Infrastrukturen – Trends
Lebensadern der Gesellschaft
Infrastrukturen sind oft Netzwerke im Hintergrund – für Produktion und Warenaustausch, die Versorgung mit Strom, Wasser sowie Telekommunikation und Verkehr. Für die Lebensfähigkeit einer Volkswirtschaft sind sie unverzichtbar. Siemens hat wie keine andere Firma innovative Lösungen für all diese Bereiche. Sie sorgen für mehr Komfort und Lebensqualität – in den entlegensten Gegenden ebenso wie in Megacities und Ballungszentren.
Basis der Zivilisation: Leistungsfähige Infrastrukturen für Verkehr, Wasserversorgung und Großveranstaltungen waren im alten Rom ebenso unentbehrlich wie heute
Das Erfolgsrezept des alten Rom war buchstäblich in Stein gemeißelt: Tausende Kilometer gut ausgebaute, gepflasterte Straßen durchzogen das antike Weltreich und ermöglichten einen regen Warenverkehr und schnelle Eroberungszüge. Mächtige Aquädukte versorgten die Städte über weite Entfernungen mit frischem Wasser, und prächtige Stadien hielten das Volk bei Laune. Eine gute Infrastruktur war Ursache und Symbol für wirtschaftlichen Erfolg und gesellschaftlichen Fortschritt. Daran hat sich seit 2000 Jahren nicht viel geändert.
"Heute gilt dieses Prinzip umso mehr", meint Dr. Michael Bobik, Leiter des Studiengangs Infrastrukturwirtschaft / Urban Technologies an der Fachhochschule Joanneum im österreichischen Kapfenberg. "Unsere Wirtschaftsstruktur und unsere Art zu leben ist mittlerweile so spezialisiert, dass wir ohne ausgebaute Infrastruktur gar nicht mehr existieren könnten." Das betreffe vor allem die urbanen Zentren, betont der Wirtschaftsingenieur: "Stellen Sie sich nur einmal vor, dass in einem Ballungszentrum an einem kalten Wintertag längere Zeit der Strom ausfällt – die Folgen wären fatal."
Und der Bedarf an Infrastrukturlösungen wird weiter zunehmen. Grund ist die wachsende Weltbevölkerung, Hand in Hand mit der rasanten Urbanisierung. Die Großstädte wirken wie ein Magnet: 1975 gab es nur vier Megacities mit über zehn Millionen Einwohnern – New York, Tokio, Shanghai und Mexico City. 2015 werden es mehr als fünfmal so viele sein. Tokio etwa wird 36 Millionen Bürger haben – die heutige Gesamtbevölkerung Argentiniens.
2030 werden nach Berechnungen der Münchener Rückversicherung bereits über 60 % der Weltbevölkerung in Städten leben. Diese fünf Milliarden Menschen haben dann eines gemeinsam: Sie wollen jeden Tag schnell zur Arbeit gelangen, mobil sein und grenzenlos kommunizieren. Sie benötigen sauberes Wasser, eine effektive Abwasserversorgung und große Mengen an Energie – möglichst, ohne die Umwelt übermäßig zu belasten. "Dazu bedarf es einer hervorragenden Infrastruktur", gibt Bobik zu bedenken. "Doch schon heute stößt sie an ihre Grenzen – vor allem in Asien und den Entwicklungsländern, die von der Urbanisierung am stärksten betroffen sind. Das wird zu einer Herkulesaufgabe."
Moderne Infrastrukturen für Verkehr und Wasser: Transrapid-Station in Shanghai (links) und Trinkwasser-Aufbereitungsanlage in Singapur (rechts)
Dieser Herausforderung kann Siemens wie kein anderes Unternehmen begegnen, denn als einer der weltweit größten Infrastrukturanbieter besitzt es umfassendes Know-how und Erfahrung – das reicht von Stromerzeugung und -versorgung über Wasseraufbereitung bis zu Mobilität, Gesundheitsnetzen und Kommunikation. Auch die jüngsten Portfolio-Ergänzungen passen hervorragend dazu: etwa die Fachleute für Energieübertragung und -verteilung der österreichischen Firma VA Technology AG. Oder das Know-how des Windkraftanlagen-Herstellers Bonus Energy, des Getriebespezialisten Flender oder von Wheelabrator Air Pollution Control, einem Experten für Emissionsminderung von Kraftwerken. Mit seinem Portfolio kann Siemens nachhaltige Lösungen für fast alle Infrastruktur-Aufgaben bieten.
Besonders großer Bedarf besteht im Energiesektor. Bis 2030 dürfte nach der internationalen Energieagentur der weltweite Energieverbrauch um über die Hälfte zunehmen (Fakten und Prognosen). Gefragt sind deshalb hocheffiziente Kraftwerke, die Strom günstig und umweltfreundlich produzieren. Im süddeutschen Irsching hilft Siemens z.B., ein Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk (GuD) mit einem Gesamtwirkungsgrad von 60 % zu errichten – 1,6 Prozentpunkte höher als bislang irgendwo auf der Welt realisiert (Effiziente Kraftwerke). Auch für die Energieübertragung hat Siemens innovative Lösungen parat. In Australien bringt die längste Seekabelverbindung der Welt Strom aus Wasserkraft von der Insel Tasmanien zu Verbrauchern auf dem Festland (Stromübertragung via Seekabel – HGÜ). Dank moderner Technik geht dabei kaum elektrische Energie verloren.
