Maßgeschneiderte Lösungen – Finanzierung nach Maß
Schulterschluss mit Finanzexperten
Beim Bau oder der Sanierung von Infrastruktureinrichtungen wird immer häufiger auf Kooperationen mit Investoren aus dem privaten Sektor gesetzt. An etlichen Projekten ist Siemens auch selbst mit Eigenkapital beteiligt.
Kreativität ist gefragt: Ob der Flughafen Bangalore oder stromsparende LED für Ampelanlagen – ausgeklügelte Finanzierungsmodelle von Siemens machen Projekte jeder Größe oft erst möglich
Die großen Ballungsräume der Erde entwickeln sich mit rasanter Geschwindigkeit. Um die Bedürfnisse ihrer Bewohner zu erfüllen, brauchen sie vor allem eins: moderne Infrastruktur. Weil öffentliche Gelder aber vielerorts knapp sind, ermöglichen oft nur individuelle Finanzierungslösungen den Bau von Flughäfen, Krankenhäusern oder Kraftwerken. Vielen der weltweit von Siemens durchgeführten Projekte liegt ein Finanzierungskonzept der Division Siemens Financial Services (SFS) zugrunde.
Beispielsweise beim neuen Flughafen im indischen Bangalore, der demnächst den Betrieb aufnehmen wird. Angesichts des anhaltenden Booms der Region um Bangalore – als Silicon Valley Indiens bekannt – hat sich die öffentliche Verwaltung den Ausbau der dringend benötigten Infrastruktur auf die Fahnen geschrieben.
Bis 2015 soll der Flughafen die Marke von jährlich 15 Millionen Passagieren knacken – alle zwei Minuten soll dann ein Flug abgewickelt werden. Durch enge Zusammenarbeit mit dem Market Development Board Airports von Siemens One (Trends) gelang es Siemens, für das Flughafenprojekt einen Vorschlag zu machen, der dank innovativer Technik genau auf diese Bedürfnisse zugeschnitten ist. Zur Finanzierung des Prestigeprojekts setzte die öffentliche Hand auf eine langfristige Kooperation mit privaten Anbietern – ein sogenanntes Public-Private-Partnership (PPP). Eigentümer und Betreiber des Flughafens ist die Projektgesellschaft Bangalore International Airport Limited (BIAL). Neben der Bereitstellung und Installation der gesamten Technik ist Siemens über die Tochterfirma Siemens Project Ventures (SPV) zu 40 % an der BIAL beteiligt. Jeweils 17 % liegen beim Bauunternehmen Larsen & Toubro Ltd. und der Unique Zurich Airport, die betriebliches Know-how beisteuert.
Die übrigen 26 % teilen sich die Regierung des Bundesstaats Karnataka und die indische Bundesregierung. So bewahrt sich der Staat ein Kontroll- und Mitspracherecht an dem strategisch wichtigen Infrastrukturprojekt. Denn, erläutert Dr. Wolfgang Bischoff, SPV-Geschäftsführer, "nach indischem Gesellschaftsrecht bilden diese 26 % eine Sperrminorität". Die unternehmerische Verantwortung hingegen liegt weitgehend bei der BIAL. Ihre Investition in Höhe von 460 Mio US-$ refinanziert die Eigentümer- und Betreibergesellschaft durch eine Konzession zur Erhebung von Gebühren von Fluggesellschaften und Passagieren, die 30 Jahre gilt und noch einmal um den gleichen Zeitraum verlängert werden kann.
Partnerschaft zur Finanzierung. Der Flughafen in Bangalore ist zwar durch das große Finanzvolumen außergewöhnlich, aber kein Einzelfall: Derzeit strukturiert SFS weltweit die Finanzierung von über 300 Projekten, die mit Siemens-Technik ausgestattet werden. Dabei gewinnen PPP-Modelle zunehmend an Bedeutung. "Durch die engere Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und privatem Sektor lassen sich trotz begrenzter Budgets viele Infrastrukturinvestitionen realisieren", erklärt Johannes Schmidt, Geschäftsführer der SFS. Weltweit stehen Finanzexperten der SFS an den Siemens-Standorten zur Unterstützung bereit.
