Remote Services – Fakten und Prognosen
Vernetzung treibt Fern-Services voran
Fernwartung und damit verbundene Dienstleistungen werden in den nächsten Jahren stark wachsen. In industriellen Anwendungen werden diese Dienste nach einer Analyse der Gartner Group bis 2010 von heute 13,7 Mrd. US-$ um etwa 21 % pro Jahr auf 35,7 Mrd. US-$ wachsen (siehe Grafik). Dazu trägt vor allem die Nachfrage nach IT-Dienstleistungen bei – z.B. Unterstützung bei Konfiguration und Software-Updates, Security Services zur Beseitigung von Sicherheitslücken oder Diagnose- und Hotline-Support zur Fehleranalyse.
Im prozesstechnischen Anlagenbau steigt nach einer Analyse der schweizerischen Intechno-Consulting aus dem Jahr 2003 der Weltmarkt für Dienstleistungen aller Art, also etwa Machbarkeitsstudien, Projektmanagement, Einkauf oder Anlagenfinanzierung von 42,6 Mrd. US-$ im Jahr 2000 auf 70 Mrd. US-$ im Jahr 2010. "Umsätze mit Dienstleistungen können ein von der Konjunktur unabhängiges und ertragsstarkes Zusatzgeschäft schaffen", sagt Prof. Horst Meier, Lehrstuhlinhaber für Produktionssysteme an der Ruhruniversität Bochum. Nach Untersuchungen des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) erzielen Maschinenbau-Unternehmen im Durchschnitt 25 % ihres Umsatzes mit Services.
2005 erreicht der Europamarkt für Systeme zur Fahrzeug-Ferndiagnose 1 Mrd. €
Wachstum auf breiter Front: In der Automobilindustrie wird vorausschauende Wartung immer bedeutender (oben – Quelle: Frost & Sullivan, 2002). Industrielle Anwendungen (unten – Quelle: Gartner Group [2000], CT SM ) sind bereits ein Milliarden-Markt: Etwa ein Fünftel geht in die Hard- und Software, 72 % in Remote-Service-Zentren
2010 umfasst der industrielle Remote- Service-Markt fast 36 Mrd. US-$
Kommunizierende Maschinen. Dienste aus der Ferne lassen sich vielfach erst effizient einsetzen, wenn Maschinen und Anlagen untereinander über Festnetz, Mobilfunk oder Satellit kommunizieren können. Laut Forrester Research werden im Jahr 2005 bereits mehr Daten zwischen Maschinen ausgetauscht als zwischen Menschen. Bis 2020 sollen es 30-mal so viele sein. Das ist auch nicht verwunderlich, denn etwa sieben Milliarden Menschen stehen dann 50 Milliarden Maschinen mit Mikrocontrollern sowie Überwachungs- und Steuerungsfunktionen gegenüber. Vor allem die drahtlose Machine-to-Machine-Kommunikation (M2M) boomt (RFID). "Sie verwandelt praktisch jeden Gegenstand per Mobilfunk in ein vernetztes Objekt", erklärt José Costa e Silva, Leiter des Geschäftsgebiets Wireless Modules bei Siemens Communications. Gab es 2003 weltweit knapp 20 Millionen drahtloser M2M-Verbindungen von Stromzählern, Alarmanlagen, Verkaufsautomaten, Fahrstühlen, Zapfsäulen und Industriesteuerungen sowie bei Zügen, Pkw und Lkw, so soll sich diese Zahl nach einer aktuellen Studie von e?principles bis 2008 verfünfzehnfachen – auf über 300 Millionen. Beim Umsatz für drahtlose Module berichtet Costa e Silva über hohe Steigerungsraten von derzeit 34 % p.a. – zwar ausgehend von einem geringen Gesamtmarkt von unter 500 Mio. € in 2004, der aber bis 2008 auf etwa 1,75 Mrd. € ansteigen dürfte. Mit einem Marktanteil von 37 % ist Siemens hier weltweit Marktführer. Nach einer Prognose von Analyst Allied Business Intelligence (ABI) soll der gesamte Weltmarkt für M2M-Ausrüstungen und -Services bis 2008 etwa 20 Mrd. US-$ betragen.
30 Millionen vernetzte Haushalte. Bei der Fahrzeug-Ferndiagnose steigt nach einer Marktstudie von Frost & Sullivan der Umsatz in Europa von etwa 180 Mio. € im Jahr 2001 bis 2009 auf 1,88 Mrd. € (Grafik). Im Privatbereich rechnen Marktforscher von Datamonitor bis Ende 2005 mit fast 30 Millionen vernetzten Haushalten in Europa. Damit wäre dann innerhalb von drei Jahren der Anteil von vernetzten Haushalten in Europa von unter 5 % im Jahr 2002 auf nahezu 20 % angewachsen. Nach Angaben der Europäischen Kommission könnten sich elektronische Gesundheitsdienste wie Internet-Gesundheitsportale oder Online-Diagnose und -Therapieangebote neben Arzneimitteln und Medizintechnik zur drittgrößten Gesundheitsbranche entwickeln (Telemedizin). Das europäische Marktvolumen wird auf 11 Mrd. € geschätzt. Bis 2010 sollen 5 % der Gesundheitsausgaben in diesen Sektor fließen. Der Europamarkt für telemedizinische Anwendungen wie EKG im eigenen Heim, Ultraschalluntersuchungen oder Augen-Telescreening könnte nach einer aktuellen Analyse von Frost & Sullivan bei optimaler Entwicklung von 72 Mio. € (2003) auf 1,5 Mrd. € im Jahr 2011 wachsen – das wäre eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 42 %.
Sylvia Trage