Technik für die Umwelt – Szenario 2020
Reine Überzeugungskraft
Juni 2020, im Hauptsitz von CO2NTRACT, einem Institut zur Entwicklung umweltschonender Maßnahmen. Der Direktor und Energieexperte Leonard Großmann führt seine Familie durchs Gebäude. Dabei kommen sie an einen besonderen Ort …
Energieverbrauch senken: Der Direktor des Forschungsinstitutes CO2NTRACT zeigt seiner Tochter und seinem Vater die Ergebnisse aus zehn Jahren Arbeit an der Entwicklung umweltschonender Maßnahmen. Dank der intensiven Zusammenarbeit zwischen Forschung und Industrie konnten die Treibhausgas Emissionen bei Gebäuden, von Kraftwerken und im Verkehr erheblich reduziert werden
Wo sind wir hier?", will Sophie, die 13-jährige Tochter von Leonard Großmann wissen. "Das ist unser neuer Hologramm-Raum", verrät ihr Vater. "Hier zeigen wir unseren Gästen, was das Institut mit seinen Industriepartnern weltweit bereits an Lösungen umsetzen konnte, um die Umwelt von Treibhausgasen wie Kohlendioxid zu entlasten. Wartet, ich fahre nur eben die Anlage hoch..." "Welchen Gästen? Euren Auftraggebern?", brummt Leonards Vater ungeduldig. "Genau", erwidert der Umweltexperte. "Das sind beispielsweise Betreiber von Industrieanlagen oder auch Städteplaner aus Megacities, die ja in vielen Ländern ein enormes Wachstum erleben. Die Folge: Der Stromverbrauch steigt, der Verkehr explodiert, und die Industrie muss mehr produzieren. Um dabei die Umwelt nicht unnötig zu belasten, bekommen wir den Auftrag, intelligente Lösungen zu finden." Sophie wird langsam nervös: "Wann startet das Ding denn endlich?"
Leonard tippt einige Befehle in ein Panel, das in einen Tisch in der Mitte des Raumes eingebaut ist. Kleine Blitze beginnen auf der Tischplatte zu tanzen, verwandeln sich in große farbige Lichtstrahlen und fügen sich nach und nach zu einem Gesamtbild. Kurz dreht sich die Erdkugel mit ihrer Fieberkurve, die Sophie so vertraut ist, dann schweben vor der Gruppe plötzlich drei Hologramme in einer Dreiecksformation. Sophie erkennt eine Projektion auf Anhieb: "Das sieht ja aus wie unser Haus!" Ihr Vater lacht: "Stimmt! Und an ihm erkläre ich euch jetzt, was nach unserer Gründung 2010 der erste Auftrag war." "Ich erinnere mich", kommt ihm sein Vater zuvor. "CO2NTRACT sollte den Energieverbrauch in Bürogebäuden senken. Das war ein toller Start."
"Im Nachhinein betrachtet war es eigentlich gar nicht so schwer", resümiert Leonard. "Mit den richtigen Analyseprogrammen findet man schnell heraus, was die größten Energieverbraucher in Gebäuden sind: Heizung natürlich, Warmwasser, Haus- und Elektrogeräte, Beleuchtung, IT-Netze und so weiter. Und dann braucht man noch die richtige Software, die einem rät, an welchen Hebeln man in welchem Gebäude am besten drehen sollte: Wärmedämmung, effizientere Kühlschränke, Energiesparlampen, Abwärmenutzung, Gebäudesteuerung über Sensoren – da gibt es schon viele Ansatzpunkte. Und wenn man es richtig macht, bekommt man Verbrauchssenkungen von 30, 40, 50 % und sogar noch mehr. Das gilt übrigens für Privathäuser ähnlich wie für Gewerbe und Industrie. Wir selbst hatten uns damals ja beim Neubau unseres Hauses für ein Passivhaus mit minimalem Energieverbrauch entschieden." Sophie entfährt angesichts der Hologramme nur ein staunendes "Cool!"
