Energie für Milliarden – Experten-Interview
"Wir konzentrieren uns auf Effizienzsteigerungen und erneuerbare Energien"
Interview mit Jackalyne Pfannenstiel
Im April 2004 wurde
Jackalyne Pfannenstiel von Gouverneur Arnold Schwarzenegger in den kalifornischen Energieausschuss (California Energy Commission, CEC) berufen. Seit Juni 2006 ist sie dessen Vorsitzende. Bereits von 2001 bis 2004 hatte Pfannenstiel als unabhängige CEC-Beraterin für Energiepolitik und Strategie gearbeitet. Davor war sie als Vice President für Planung und Strategie bei Pacific Gas & Electric tätig. Von 1978 bis 1980 arbeitete sie in der California Public Utilities Commission als leitende Wirtschaftsexpertin.
Was unternehmen Sie zur Senkung der Emissionen im Verkehrswesen?
Pfannenstiel: Das kalifornische Gesetz über saubere Pkw fordert, dass bis 2016 die Treibhausgas-Emissionen der in Kalifornien verkauften Fahrzeuge um 30 % gegenüber dem heutigen Durchschnitts-Pkw gesenkt werden. Darüber hinaus hat Gouverneur Schwarzenegger in Kalifornien eine Norm geschaffen, deren Ziel eine zehnprozentige Senkung des Kohlenstoffgehalts im Kraftstoff ist.
Welche Technologien könnten hier zu Lösungen führen?
Pfannenstiel: Kurzfristig sind Biokraftstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen eine gute Option. Sie sind allgemein verfügbar und geeignet, den Erdölverbrauch und die Treibhausgas-Emissionen deutlich zu senken. Wir freuen uns auch über den immer häufigeren Einsatz von Hybridtechnologie und vor allem über die Perspektive, die Plug-in-Hybridfahrzeuge in Bezug auf Kraftstoff-Einsparungen bieten können. Bis 2012 wollen wir, dass 9 % der Fahrzeuge elektrisch oder mit Biokraftstoffen, Erdgas, Wasserstoff oder anderen alternativen Energien angetrieben werden. Bis 2017 soll dieser Anteil auf 11 % und bis 2022 auf 26 % steigen. Wir tun viel für die Technologien zur Senkung der Emissionen im Verkehr, etwa mit der Gründung eines Zentrums zur Erforschung von Plug-in-Hybridfahrzeugen. Durch ein neues Gesetz, das in diesem Jahr in Kalifornien in Kraft tritt, werden auch deutlich mehr Mittel zur Entwicklung und Nutzung alternativer Kraftstoffe zur Verfügung gestellt.
Können Biokraftstoffe entwickelt werden, ohne Wälder zu zerstören oder die Lebensmittelpreise in die Höhe zu treiben?
Pfannenstiel: Die Technologie zur Herstellung von Zellulose-Äthanol ist ziemlich ausgereift – mit Produktionskosten in der Größenordnung konventioneller Kraftstoffe. Wir erwarten, dass in Kalifornien bald ein Zellulose-Äthanol-Werk gebaut wird, das die Machbarkeit dieser Technologie zeigt. Ein Anstieg der Lebensmittelpreise ist dadurch nicht zu erwarten, und da die unterschiedlichsten Ausgangsstoffe verwendet werden können, werden auch keine Wälder zerstört.
Was ist geplant, um die Energieeffizienz von Gebäuden zu steigern?
Pfannenstiel: Durch unsere neueste Fassung der Gebäudestandards dürften wir nach dem Inkrafttreten Mitte 2009 den Energieverbrauch in neu errichteten Gebäuden um 7 bis 15 % senken können. Was Hausgeräte anbelangt, wurde der Energieausschuss aufgefordert, bis zum Jahresende neue Beleuchtungsstandards zu verabschieden, die den Stromverbrauch für die Beleuchtung in Wohngebäuden um 50 % und in anderen Gebäuden um 25 % verringern sollen.
Was sind für Sie mittelfristig die aussichtsreichsten Technologien?
Pfannenstiel: Von der Nutzung der Solarenergie erwarte ich in Kalifornien sehr viel. Für dezentrale Photovoltaiksysteme, die an lokale Netze angeschlossen werden können, sehe ich eine große Zukunft. Bis 2016 sollen in Kalifornien auf diese Weise 3 000 MW an Solaranlagen errichtet werden. Auch größere solarthermische Kraftwerke in der Wüste, die einen wichtigen Teil unseres Energiebedarfs decken können, sind zukunftsträchtig. Hier ist das Interesse in jüngster Zeit deutlich gestiegen. Zwischen dem Staat Kalifornien und Bundesbehörden wurden Verträge für Anlagen mit einer Leistung von mehr als 30 000 MW initiiert. Zudem verfügt der Westen der USA über sehr viel versprechende, aber noch nicht genutzte Standorte für Windkraftanlagen. Das liegt vor allem daran, dass dafür große Investitionen in Übertragungstechnik erforderlich sind, um den Strom zu den Abnehmern zu bringen. Bessere Energiespeicher sind entscheidend, um unsere Solar- und Windanlagen deutlich ausbauen zu können. Unsere Anstrengungen konzentrieren sich derzeit vor allem auf erneuerbare Energien und Methoden zur Steigerung der Energieeffizienz. Doch langfristig glauben wir, dass auch Technologien zur Abtrennung und Lagerung von Kohlendioxid eine gute Perspektive bieten. Sie sind wichtig, weil ein Großteil unserer vorhandenen Energie-Infrastruktur, ob für Erdgas oder Kohle, noch einige Zeit genutzt werden wird. Ich denke, dass wir über kurz oder lang diese Kraftwerke mit Hilfe von Verfahren zur Abtrennung von CO2 aufrüsten müssen.
Das Interview führte Arthur F. Pease