In Deutschland wurde gerade der Vertrag zur Errichtung eines neuartigen Zentrums zur Behandlung von Krebserkrankungen an der Kieler Universitätsklinik unterzeichnet – das derzeit größte PPP-Projekt im deutschen Gesundheitswesen. Bei dem geplanten Partikeltherapiezentrum werden hier ab 2012 Protonen oder Kohlenstoffionen auf eine sehr hohe Geschwindigkeit gebracht und millimetergenau auf den Tumor gelenkt, um ihn zu zerstören (Pictures of the Future, Herbst 2007, Schwerionen-Therapiezentrum). Die Kosten der von Siemens Healthcare geplanten und errichteten Partikeltherapieanlage einschließlich der konventionellen Krebsklinik werden bei 250 Mio € liegen.
Anders als beim Flughafen Bangalore sind die privaten Konsortialpartner Siemens und der für die Gebäudehülle verantwortliche Bauspezialist Bilfinger Berger die vollständigen Eigentümer, die neben der Gewährleistung der technischen Verfügbarkeit auch die wesentlichen technischen Risiken tragen. "Als Betreiber der Anlage zahlt das Universitätsklinikum Kiel für dessen Nutzung ein monatliches Entgelt", beschreibt Dr. Bischoff das Modell. Für die optimale Patientenauslastung muss die Klinik selbst sorgen. Nach 25 Jahren geht die Anlage in ihren Besitz über.
Den Auftrag aus Kiel konnte Siemens unter anderem wegen seiner Erfahrung mit Projekten in dieser Größenordnung gewinnen. So ist das Unternehmen auch an der Errichtung des Heidelberger Partikelzentrums, das im Oktober 2008 in Betrieb gehen soll, maßgeblich beteiligt.
Viel Licht für wenig Strom. Dass die Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und privatem Sektor aber auch bei vermeintlich kleinen Aufträgen eine große Wirkung haben kann, zeigen zwei Beispiele aus dem Verkehrswesen. So hat die SFS-Tochter Siemens Finance & Leasing (SF&L) in Memmingen und Freiburg gemeinsam mit Siemens Enterprise Communications (SEN) Projekte realisiert, die den Kommunen die Investition in eine umweltfreundliche Lichttechnologie für Verkehrsampeln ermöglicht haben. In Freiburg wurden 53 Anlagen auf LED-Technik umgerüstet, die sich gegenüber herkömmlichen Glühlampen durch einen weit geringeren Energieverbrauch und eine deutlich längere Lebensdauer auszeichnet. Da diese Technik den jährlichen Stromverbrauch um 350 000 kWh wie auch die Wartungskosten drastisch senkt, kann die Stadt jährlich 155 000 € sparen und mit diesem Geld die Raten finanzieren. Die Rückzahlung erfolgt innerhalb von 15 Jahren. Danach fließen die Einsparungen in die Stadtkasse – ohne zusätzliche Belastungen des öffentlichen Haushalts.
Diesem Beispiel sind inzwischen bereits rund ein Dutzend Kommunen in Deutschland gefolgt. In Memmingen, wo Siemens 18 Ampelanlagen auf LED-Technik umstellte, konnten die Raten in einer ersten Rechnung bereits vollständig aus den Einsparungen im Energiebereich bezahlt werden. Angesichts der zusätzlichen Einsparungen im Wartungsbereich konnte SF&L zudem auf Wunsch der Kommune die Laufzeit des Energiesparvertrags verkürzen. "Weil sich die Investition für die Kommunen rechnet, haben wir mittlerweile etliche weitere Umstellungen in Planung", erklärt Stefan Fleischner, Leiter Region Süd bei SF&L. Ob bei kleineren Projekten oder großen Aufträgen: Ohne die ausgefeilten Finanzierungskonzepte würde die öffentliche Hand vor derartigen Investitionen zurückschrecken, ist Fleischner überzeugt.
Katrin Nikolaus