Editorial
Partner für Megastädte
Dr. Klaus Kleinfeld ist seit Januar 2005 Vorsitzender des Vorstands der Siemens AG
Mitte 2007 werden erstmals in der Geschichte der Menschheit mehr Menschen in Städten leben als außerhalb. Die zunehmende Urbanisierung zeigt sich am deutlichsten in den so genannten Megacities. Bis 2015 wird deren Bevölkerung von heute 280 Millionen Menschen um 70 Millionen zunehmen. Ein Hauptgrund für dieses starke Wachstum ist die wirtschaftliche Attraktivität der Metropolen. Ich nenne nur drei Beispiele: Erstens Tokio: Heute leben dort 35 Millionen Menschen – mehr als in ganz Kanada. Tokio allein generiert 40 % des japanischen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Zweitens Bangkok: Die 6,5 Millionen Einwohner Bangkoks tragen 35 % zur Wirtschaftsleistung Thailands bei. Drittens Paris: Hier leben heute so viele Menschen wie in Belgien und sie erwirtschaften 30 % des BIP Frankreichs.
Zusätzlich zur Attraktivität als Arbeitsort versprechen sich die Menschen von einem Leben in der Stadt natürlich auch eine bessere medizinische Versorgung, bessere (Aus-)Bildungschancen, kulturelle Vielfalt, komfortables Wohnen und einen effizienteren Zugang zum Wissens-, Kommunikations- und Handelskosmos des Internets. Dieses Bündel von Fakten und Erwartungen führt dazu, dass die Anforderungen an die Verkehrs- und Kommunikationsinfrastruktur, die Versorgung mit Energie, Wasser, Medizin und industriell gefertigten Gütern in den Ballungszentren besonders hoch sind. Und wenn es um Infrastruktur geht, dann kommt Siemens ins Spiel!
Mit unseren innovativen Produkten, Systemen, Lösungen und Dienstleistungen können wir die Herausforderungen der zunehmenden Urbanisierung als Geschäftschancen nutzen: Es sind unsere Nahverkehrssysteme, die das Verkehrsaufkommen in Bangkok bewältigen helfen (siehe Nahverkehr Bangkok); es sind unsere Gebäudeautomatisierungs-, Sicherheits- und Telematiklösungen, die dabei helfen, Großveranstaltungen wie die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland zu realisieren (siehe Sportstadien); und es sind unsere innovativen Kraftwerke, die in Kombination mit Meerwasserentsalzungsanlagen schnell wachsende Städte wie Abu Dhabi City mit dem versorgen, was sie am dringendsten brauchen – Trinkwasser und elektrische Energie (siehe GuD und Meerwasserentsalzung). Dass man beim Thema Wasser darüber hinaus auch ganz neue Wege beschreiten kann, zeigt unsere Lösung aus Singapur (siehe Porträt Singapur). Dort verwandeln unsere Systeme täglich 40 000 m³ Abwasser in Trinkwasser. Bis 2012 will die Stadt ein Fünftel ihres Wasserbedarfs mit diesem so genannten NEWater decken.
Um große Dimensionen geht es traditionell in den Vereinigten Staaten. Nicht umsonst heißt es "if you make it there you can make it everywhere". Wie erfolgreich wir hier sein können, unterstreicht das Projekt Citycenter in Las Vegas (siehe Hotelkomplexe). Auf einer Fläche von fast 27 ha errichtet die MGM MIRAGE-Gruppe mit Siemens als Partner eine "Stadt in der Stadt" – in der rekordverdächtigen Zeit von 50 Monaten. Entstehen wird dort ein Hotel mit 4 000 Betten, 1 650 Luxuseigentumswohnungen und 50 000 m&2sup; für den Einzelhandel, Restaurants und natürlich Unterhaltungsmöglichkeiten. Die Komplexität des Projektes wird durch zwei Faktoren erhöht: Erstens erwartet MGM MIRAGE von unserer Technik, dass sie auch im Jahr 2010 noch zum Innovativsten auf dem Markt gehört; und zweitens möchte der Kunde im wahrsten Sinne des Wortes "grünes Licht" vom U.S. Green Building Council (USGBC), einem Regierungsprogramm, das nachhaltiges und umweltschonendes Bauen – auch finanziell – belohnt. Unser bereichsübergreifendes Siemens-One-Team hat aufgrund seines umfassenden Konzepts schließlich den Zuschlag erhalten – ein Auftrag im Wert von über 100 Mio. US-$. Gratulation!
Diese Projekte sind einige Appetithäppchen aus diesem neuen Heft von Pictures of the Future. Ich hoffe, sie wecken bei Ihnen dasselbe Gefühl wie bei mir – Lust auf mehr!