Lebenswerte Megacities – Hausgeräte
Schöne Nebensache
Trotz aller Neuerungen: Hausarbeit wird es auch in Zukunft geben. Aber gerade die technischen Finessen intelligenter Hausgeräte erleichtern die Arbeit enorm. Innovationen von Siemens helfen beim Energiesparen und schonen die Umwelt.
Waschmaschine im Usability-Labor: Experten von Corporate Technology testen die Nutzerfreundlichkeit von Hausgeräten. Sie sollen für jeden Anwender – unabhängig vom Alter – einfach zu bedienen sein
Von einem neuen Hausgerät erwarten die Kunden mehr Leistung, Bedienerfreundlichkeit und innovative Funktionen. Doch mehr und mehr achten sie heute auch auf Energieeffizienz. Die Hersteller haben den Trend erkannt und bieten verstärkt strom- und ressourcenschonende Produkte an. So hat die Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH (BSH) eine Spülmaschine entwickelt, deren aquaSensor III das Wasser permanent auf Trübstoffe kontrolliert und je nach Verschmutzungsgrad Wassermenge und Spülzeit einstellt. Das spart Wasser, bei optimaler Reinigungswirkung.
Auch andere Geräte arbeiten mit Köpfchen: Einige Waschmaschinen von Siemens haben einen Beladungssensor, der das Gewicht in der Trommel mittels zweier sich gegeneinander verschiebender Magnete misst und daraus Dosierungsempfehlungen für Waschmittel und Wasser ableitet. 1970 benötigte eine Waschmaschine eine Badewanne voll Wasser, nämlich 200 l, für einen Waschgang mit 5 kg Wäsche. Heute sind es nur 43 l für 6 kg.
Der Spartrend ist auch in der Küche spürbar: Induktionsmulden erwärmen nur noch den Topf, nicht aber sich selbst, und arbeiten so weitaus schneller und sparsamer als konventionelle Kochstellen. Sie erhitzen zwei Liter Wasser von 15 auf 90 °C in 4,7 Minuten; ein Glaskeramikkochfeld braucht dafür 9,9 Minuten. Der Stromverbrauch eines Kühlschranks reduzierte sich – unter anderem dank neuer Isolationstechniken und leistungsfähigerer Kompressoren – seit 1990 um bis zu 75 %.
Backofen mit Lift. Weitere Innovationen zielen auf Ergonomie. So stellte Siemens 2006 den Wandbackofen liftMatic vor. Der nach unten absenkbare Glaskeramikboden ist zugleich Ofentür und Backblech. Beim Öffnen fährt der Boden mit dem Braten oder Kuchen herunter und Koch oder Köchin können von drei Seiten bequem darauf zugreifen. Zudem nutzt der liftMatic die Eigenschaft heißer Luft, nach oben zu steigen. Dadurch bleibt die Wärme im Innenraum besser erhalten. Bequemlichkeit bieten Modelle, die das Putzen erheblich erleichtern. Ihre Selbstreinigungsfunktion zersetzt bei bis zu 500 °C alle organischen Rückstände zu Wasser und Kohlendioxid. Anorganische Reste zerfallen zu Asche, die sich wegwischen lässt. Die Umgebung ist durch Mehrfachglasscheiben, besondere Dämmmatten und ein Verriegelungssystem vor den hohen Temperaturen geschützt.
Obwohl künftig immer mehr ältere Menschen in ihren eigenen vier Wänden leben werden, steckt hinter dem Mehr an Komfort nicht nur die demographische Entwicklung. "Auch jüngere Menschen nehmen die Arbeitserleichterungen dankbar an", sagt Klaus Wissmann, der mit seinen Kollegen im User Interface Design Center von Siemens Corporate Technology einfach zu bedienende Geräte gestaltet und die Nutzerfreundlichkeit von Produkten testet. "Ein Hausgerät muss für jeden Anwender effizient und komfortabel zu bedienen sein – unabhängig vom Alter." Waschmaschinen der Zukunft sollen etwa anhand von RFID-Etiketten in den Textilien erkennen, wie viele und welche Art Kleidungsstücke in der Trommel liegen. Eine schwarze Socke zwischen der weißen Wäsche würde die Maschine melden. Passen die Wäschestücke zusammen, wählt das Gerät dann selbsttätig das geeignete Programm und die optimale Wasser- und Waschmittelmenge.
Schon heute kommunizieren Hausgeräte mit dem Anwender, sogar mobil via Internet. So lässt sich die Frage, ob die Herdplatte noch an ist, einfach mit dem Handy klären; der Benutzer kann sie mit der serve@Home-Technik sogar aus der Ferne ausschalten (sieheSmartHome in Pictures of the Future, Frühjahr 2004). In Zukunft werden vernetzte Hausgeräte ganz selbstverständlich sein, weil sie auch zur Ressourcenschonung beitragen. Durch Anbindung an eine Haussteuerung kann der Nutzer beispielsweise beim Verlassen der Wohnung mit einem Befehl gleichzeitig Heizung, Beleuchtung und Hausgeräte bedienen, also die Temperatur nach unten regulieren sowie Herd und Licht abschalten. Die Erwartungen an diese Technik sind allerdings durchaus unterschiedlich, wie Klaus Wissmann erklärt: "Während in den USA bei solchen Szenarien eher der Komfort im Vordergrund steht, ist es in Deutschland die Sicherheit".
Von dieser Entwicklung profitieren alle Nutzer: Ein neuer Siemens-Kühlschrank lagert empfindliche Lebensmittel bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und hält Fisch, Fleisch oder Milchprodukte bis zu dreimal länger frisch als bei herkömmlichen Kühltemperaturen. Diese vitaFresh-Technik verzögert chemische Zerfallsprozesse und bewahrt die Nähr- und Geschmacksstoffe besser. Dabei gibt es für kälteempfindliche Lebensmittel wie Obst oder Gemüse Lagerbereiche mit höheren Temperaturen und höherer Luftfeuchtigkeit. Denkbar wäre künftig auch die Lagerung unter einer speziell schützenden Innenatmosphäre. So bleiben Vitamine besser erhalten, und Einkäufe sind weniger oft nötig.
War die Küche in den vergangenen Jahrzehnten vor allem ein funktionaler Raum, verschmilzt sie heute zunehmend mit dem Wohn- und Essbereich und rückt ins soziale Zentrum. Darauf reagieren auch die Entwickler: Wer in geselliger Runde kocht, will beispielsweise keine Spülmaschine, die stundenlang mit der Lautstärke eines kleinen Wasserfalls arbeitet. Deshalb ist Geräuschdämmung wichtig. Türen schließen besonders leise, und bei einer Lautstärke von nur 42 dB stört der Spüler keine Unterhaltung. Wenn Hausgeräte in Zukunft derart effizient, sparsam und komfortabel sind, dann dürfen sie auch mal einfach nur Spaß machen: Einen Kühlschrank mit LCD-Bildschirm, auf dem in der Küche der Lieblingsfilm läuft oder über dessen Lautsprecher die Lieblings-CD erklingt, gibt es bereits.
Dagmar Braun