Lebenswerte Megacities – Beleuchtung
Licht für die Welt von morgen
Osram hat in der Studie Picture of the Lighting Future untersucht, welche Trends, Technologien und Kundenbedürfnisse die Märkte für Beleuchtung in zehn bis 15 Jahren prägen werden. Neben dem globalen Trend zur Nachhaltigkeit sehen die Forscher insbesondere völlig neuartige Lichtquellen und Einsatzgebiete voraus.
Methodisch lehnt sich die Studie an das Verfahren der Pictures of the Future an, das bei Siemens für die strategische Zukunftsplanung eingesetzt wird. Die Fachleute von Osram und Siemens führten etwa 50 Interviews mit externen Experten, definierten Schlüsseltechnologien und untersuchten Auswirkungen auf regionale Märkte. Daraus leiteten sie Detailszenarien für die verschiedenen Lebensbereiche ab und verdichteten alles zu neuen Geschäftsideen für Osram.
Als einen der wesentlichen Trends sehen sie energie- und ressourcenschonende Lichtquellen. Der Grund: Elektrisches Licht verbraucht weltweit 19 % des erzeugten Stroms – was beim derzeitigen Energiemix einer CO2-Emissionsmenge von jährlich 1,6 Mrd. t oder 500 Millionen Pkw (mit 20 000 gefahrenen Kilometern pro Jahr und 160 g CO2 pro Kilometer) entspricht. Allein in Asien dürfte sich der Verbrauch in den nächsten zehn Jahren verdoppeln, denn heute setzt ein US-Amerikaner rund 30-mal mehr an elektrischer Lichtmenge (in Lumen mal Zeit) um als ein Inder und zehnmal mehr als ein Chinese. Der Ausweg ist der Einsatz von Energiesparlampen und Leuchtdioden, die bei gleicher Lichtmenge den Stromverbrauch um 80 % senken und zugleich 15- bis 50-mal länger leben. Über ihre Lebensdauer gerechnet spart eine Energiesparlampe etwa eine halbe Tonne CO2 ein.
Ein weiterer Trend ist, dass künftig weniger Einzelkomponenten verkauft werden, sondern eher ganze Leuchtensysteme aus Lampen oder Leuchtdioden (LED), Sensoren und Elektronik. Solche Systeme können sich beispielsweise über Bewegungsmelder automatisch an den jeweiligen Bedarf anpassen und die Beleuchtung möglichst effizient und energiesparend gestalten. Und man kann mit Systemen aus Solarzellen, Akkus und LED-Leuchten den 1,5 Milliarden Menschen einen Zugang zu elektrischem Licht verschaffen, die heute oft noch gesundheitsgefährdende, mit Gas oder Petroleum betriebene Lampen verwenden.
Neue Technologien eröffnen Lichtdesignern völlig neue Gestaltungsmöglichkeiten und eine bisher unerreichte Flexibilität. Dazu gehören die punktförmigen LED ebenso wie die flächigen organischen Leuchtdioden (OLED). Biegsame Lichtquellen werden damit ebenso möglich wie transparente Lichtwände, leuchtende Kacheln und Klebefolien oder ein Lichthimmel an der Zimmerdecke. Auch für Hinweisschilder, Werbeflächen oder für Licht-Effekte in Kleidung, Schmuck oder Möbeln sowie eine bisher nie gesehene Licht-Architektur sind die neuen Lichtquellen ideal geeignet. Und Displays werden allgegenwärtig sein: vom kleinen Handy-Display über rollbare elektronische Zeitungen bis zu Wandtapeten, die auf Knopfdruck ihre Bilder wechseln oder zum Internet-, TV- und Videoterminal werden.In Europa spielen neben dem Nachhaltigkeitsaspekt vor allem Komfort und Sicherheit die wesentliche Rolle. Die Anpassung von Lichtfarben und Lichtstimmungen sowie eine kluge Mischung von Tages- und Kunstlicht steigern das Wohlbefinden; intelligente Notbeleuchtungen und Führungslichter erhöhen die Sicherheit in Häusern, auf Straßen und Bürgersteigen oder auf Plätzen. Kontextbezogene Lichtquellen werden neue Anwendungen erschließen. So könnte etwa eine winzige, mit einem Temperatursensor verbundene Lichtquelle in Wasserhähne eingebaut werden. Ist das Wasser heiß, würde der Wasserstrahl warnend rot leuchten, bei kaltem Wasser wäre er blau.
Auch für Gesundheitsanwendungen wird Licht verstärkt eingesetzt: etwa in Lichtduschen zur gezielten Serotonin-Anregung und Melatonin-Unterdrückung, um die Leistungskraft zu steigern, oder für die Therapie von bestimmten Hautkrankheiten. Als Skalpell, optische Pinzette oder zur fluoreszenz-optischen Analyse von Krebszellen werden Ärzte oder Chirurgen (Laser-)Licht künftig noch stärker als heute verwenden.
Ulrich Eberl