Infrastrukturen – Katastrophenhilfe
Erste Hilfe für die Infrastruktur
Das Jahr 2005 wurde von einer Vielzahl von Naturkatastrophen überschattet – der Tsunami in Asien, die Hurrikans in den USA und das Erdbeben in Pakistan sind nur einige Beispiele der zerstörerischen Kraft der Natur. 145 Millionen Menschen waren nach Angaben des Internationalen Roten Kreuzes betroffen. Millionen wurden obdachlos, ganze Infrastrukturen zerstört. Um die Not nach solchen Katastrophen zu lindern, koordiniert Siemens seine internationalen Aktivitäten im Caring-Hands-Programm. Die Niederlassungen vor Ort helfen direkt mit Spenden, die weltweit von Siemens-Mitarbeitern gesammelt und vom Unternehmen dann nochmals verdoppelt werden. Auf diesem Weg konnten zum Beispiel knapp 5 Mio. € für die Opfer des Tsunamis und 3 Mio. US-$ für die betroffenen Regionen des Hurrikans Katrina gespendet werden. Technisches Gerät stellt Siemens ebenfalls zur Verfügung – dies ist vor allem als Übergangslösung wichtig. Denn eine gestörte Wasserversorgung kann etwa für die Menschen ebenso gefährlich sein wie die Katastrophe selbst.
Sebastian Webel
Am 26. Dezember 2004 zerstörte eine Serie von Tsunamis weite Landstriche Südostasiens und riss mehr als 220 000 Menschen in den Tod. Bereits wenige Stunden nach dem Unglück reparierten Siemens-Mitarbeiter in Indonesien zerstörte Kommunikationsanlagen. In Thailand ließ der Siemens-Bereich Industrial Solutions and Services sechs mobile Wasseraufbereitungsanlagen von seiner australischen Tochterfirma Memcor, einen Spezialisten für Wasserfilter, fertigen und liefern, und in Indien verteilte Siemens Medikamente, Kleidung sowie technische Haushaltsgeräte. "Eigentlich hätten alle Regionen, die vom Tsunami betroffen waren, diese Hilfen benötigt", sagt Patrick de Royer, der bei Siemens Corporate Development Strategy die Hilfe in den betroffenen Ländern koordinierte. "Aber wir mussten entscheiden, welche technische Unterstützung wir in welcher Region am effektivsten einsetzen konnten." Schnelle Hilfe durch geographische Nähe war daher gefragt. Memcor etwa ist in Australien seit einigen Jahren mit Wasseraufbereitungsanlagen engagiert – die dort erworbenen Erfahrungen konnte die Siemens-Tochter im nahen Thailand einsetzen. "In Indonesien dagegen sind wir im Kommunikationsbereich führend", erklärt de Royer. "Daher war es sinnvoll, dort die beschädigten Telekommunikationsanlagen wieder aufzubauen."
So viele Hurrikans wie in kaum einem anderen Jahr zogen 2005 über die USA. Besonders schwer wütete "Katrina": Mehr als tausend Menschen kamen in den US-Bundesstaaten Louisiana, Mississippi und Alabama ums Leben. Zehntausende verloren Hab und Gut. Große Teile der Infrastruktur wurden zerstört, Elektrizitätswerke überflutet. Doch vor allem die Stromversorgung war essenziell wichtig, um die Not der Menschen zu lindern und angeschlagene Wirtschaftszweige wieder aufleben zu lassen. "Daher mussten die Elektrizitätswerke schnellstmöglich instandgesetzt werden", sagt William Mertes, Geschäftsführer General Industry im Geschäftsgebiet Water Technologies von Industrial Solutions and Services. "Doch hierfür bedurfte es erst einmal sauberen Wassers, denn viele Kraftwerke benötigen zur Stromerzeugung Wasserdampf." Katrina hatte allerdings die Wasserversorgung zerstört und mit Tonnen von Schlick und anderem Unrat verunreinigt. "Diese Schmutzbrühe hätte den Werken einen ungemeinen Schaden zugefügt", erklärt Mertes. Daher stellte Siemens den Betrieben in den Katastrophengebieten Aufbereitungsanlagen zur Verfügung. "Damit konnten wir pro Anlage bis zu 2 500 l Wasser in der Minute säubern", freut sich der Experte. "Die Industrie konnte den Betrieb wieder aufnehmen, und die Region fing an, sich wieder zu erholen." Auch andere Siemens-Bereiche halfen schnell. Während Building Technologies Stromgeneratoren an Kliniken lieferte, stellte Medical Solutions tragbare Röntgengeräte im Houston Astrodome, einem der Hauptzufluchtsorte, zu Verfügung. Hochgeschwindigkeitsleitungen vernetzten die Geräte mit Krankenhäusern. Von dort konnten dann Ärzte die Röntgenbilder begutachten. Der Bereich Communications lieferte Internet-Telefone. Da konventionelle Telefonleitungen größtenteils zerstört waren, stellte eine Satellitenverbindung den Kontakt zur Außenwelt her.