In aller Kürze
Sind heute noch Innovationen denkbar, die 20 Jahre von der ersten Idee bis zur Marktreife brauchen? Wie entwickelt man Neuerungen, die ganze Branchen revolutionieren? Und wie geht man mit solchen um, die viel versprechend sind, aber zugleich drohen, das eigene, längst etablierte Geschäft zu kannibalisieren?
Wie lässt sich das Not-invented-here-Syndrom vermeiden? Können langsame, evolutionäre Verbesserungen ebenso erfolgreich sein wie geniale Durchbruchs-Innovationen?
Wie ticken Innovatoren, was treibt sie an? Wie schaffen sie es, die unterschiedlichsten Hürden zu überwinden? Und was sind ihre Erfolgsrezepte: Sind es kreative Freiräume, mutige Visionen und motivierte Teams? Wie entscheidend sind die Netzwerke nach innen und außen und die engen Kontakte zu den Kunden?
All diese Fragen beantwortet das neue Buch "Innovatoren und Innovationen – Einblicke in die Ideenwerkstatt eines Weltkonzerns" mit einem Blick hinter die Kulissen der Siemens-Labors. Es erzählt 30 Geschichten von Innovatoren aus allen Siemens-Bereichen und etlichen Regionen, die einige der erfolgreichsten Innovationen der jüngsten Zeit schufen. Dies reicht von der Piezo-Einspritztechnik für Automobile bis zu neuen Computer- und Magnetresonanz-Tomographen, von der Halogenlampe bis zur Industrieautomatisierung, vom Gassensor für die Gebäudetechnik bis zur Gasturbine für die Energieversorgung.
Es gibt viele Managementbücher, die beschreiben, wie Innovationen idealerweise entstehen: mit den richtigen Strategien, Werkzeugen und Prozessen. Doch die Wirklichkeit ist fast immer komplexer, und die Wege zur Innovation sind verschlungener als in der Theorie. Dieses Buch voll authentischer Erfahrungen – verpackt in anregende Geschichten – will Innovatoren Mut machen, Neues zu wagen, und Firmen ermuntern, ein geeignetes Umfeld zu schaffen, um exzellente Innovatoren zu gewinnen, zu fördern und zu fordern. In diesem Sinne kann es für alle von Nutzen sein, die an den komplexen Prozessen von der ersten Idee bis zum erfolgreichen Produkt beteiligt sind: ob in Forschung und Entwicklung, Marketing, Produktion und Vertrieb, Strategie und Innovationsmanagement, Organisation und Unternehmensleitung. Zu beziehen ist das Buch beispielsweise über: www.siemens.de/innovation/buch
Einfach bedienbar: AySystem hat ein großes Display, das auch als Notfallknopf programmiert werden kann
Es ist eine mobile Alarmanlage, ein Fitnesstrainer oder ein Überwachungsgerät für pflegebedürftige Personen. Das vielseitige AySystem, das Siemens im Frühjahr 2007 vorgestellt hat, besitzt ein Mobilfunkmodul sowie Sensoren für Geräusche, Temperatur und Bewegung und ist um Funktionen wie Kamera oder GPS-Ortung erweiterbar. Die Nutzer können AySystem über einen eigenen Internetzugang aus der Ferne steuern. Bei der Alarm-Funktion etwa im Auto, im Ferienhaus oder als Babyfon stellen die Anwender Schwellenwerte für Temperatur oder Geräuschpegel ein. Werden diese über- oder unterschritten, sendet das Gerät über das Mobilfunknetz eine SMS oder baut eine Gesprächsverbindung auf. Bei der Überwachung pflegebedürftiger Personen hilft der Bewegungssensor. AySystem benachrichtigt die Betreuer, wenn eine Person gestürzt oder bewegungslos ist. Da AySystem ans Internet angebunden ist, kann es auch als Aufzeichnungsgerät für Bewegungen dienen – etwa für Jogger, Mountainbiker oder Taxibetriebe. Angeboten werden soll das System mit Mobilfunkbetreibervertrag oder über Prepaid-Karte.