Ihr Vater freut sich: "Ja, das war ein großer Erfolg – Ich zeig euch mal, was wir beim Verkehr gemacht haben." Die drei Hologramme beginnen sich neu zu formatieren. Statt des Hauses schwebt nun ein ebenfalls vertrautes Bild vor der Delegation. "Wow, eine Tankstelle", spöttelt der Senior. Sein Sohn entgegnet ruhig: "Nicht die Tankstelle ist das Entscheidende, Paps, sondern der Inhalt: SynFuel, synthetischer Treibstoff." Seine Tochter wundert sich: "Und? Das tanken wir doch immer." Der Direktor holt tief Luft: "Ja, aber die Generation vor Dir hatte noch ganz andere Treibstoffe. Benzin und Diesel beispielsweise – alles aus wertvollem Öl gewonnen. Dass wir heute vor allem Biotreibstoffe und sauberen SynFuel aus Erdgas, Ölsand oder Kohle tanken – und immer mehr auch Wasserstoff –, ist nicht zuletzt auch unserer Arbeit zu verdanken. Als wir dann noch mit der Autoindustrie den eDrive zur Marktreife brachten, also den in die Räder integrierten Elektroantrieb, war das der Durchbruch zur drastischen Senkung der CO2-Emissionen im privaten Verkehr." "Aber ohne den Druck durch die Umstellung des Steuersystems auf Besteuerung der Treibhausgase und die umfassende Einführung der Emissionszertifikate hättet ihr das nicht geschafft", brummt sein Vater. Leonard grinst, als er an seines Vaters Arbeit im Finanzministerium denkt: "Ja, ich gebe ja zu, dass ihr Steuerexperten auch einen gewissen Anteil hattet …"
Er macht mit der Hand eine Drehbewegung in der Luft und das dritte Hologramm, ein Kraftwerk, wandert nach vorne. "Was ihr hier seht, ist einer unser neuesten Aufträge", erklärt der Klimaexperte. "Ein Brennstoffzellen-Hybrid-Kraftwerk, das Erdgas zu über 70 % direkt in Strom umwandeln kann – dieser Wirkungsgrad ist der derzeitige Weltrekord für ein kommerzielles Kraftwerk. Das sind 20 % mehr, als ein durchschnittliches Gas- und Dampfturbinenkraftwerk zur Zeit deiner Geburt schaffte, Sophie. Pro Stromeinheit sparen wir da fast 30 % an CO2, und den Rest könnten wir auch noch abtrennen und unterirdisch lagern. Mit dem 10-MW-Hybridkraftwerk kommen wir nun sogar zehn Jahre früher auf den Markt als ursprünglich vermutet." Leonard gerät ins Schwärmen. "Unsere Forscher arbeiten übrigens gerade an einem Biomassekraftwerk mit CO2-Abtrennung. Damit könnten wir netto sogar Treibhausgase aus der Atmosphäre entfernen …"
Sein Vater unterbricht ihn: "Und wie finanziert sich das Ganze?" Sein Sohn lächelt: "Was meinst Du, warum wir CO2NTRACT heißen? Die Finanzierung läuft über CO2-Contracting. Wir garantieren unseren Kunden eine bestimmte CO2-Einsparung, sie können dann Emissionszertifikate verkaufen und sparen zudem Steuern. Mit einem Teil dieser Einsparungen bezahlen sie uns und die Leistungen unserer Industriepartner, in Raten über 10 oder 15 Jahre." Sophie räuspert sich: "Ähm, Papa?" Leonard sieht seine Tochter an und dann fragt er plötzlich argwöhnisch: "Sophie, es hat doch einen Grund, dass ihr mich ausgerechnet jetzt hier besucht, oder?" Sie lächelt verlegen: "Ja, wir, ähm ich … muss in der Schule eine Arbeit schreiben über den Klimawandel und was wir in unserer Schule konkret tun könnten … und da dachte ich, und auch Opa sagte, dass du vielleicht …" – aus den Augenwinkeln sieht Leonard gerade noch das spöttische Lächeln seines Vaters, bevor er sich seufzend seiner Tochter geschlagen gibt.
Sebastian Webel
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(siehe Kraftwerke, Energie aus Abfall, Brennstoffzellen-Kraftwerke und Verkehr)
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