen bis zur sekundengenauen Stromrechnung: Weltweit profitieren Kunden von flexiblen Siemens-IT-Lösungen.
Bis Juni 2009 müssen in allen EU-Staaten und in der Schweiz neben dem Gesicht auch die Fingerabdrücke in den neuen maschinenlesbaren Reisepässen gespeichert werden. Für die Schweiz, Tschechien und Kroatien hat das Biometriezentrum von Siemens IT Solutions and Services (SIS) entsprechende Lösungen entwickelt. "Wir stellen die Systeme individuell für jedes Land zusammen", sagt Gerd Hribernig, Leiter des Zentrums im österreichischen Graz. So wurden etwa in der Schweiz und Tschechien mehrere hundert Erfassungszentren mit Kameras ausgestattet. Die Daten werden verschlüsselt auf einem RFID-Chip gespeichert, der sich in der Hülle der neuen ePässe verbirgt und mit speziellen Lesegeräten kontaktlos gelesen werden kann.
Betrug zwecklos: Beim biometrischen Reisepass sind die Daten auf einem integrierten RFID-Chip gespeichert. Eine Kamera erfasst das Gesicht und gleicht es mit dem Foto auf dem Chip ab
Basis für solche Gesamtlösungen ist die Siemens-Software Homeland Security Suite. Sie kann biometrische Reisedokumente lesen sowie Gesichtsbilder und Fingerabdrücke überprüfen. Ein Modul ist die Software zur Gesichtserkennung: Dabei orientiert sich das Kamera- system etwa an der Augenposition. "Eine Brille oder eine neue Frisur gleicht die Software aus", sagt Hribernig. Zehn bis 30 Sekunden dauere die Überprüfung. "Damit kann erstmals an der Grenze automatisch festgestellt werden, ob der Pass zum Besitzer gehört oder nicht."
Die Homeland Security Suite kann zudem weitere Hardware von Partnern einbinden, beispielsweise Fingerabdruckscanner und -lesegeräte. Unberechtigte können dabei nicht auf sensible Daten zugreifen, denn der Chip überprüft automatisch, ob das Lesegerät über die notwendigen Berechtigungszertifikate verfügt. In der Schweiz hat Siemens zudem Kontrollstände installiert, wo die Bürger ihre gespeicherten Daten überprüfen können. "Dies ist wichtig, um die Lösung transparent zu machen und Vertrauen zu schaffen", sagt Hribernig. In Kroatien wiederum überprüft ein Grenzkontrollsystem die Gültigkeit von Visa und anderen Dokumenten, und am Grenzübergang Bajakovo werden mit Hilfe von Kameras automatisch Fahrzeug-Kennzeichen und -Typen erkannt.
IT gegen Steuersünder. In der Türkei setzt SIS für das Finanzministerium eine maßgeschneiderte Lösung um, um Steuererklärungen effizienter abzuwickeln. "448 Finanzämter in 81 Städten sowie über 500 kleinere Ämter auf dem Land versorgen wir mit neuen Rechnern, binden sie an eine leistungsfähige Infrastruktur mit bis zu einem Megabit pro Sekunde an und installieren unsere webbasierte Software-Lösung", sagt Kemal Güven, Projektleiter bei SIS in der Türkei. Landesweit sollen steuerrelevante Daten zwischen sämtlichen Ämtern ausgetauscht werden können. Dazu kommt die verschlüsselte Anbindung von 25 Banken und von Regierungsbehörden. Drei neue Rechenzentren garantieren rund um die Uhr den Betrieb.
"Etwa 200 Mitarbeiter von der Software-Entwicklung bis zur Schulung der Finanzbeamten sind in der Spitze im Einsatz", sagt Güven. Um alle Informationen zusammenzuführen, richtet Siemens ein IT-Center ein. Neben der Entlarvung von Steuersündern erhofft sich das Finanzministerium mehr Effizienz, Kosteneinsparungen und einen besseren Service für die Steuerzahler. Etwa dadurch, dass neue gesetzliche Regelungen online ins System eingespielt werden und sofort für die Abrechnung zur Verfügung stehen. Anträge können so schneller bearbeitet werden.
