Infrastrukturen – Szenario 2020
Zurück in die Zukunft
Ein alter Mann auf großer Fahrt: Der chinesische Rentner Jun Yang sitzt im Transrapid nach Shanghai. Seinem Enkel Li schildert er per Mail fasziniert und ein wenig erschrocken seine Eindrücke von der Reise in die Megacity des 21. Jahrhunderts: vom Fliegen auf Schienen, von U-Bahnen ohne Fahrer, von einstmals trüben Gewässern, aus denen man nun trinken könnte, und von einem Hotel mit spukenden Geistern...
@ Li, mein lieber Junge, endlich finde ich Zeit, Dir zu schreiben – denn die Zeit vergeht offenbar immer schneller, je weiter ich mich von meinem kleinen Dorf entferne. Heute morgen saß ich noch auf dem Sattel meines alten Fahrrads und bin zur Bushaltestelle geradelt. Fast eine Stunde habe ich für die Strecke gebraucht, obwohl sie nur 10 km lang ist. Aber Du weißt ja: Ich bin nicht mehr der Jüngste und die Straße ist staubig. Jetzt sitze ich in einem sonderbaren Zug ohne Räder, der auf einem Magnetfeld schwebt. In Hangzhou bin ich in dieses Gefährt umgestiegen. Es sieht eher aus wie ein Pfeil und saust in nur 20 Minuten bis nach Shanghai – das sind 160 km! Vor 30 Jahren habe ich dafür mehrere Stunden gebraucht. Ich habe aus dem Fenster gesehen, aber mir ist schlecht geworden: Die Landschaft jagt so schnell vorbei, dass ich nicht mal die Bauern auf den Feldern erkennen konnte. Wobei: Ich glaube, da draußen gibt es gar keine Bauern und Felder mehr. Nur riesige Hochspannungsleitungen, breite Straßen und Städte springen mir ins Auge. Ich habe dann versucht, mich auf die Geschwindigkeitsanzeige im Zug zu konzentrieren. Das war ein Fehler: 430 km/h – da ist mir sofort wieder übel geworden. Glücklicherweise sitzt mir gegenüber ein höflicher Herr. Er hat mir erklärt, was da draußen vorbeisaust. Das war interessant und hat mich abgelenkt: Diese kolossalen Stromleitungen etwa können Energie verlustfrei auf Entfernungen von über 1000 km übertragen. Gespeist werden sie von Kraftwerken, die fast keine Abgase mehr ausstoßen. Leider muss ich jetzt Schluss machen, denn mein Akku ist bald leer. Der ehrenwerte Herr hat übrigens auch einen Laptop, allerdings mit einem komischen durchsichtigen Display. Sein Gerät hält eine ganze Woche durch, behauptet er. Energie bekommt es von einer Brennstoffzelle, die eine Art Alkohol tankt. Ich hab’s Dir ja immer gesagt: Ein ordentlicher Schluck bringt alles auf die Beine – selbst Computer.
@ Lieber Li, Ich habe meine Gegenwart hinter mir gelassen – und bin in der Zukunft angekommen. Shanghai war schon damals ein Ameisenhaufen. Doch jetzt ist er in Stahl und Glas gefasst und doppelt so groß. Ich fühle mich etwas verloren zwischen den riesigen Häuserschluchten und Menschenmassen. Doch im Gegensatz zu früher scheint alles geordneter, und selbst die Luft ist reiner. Ein Polizist hat mir erklärt, dass die meisten Autos mittlerweile Hybridfahrzeuge sind und manche sogar einen Brennstoffzellen- oder Wasserstoffantrieb haben. Den Verkehr regeln so genannte Telematiksysteme, deshalb gibt es auch nicht mehr so viele Staus. Die meisten Menschen nutzen aber sowieso das riesige U-Bahn-Netz. Genau das habe ich dann auch gemacht, soll es doch der bequemste Weg zu meinem Hotel sein. Du wirst nicht glauben, was mir dabei widerfahren ist: Als ich in die U-Bahn einsteigen wollte, habe ich bemerkt, dass es keinen Zugführer gibt. Sie fährt komplett automatisch. Das war mir nicht geheuer, doch aussteigen ging nicht – die Menschenmenge hat mich einfach in den Zug zurück- gedrängt. Ich habe meine Augen geschlossen und gehofft, dass ich sicher ankomme. Doch meine Furcht war unbegründet, denn die Fahrt war ruhig und alles ging sehr schnell. Als ich die Augen wieder geöffnet habe, war ich schon da. Das Schönste dabei: Man muss nicht einmal mehr selbst aussteigen – das besorgen schon die anderen Fahrgäste.
Das Hotel, das Du mir liebenswürdigerweise gebucht hast, liegt übrigens direkt am Suzhou Creek. Der ist mittlerweile blau – letztes Mal war er trüb und roch. Ein freundlicher Herr am Ufer meinte, das sei der sehr effektiven Abwasseraufbereitung zu verdanken. Dadurch habe das Wasser schon seit ein paar Jahren eine hohe Qualität, ich solle doch mal einen Schluck probieren. Die Teestube ein paar Meter weiter war mir aber doch sympathischer.
@ Li, Du Wirrkopf, Du hast mich in einem Spukschloss untergebracht, nicht in einem Hotel! Als ich mein Zimmer betreten wollte, hat sich das Licht von alleine angeschaltet, die Jalousien sind wie von Geisterhand hochgefahren und eine schmeichelnde Frauenstimme aus dem Nichts hat mich willkommen geheißen. Und was noch schlimmer ist: Vor meinem Fenster schwimmen leibhaftige Haie! Ich bin ins Bad geflüchtet, um über diese rätselhaften Vorfälle in Ruhe nachzudenken. Dort hat mich gleich der nächste Schrecken ereilt: Im Spiegel erschien plötzlich ein dunkel gekleideter Herr, der mir die Neuigkeiten aus aller Welt vorgelesen hat. Li, Du weißt, dein Großvater ist kein ängstlicher Mensch. Aber dieses sonderbare Zimmer habe ich doch recht eilig verlassen. Sobald ich meinen Fuß auf den Gang gesetzt habe, ist das Licht übrigens wieder ausgegangen und alles war so still, als sei nie etwas passiert.
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