Siemens stillt aber nicht nur den Energiehunger, sondern kümmert sich etwa im Wüstenstaat Abu Dhabi auch um den "Durst" – denn dort ist Wasser wie Strom ein gefragtes Gut. Benötigt wird die Energie vor allem für die rasant wachsende Industrie und die vielen Neubauten. Abhilfe schafft seit Sommer 2004 ein GuD-Kraftwerk, gekoppelt mit einer Meerwasserentsalzungsanlage (GuD und Meerwasserentsalzung). Die Siemens-Anlage ist die weltweit leistungsfähigste ihrer Art. Sie liefert 1 500 MW elektrische Leistung, soviel wie ein Kernkraftwerk. Zugleich produziert sie täglich 450 000 m3 Trinkwasser – genug für eine Großstadt.
Ein Versorgungsproblem hat auch Singapur veranlasst, sich an Siemens zu wenden. Der Stadtstaat kämpft mit akutem Trinkwassermangel. Mit Regen- und Grundwasser lässt sich nur die Hälfte des Bedarfs decken, der Rest muss aus dem benachbarten Malaysia importiert werden. "Als kleine Insel mit vier Millionen Menschen haben wir keine andere Wahl, als in fortschrittlichste Infrastruktur und Technologie zu investieren", sagt Dr. Tony Tan, ehemals stellvertretender Ministerpräsident von Singapur (Interview Tony Tan). Die innovative Lösung war eine Wasseraufbereitungsanlage von Siemens, die Abwasser mit Membranfiltern und UV-Desinfektion wieder in hochreines Nass verwandelt. Diese Recyclinganlage produziert täglich 40 000 m3 Trinkwasser. Bis 2012 will Singapur Wiederaufbereitungskapazitäten für 210 000 m3 pro Tag aufbauen, um damit 20 % seines gesamten Wasserverbrauchs zu decken.
Siemens macht mobil. Auch Verkehrsnetze sind ein wesentlicher Bestandteil der Infrastruktur – insbesondere in Ballungszentren. "Leistungsfähige Straßen- und Bahnverbindungen sind die Voraussetzung für Produktion und Warenaustausch", sagt Infrastrukturexperte Bobik. So verfügte der Großraum Bangkok mit zehn Millionen Menschen bis Ende der 90er Jahre über kein Massenverkehrsmittel, entsprechend groß waren Verkehrschaos und Umweltverschmutzung. Seit 1999 sorgt die Hochbahn Skytrain von Siemens für Entlastung. Mittlerweile nutzen fast 400 000 Fahrgäste pro Tag den neuen Zug. Vor zwei Jahren bekam Bangkoks junges Nahverkehrssystem weiteren Schub: Seitdem leistet eine U-Bahn dem Skytrain Gesellschaft – gebaut wurde sie ebenfalls von Siemens. Dazu soll noch in diesem Jahr ein Flughafenzubringer kommen, der Fahrgäste in nur 15 Minuten zum 28 km entfernten Airport befördern wird (Nahverkehr Bangkok).
Erheblich weitere Strecken wird ein Schnellzug am anderen Ende der Welt zurücklegen. Ab Sommer 2006 verkehrt der Velaro E mit 350 km/h zwischen den spanischen Metropolen Madrid und Barcelona (Hochgeschwindigkeitszüge). Die 650 km lange Strecke wird der schnellste Personenzug der Welt in zweieinhalb Stunden bewältigen – bislang dauerte die Fahrt mehr als sechs Stunden.
Derartigen Komfort und Lebensqualität bietet die Infrastruktur vor allem in Industrieländern. Bislang vernachlässigte Regionen würden von neuen Techniken allerdings noch stärker profitieren, denn dort herrscht der dringendste Bedarf – so verursacht nach UN-Angaben etwa eine fehlende oder mangelhafte Wasser-Infrastruktur in Entwicklungsländern über 80 % aller Krankheiten und mehr als ein Drittel aller Todesfälle. Auch fehlt vielerorts der Anschluss ans Strom- und Telefonnetz und damit die Grundlage für Krankenhäuser oder Schulen.
Grundlegende Infrastrukturen hat Siemens in einigen Ländern Afrikas und in Vietnam geschaffen (Abgelegene Regionen / Entwicklungsländer): So liefert das Unternehmen seit etwa drei Jahren Wasseraufbereitungsanlagen und Solaranlagen in Dörfer Gabuns. "Für die Menschen ist dadurch eine neue Ära angebrochen", freut sich der Ingenieur Henri Randriamanana. In Nigeria ist Siemens sogar schon seit den 50er Jahren engagiert und hat dort 70 % des Telefonnetzes aufgebaut. Kenia soll schon bald mit einem modernen Glasfasernetz ins globale Breitbandnetz integriert werden. In Südafrika dagegen ist ein Teil des Gesundheitswesens schon in der Zukunft angekommen, etwa im Inkosi Albert Luthuli Central Hospital in Durban. Das Krankenhaus wurde von Siemens mit neuesten medizinischen Geräten ausgerüstet und arbeitet komplett papierlos – sämtliche medizinische Daten werden dabei in einer elektronischen Akte gesammelt. Das macht das Krankenhaus zur modernsten Klinik des schwarzen Kontinents. Infrastruktur ist auch hier Ursache und Symbol für wirtschaftlichen Erfolg und gesellschaftlichen Fortschritt – wie vor 2000 Jahren, im alten Rom.
Florian Martini