Maßgeschneiderte Lösungen verwirklicht Siemens auch im Energiesektor. So ermöglichen intelligente Stromzähler, Smart Meter genannt, eine zeitgenaue Verbrauchsmessung. Mit den Daten können die Kunden ihren Verbrauch kontinuierlich überprüfen, selbst entsprechend steuern und ihre Stromkosten senken. Die Energieversorger hingegen können ihren Kunden zu bestimmten Zeiten günstigeren Strom anbieten – und so einen Anreiz liefern, außerhalb der Spitzenlastzeiten Strom zu beziehen. Das ist auch Ziel einer neuen EU-Richtlinie über Energieeffizienz und Energiedienstleistungen.
"Smart Metering erfordert aber weit mehr als nur den Austausch der bestehenden Zähler durch eine neue Generation von elektronischen Haushaltszählern", sagt Josef Kapp, bei SIS für Geschäftsentwicklung und Strategie im Bereich Versorgungswirtschaft zuständig. "Hinzu kommen weitere Technologien, zum Beispiel für das Datenmanagement der Zähler sowie Aufrüstungen auf verschiedenen Netzebenen der Energieversorger."
All dies bietet das System AMIS von Siemens. Es umfasst neben den Multifunktionszählern in den Haushalten auch Lastschaltgeräte, die mit so genannten Datenkonzentratoren in den Trafostationen kommunizieren. Diese bündeln die Daten von bis zu 1 000 Zählern und Lastschaltgeräten und übertragen sie in die Zentrale des Energieversorgers. Diesem bietet AMIS auch Schnittstellen zu ausgefeilten Abrechnungs- und Netzleitsystemen. "Damit lassen sich aus den Daten der Haushalte alle nachgelagerten Prozesse erst realisieren, etwa die sekundengenaue und verbrauchsorientierte Abrechnung gegenüber den Endkunden", betont Kapp.
Stromzähler der Zukunft. Ein Beispiel ist die Energie AG in Oberösterreich. Derzeit sind etwa 1 000 Haushalte mit AMIS-Zählern und die dahinter liegenden Netzebenen mit AMIS-Komponenten ausgerüstet. Dabei kommunizieren die Zähler mit dem übergeordneten System direkt über die Stromleitung. "Langjährige Forschung steckt in diesem Powerline-Verfahren", sagt Alexander Schenk, Geschäftssegmentleiter für das System AMIS bei der Siemens-Division Power Distribution.
Bei Powerline werden die Daten im Frequenzband von neun bis 95 kHz über das Stromnetz übertragen. "Die Zählerfernauslesung wird dadurch hoch verfügbar, sicher und sehr kostengünstig", sagt Schenk mit Blick auf andere Pilotprojekte in Europa. Bei der Auslesung komme es bei den dort verwendeten anderen Verfahren immer wieder zu Ausfällen wegen der hohen Störanfälligkeit, die Kommunikation im Stromumfeld mit sich bringe. Zudem sei das Auslesen per GSM-Funknetz teurer und mache Energieversorger abhängig von Telekommunikationsfirmen, die den Ausleseprozess als Dienstleistung übernehmen wollen. Dennoch hält auch AMIS Schnittstellen für die Funkvariante bereit und kann zudem alle Arten von elektronischen Zählern einbinden.
Bis Ende 2009 will die Energie AG 100 000 und bis 2014 etwa 400 000 innovative Zähler in den Haushalten installieren und ihr Netz für die sekundengenaue Stromabrechnung fit machen. Solche langfristigen Investitionen bieten laut Schenk weitere Chancen. "Energieversorger können dann auch dezentrale Energieerzeuger in ihr Verteilnetz einbinden". Das Smart Grid genannte Konzept geht davon aus, dass auch Haushalte – etwa über Brennstoff- oder über Solarzellen – Energie erzeugen. Nicht selbst benötigte Energie können sie ins Netz einspeisen. "Lösungen wird es dafür wohl erst in acht bis 15 Jahren geben, doch jetzt werden die Weichen für einen intelligenten und optimierten Netzbetrieb gestellt", ist Schenk überzeugt.
Nikola Wohllaib