Umweltfreundlich und sicher: Der Pflanzenölkocher von BSH ist besonders für Schwellenländer geeignet
Ein speziell für Entwicklungsländer konzipiertes Kochgerät macht die Zubereitung von Speisen sicherer und umweltfreundlicher. Der handliche Kocher verwendet erstmals herkömmliches Pflanzenöl. Der regenerative Brennstoff stößt im Gegensatz zu Holz und anderen fossilen Brennstoffen nahezu keine Schadstoffe aus. Der Kocher, der mit einem Preis von etwa 30 € für die meisten Menschen erschwinglich ist, wurde inzwischen erfolgreich auf den Philippinen getestet. Jetzt wird vor Ort die Produktion aufgenommen. Tests in Tansania und weiteren Ländern sollen folgen. Weltweit kocht mehr als ein Drittel der Menschheit an offenen Feuerstellen. Vor allem in Schwellenländern verwenden die Menschen oft Holz und setzen sich dadurch großen Gefahren aus. Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jährlich mindestens 1,6 Millionen Menschen an den Folgen: Die Nutzer atmen große Mengen Schadstoffe ein oder erleiden schwere Verbrennungen. Das von der BSH Bosch und Siemens Hausgeräte entwickelte Gerät Protos funktioniert wie ein Camping-Kocher: Hat der Nutzer mit einer Luftpumpe in einem mit Pflanzenöl gefüllten Tank einen Druck von bis zu 3 bar erzeugt, fließt das Öl durch eine Leitung in ein so genanntes Verdampferrohr am Brenner. Dort erhitzt es sich dank der Wärme der Kochflamme, verdampft und verbrennt schließlich. Die BSH wurde bei der Entwicklung unter anderem in einem Public-Private-Partnership-Projekt vom deutschen Entwicklungshilfeministerium und der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft unterstützt.
RFID-Blutbeutel: Temperatursensor überwacht Verarbeitung
Zur lückenlosen Überwachung von Spenderblut hat Siemens zusammen mit Partnern eine umfassende Lösung auf der Basis von RFID entwickelt. Damit können Transfusionen künftig noch sicherer gemacht werden. Mit der Identifizierung über die Funkchips ist ein Verwechseln von Blutkonserven nahezu ausgeschlossen. Darüber hinaus enthält das System einen Temperatursensor, mit dem auch eine stetige Kontrolle der Kühlkette möglich ist. Heute müssen Blutkonserven oft vernichtet werden, weil die Temperatur während der verschiedenen Prozessschritte nicht oder nur mangelhaft überwacht wurde. Die RFID-Chips mit Temperatursensoren sind an den Blutbeuteln aufgeklebt. Mit funkbasierten Lesegeräten ist die Temperatur jederzeit abrufbar. Die RFID-Chips müssen extremen Bedingungen standhalten: Bei der Herstellung müssen sie einen Sterilisations- und Pasteurisierungsprozess überstehen; bei der Verarbeitung werden die Blutbeutel zudem mit bis zu 5000-facher Erdbeschleunigung zentrifugiert. Die RFID-Chips bestanden alle diese Härtetests. 2008 soll das System nach einer Prüfung der Zulassungsbehörden einsetzbar sein.
Starke Leuchtkraft: Die Ostar Lighting ist für die Allgemeinbeleuchtung geeignet
Osram hat eine Leuchtdiode entwickelt, die erstmals eine Leuchtkraft von mehr als 1000 lm besitzt. Damit übertrifft der kleine Punktstrahler bei wesentlich geringerem Stromverbrauch die Helligkeit einer 50-W-Halogenlampe und ist so für den breiten Einsatz in der Allgemeinbeleuchtung bestens geeignet. Die Ostar Lighting kann beispielsweise einen Schreibtisch aus 2 m Höhe ausreichend beleuchten – wobei sie wegen ihrer geringen Größe zudem gänzlich neue Lampenformen ermöglicht. Sie soll im Sommer 2007 auf den Markt kommen. Die 1000 lm der Ostar Lighting realisierten die Experten der Siemens-Tochter Osram mit einer ausgeklügelten Chip-Packungsdichte. In das enge Gehäuse integrierten die Forscher sechs Hochleistungs-Leuchtdioden. Jede hat eine Fläche von nur 1 mm². Insgesamt erreicht die Ostar Lighting eine extrem hohe Effizienz: je nach Betriebsstrom bis zu 75 lm/W – Glühlampen schaffen nur 12 lm/W.
