Personalisierung – Trends
Heim auf Rädern
Zu Hause und im Auto verbringen wir einen Großteil unserer Zeit. Liebevoll eingerichtet und sorgsam gepflegt, spiegeln Wohnung und Fahrzeug die Persönlichkeit ihres Besitzers wider – und künftig sollen beide sogar mit ihm kommunizieren können.
Modulares Cockpit: Fahrer-, Beifahrer- sowie Mittelkonsole sind einzeln austauschbar, und die Displays können an die Wünsche des Benutzers angepasst werden
Das Auto der Zukunft soll dem Fahrer nicht nur den Weg weisen oder ihn mit Musik unterhalten, sondern ihm auch als Kommunikationszentrale mit seinem Zuhause dienen – etwa wenn er Fenster, Türen, Alarmanlagen oder Hausgeräte aus der Ferne überprüfen und steuern will. Bei der Rückkehr aus dem Urlaub die Heizung vor der Ankunft einzuschalten – das wäre ein Plus an Komfort und spart obendrein Energie. Voraussetzung ist die Verbindung zwischen Smart Car, dem intelligenten Auto, und Smart Home, dem vernetzten und steuerbaren Haus.
Dazu müssen die einzelnen Geräte und Sensoren des Hauses ihre Daten an einen beliebigen Empfänger, sei es das Handy oder auch das Infotainment-System im Auto, weiterleiten können. Den Kontakt vermittelt ein so genanntes Gateway, ein Knotenpunkt, den alle Datenströme passieren. Wird ein Alarm im Hausnetz ausgelöst, reagiert die Steuereinheit, schließt Fenster, Rollläden und Garagentore oder schickt eine Nachricht an eine Notrufzentrale. Vorstellbar ist auch die Rückfrage an den Besitzer: "Die Temperatur des Backofens beträgt 180 °, aber die Haustür wurde von außen verschlossen und es ist niemand mehr im Haus: Möchten Sie den Backofen ausschalten?" Kommt diese Frage als SMS, genügt als Antwort ein Tastendruck.
"Bei der Entwicklung von interaktiven Diensten rund ums Smart Home steht mehr denn je der Nutzen im Mittelpunkt, nicht das technisch Machbare", sagt Erich Kamperschroer, Leiter des Siemens-weiten Projekts Smart Home. "Denn zu viel an Automatisierung im persönlichen Umfeld kann der Einzelne als Bevormundung empfinden", ergänzt Dr. Hans-Gerd Krekels, Leiter Produktmanagement für Infotainment Solutions bei Siemens VDO Automotive. "Die Dienste, die wir entwickeln, lassen dem Nutzer die Wahl." So dürfte sich das Handy schon bald zur Fernbedienung für individuell zusammengestellte Steuerungsbefehle weiterentwickeln. Auch die Brücke zwischen Haus und Auto lässt sich so relativ leicht schlagen. Einfache Dienste wie das Abschalten von Hausgeräten testet Siemens mit Mobilgeräten bereits.
Doch wie wird das Handy mit Freisprechanlage, Radio oder Navigationssystem im Auto kombiniert? Die Antwort liefert das Bluetooth Kit von Siemens VDO. Es nutzt die Funktechnologie Bluetooth, um Handy oder Organizer kabellos zu integrieren. Die Nachricht vom Backofen nimmt der Fahrer dann künftig über einen Tastendruck an der Freisprecheinrichtung entgegen. Auch Adressdaten lassen sich vom Organizer einfach weitergeben: Die Infos zum Fahrtziel kommen über das Bluetooth Kit direkt ins Navigationssystem.
Auch bei der Hardware ist Personalisierung Trumpf: So etwa mit der neuesten Generation von PASE, dem Passive Start and Entry System von Siemens VDO, das den Schlüssel durch eine Chipkarte mit Transponder ersetzt. Nähert sich der Chipkarten-Besitzer dem Fahrzeug auf weniger als fünf bis sechs Meter, beginnt der automatische Authentifizierungsprozess. Das Auto hat den Code des "Schlüssels" bereits erfasst, bevor der Fahrer den Türgriff berührt. Innerhalb von Millisekunden sind dann die Schlösser entriegelt, Sitz- und Spiegeleinstellung fahren in die dem Kartenträger zugeordnete Position. Ähnliches gilt für die individuellen Einstellungen von Klimaanlage, Schiebedach, Gebläse und Radiosender – und künftig sogar für das dynamische Verhalten eines Schaltgetriebes oder der Federung. Will der Fahrer weiche, komfortable Stoßdämpfer oder eine harte, sportliche Federung? Auch das wird er individuell einstellen können. Adaptive Systeme von morgen sollen zudem typische Reaktionszeiten und Verhaltensmuster eines Fahrers erfassen und sich anpassen. Der Vorteil: Man erreicht ein Maximum an individuellem Fahrverhalten bei zugleich hoher Sicherheit.
Generell stehen Autohersteller allerdings vor dem Problem unterschiedlicher Lebenszyklen: So wird ein Pkw etwa alle sechs Jahre vom Nachfolgemodell abgelöst, während der Produktzyklus von Kommunikations- und Unterhaltungselektronik nur sechs bis zwölf Monate beträgt. Siemens VDO hat daher die so genannte Top Level Architektur (TLA) entwickelt. Mit dem serienreifen System miteinander verzahnter Hardware- und Software-Ebenen sind Updates und Ergänzungen jederzeit möglich. Auch nach dem Serienstart eines Automodells können dank TLA noch neue Dienste und Komfortfunktionen eingeführt werden. Der Entwicklungsaufwand sinkt dadurch erheblich. Künftig kann sich dann beispielsweise das Auto – noch während der Pendler am Frühstückstisch sitzt – schon über Staus informieren und ihm mitteilen, wann er losfahren muss und ob ein Stopp an der Tankstelle nötig sein wird.
Anja Stemmer