Energie für Milliarden – Schülerwettbewerbe
Wärme, Wellen, Wasserstoff
Jedes Jahr veranstaltet Siemens Schülerwettbewerbe in den USA und in Deutschland und kürt zukunftsweisende Ideen aus Mathematik, Naturwissenschaften und Technik. Der diesjährige deutsche Wettbewerb stand unter dem Motto "Klima wandeln".
Frische Ideen: Der deutsche Wettbewerb 2008 stand unter dem Motto "Klima wandeln" – die Gewinnerinnen des ersten Preises (im Bild unten links) untersuchten die Nutzung der Solarenergie. Bild oben: die Preisträger 2007 aus den USA
Das Meer vermag nicht nur Dichter zu inspirieren, sondern auch junge Erfinder wie Aaron Goldin. Der Harvard-Student aus Kalifornien hat ein Wellenkraftwerk entwickelt, das in einer Boje steckt und die Kraft der Wellen über einen Kreisel in elektrische Energie verwandelt. Die Anlage ist absolut wasserfest, mobil und enthält keine umweltschädlichen Flüssigkeiten. Vor drei Jahren wurde der damals 17-jährige Schüler Goldin für diese Erfindung beim Siemens-Schülerwettbewerb für Mathematik, Naturwissenschaften und Technik mit einem ersten Preis und 100 000 $ geehrt.
Auch im Regionalfinale 2007 punktete ein Schüler mit einem Projekt zum Klimaschutz: Der 17-jährige Ayon Sen hat Grenzflächenphänomene von Meeresströmungen untersucht, die das Klima maßgeblich mitbestimmen. Und vor zwei Jahren sorgte ein Preisträger-Team aus Tennessee mit einem Informatik-Projekt zur kostengünstigen Bioethanol-Produktion für Aufsehen. Seit zehn Jahren findet der Schülerwettbewerb in den USA statt und hat sich längst zu einem bedeutenden Forschungs-Highlight gemausert, über das alle namhaften Medien berichten. Im vergangenen Jahr haben sich über 1 600 Schüler beteiligt. Häufig zollen US-Senatoren und -Gouverneure den Preisträgern ihre Anerkennung, und 2007 ließ es sich sogar die First Lady Laura Bush nicht nehmen, die Gewinner im Weißen Haus zu empfangen.
Seit 2007 setzt Siemens das erfolgreiche Konzept auch in Deutschland um. "Unser Ziel ist es, junge Menschen für Technik und Naturwissenschaften zu begeistern und Talente früh zu entdecken und zu fördern", sagt die Projektleiterin Christa Mühlbauer von Siemens Corporate Citizenship. Der Ingenieurmangel in Deutschland zeige, dass ein großer Handlungsbedarf bestehe. Siemens sehe es als gesellschaftliche Herausforderung an, hier gegenzusteuern.
"Klima wandeln". Anders als in den USA wird den deutschen Gymnasiasten ein Forschungsmotto vorgegeben. "Das Motto soll aktuell und gesellschaftsrelevant sein, aber auch immer einen Bezug zum Unternehmen haben", nennt Mühlbauer die Kriterien. "Die Resonanz auf das diesjährige Thema Klima wandeln hat unsere Erwartungen bei weitem übertroffen." Fast 800 Schüler hätten sich beworben, einzeln und in kleinen Teams. Es seien etwa 400 Themen eingegangen. Besonders viele Arbeiten hätten sich dabei mit den Forschungsgebieten Wasserstofftechnologie, Biogas, Solarenergie und Kohlendioxid-Speicherung beschäftigt.
Unter den eingereichten Themen ist indes auch eine Menge Skurriles. So befasst sich ein Projekt etwa damit, ob man die Energie, die Milliarden Fußgänger weltweit jede Sekunde auf das Trottoir treten, über Piezogeneratoren nutzbar machen kann. Derart ungewöhnliche Denkansätze seien ausdrücklich erwünscht, meint dazu Christa Mühlbauer. Die Schüler würden aufgefordert, ihrer Fantasie keine Grenzen zu setzen. Unter allen Klimaschutzideen die Sahnestückchen herauszusuchen, ist die Aufgabe einer hochkarätig besetzten Jury. Zehn renommierte Wissenschaftler aus den Siemens-Partnerhochschulen, den Technischen Universitäten in München und Berlin sowie der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen entscheiden darüber, welche Arbeiten preiswürdig sind.
Die Ansprüche sind hoch, denn die Projekte sollen wegweisend sein und gegebenenfalls sogar das Potenzial für eine praktische Anwendung haben. "Je konkreter der Ansatz, desto höher die Chance auf einen Preis", betont Mühlbauer. Im April 2008 wurden die diesjährigen Gewinner bekanntgegeben: Rosa Meyer und Christine Mauelshagen vom Hollenberg-Gymnasium in Waldbröl, Nordrhein-Westfalen, untersuchten die Möglichkeiten der CO2-Einsparung durch Solarenergie in der Gemeinde Morsbach.
Das Gewinnteam erhielt ein Preisgeld von 30 000 €. "Insgesamt verteilen wir 111 000 €, die zum Teil auch an die Fachbereiche der betreuenden Lehrkräfte gehen", sagt Mühlbauer. Mit ihren Preisen können sich die Schüler ihr Studium finanzieren und sich schon vorher in Wissenschaftskreisen einen Namen machen. Und vielleicht lösen die frischen Denkansätze sogar in Industrie und Wirtschaft eine Welle der Begeisterung aus, so dass sie ihr Potenzial für den Klimaschutz auch in der Praxis beweisen können.
Andrea Hoferichter