Dr. Stamm mit Turbinenschaufel: 52 Erfindungen eingereicht
Mit einem Mix aus exotischen Metallen hat Dr. Werner Stamm von Siemens Power Generation in Mülheim an der Ruhr Gasturbinenschaufeln wesentlich verbessert. So gelang es ihm, in Verbindung mit aufgespritzten Keramiken Brenntemperatur, Wirkungsgrad und Lebensdauer der Bauteile zu steigern. Die Turbinen verwerten nun den Brennstoff effizienter und tragen damit zur Reduktion des Kohlendioxidausstoßes bei. In Gasturbinen herrschen an den Schaufeln, auf die das heiße Verbrennungsgas trifft, Temperaturen von mehr als 1000 :°C. Um die Schaufeln zu schützen, entwickelte Stamm eine wesentlich stabilere Schutzschicht, als bisher üblich war. Er nutzte dafür verschiedene Metalle, darunter auch das kaum bekannte Rhenium. Durch eine optimale Mischung der Materialien entsteht eine Schicht, die zugleich als Oxidationsschutz und als Haftvermittler für Wärmedämmschichten dient. Das Rhenium mit seinem extrem hohen Schmelzpunkt von etwa 3 200 °C erhöht insbesondere die Hitzebeständigkeit. Stamm ist einer der zwölf Erfinder des Jahres 2006 von Siemens. Seit 15 Jahren arbeitet er im Unternehmen; 52 Erfindungen hat er eingereicht. Er schätzt an seiner Arbeit besonders, dass er den gesamten Produktlebenszyklus seiner Produkte auf einen Blick überschauen kann: vom Grundwerkstoff über die Schichten bis hin zum Endprodukt, den Schaufeln der Gasturbinen.
Einblick in den Körper: Schnelle und sichere Kathetereingriffe
Um Ärzten minimal-invasive Eingriffe zu erleichtern, ermöglicht ihnen Frank Sauer einen Blick ins Innere des Körpers während der Operation. Ärzte können so diese Katheteroperationen, bei denen sie ein kleines Instrument über eine Vene in den Körper einführen, leichter ausführen. Die Methode des Forschers von Siemens Corporate Research in Princeton, New Jersey, macht die Eingriffe auch sicherer und leichter zu erlernen. Bisher ist die Sicht des Arztes sehr eingeschränkt, weil er die Organe nicht direkt sehen kann. Das neue Verfahren liefert ihm dagegen ein Überblicksbild, anhand dessen er den Katheter führen kann. Mit Aufnahmen von Magnetresonanz- oder Computertomographen erstellt Sauer zunächst ein dreidimensionales Abbild des Patienten. Während der Operation wird das medizinische Instrument dank eingebauter Positionssensoren ins Bild eingeblendet. So kann der Arzt verfolgen, wo sich die Katheterspitze befindet. Die neue Methode entwickelten Sauer und sein Team in Zusammenarbeit mit dem Geschäftsgebiet Angiographie-, Fluoroskopie und Röntgensysteme von Siemens Medical Solutions und dem Partner Biosense Webster. Die Möglichkeiten des Verfahrens sind noch lange nicht ausgeschöpft. Sauer will die Positionsanzeige der Geräte mit Bildern verknüpfen, die während des Eingriffs entstehen. So könnten Ärzte bei Gefahren sofort eingreifen.