Personalisierung – Szenario 2020
Sag’s noch einmal
Ein Mann in den besten Jahren wird in ein High-tech-Krankenhaus aufgenommen. Hier ist alles wie für ihn maßgeschneidert: sein personalisiertes Wellness-Portal, die ärztliche Behandlung und sein wunderschöner weiblicher Avatar...
Im Jahr 2020 ist eine Vielzahl von Dienstleistungen personalisiert – so etwa auch im Krankenhaus der Zukunft. Dank individuell abgestimmter Diagnose- und Therapieverfahren gelingt es, Krankheiten oft schon zu besiegen, bevor sie gefährlich werden können. Und fürs Wohlbefinden der Patienten sorgen personalisierte Web-Portale – hier in einer 3D?Version – sowie persönliche virtuelle Helfer in Form von Avataren
Ein Himmel wie gemalt. Farbenprächtige Papageien schwirren durch die Wipfel der Urwaldbäume, und durch die dichten Zweige schweift mein Blick zu grünen Hügeln, die sanft zu einer Meeresbucht hin abfallen. Weiße Wellen laufen auf weite, leere Strände zu. Die Klänge der Tierwelt verschmelzen mit dem Meeresrauschen und dem Wind zu einer beruhigenden Musik. "Das ist genau, was ich jetzt brauche", denke ich, "mein persönliches Wellness-Portal. Keine Anrufe, kein..."
Die angenehmen Klänge werden plötzlich leiser, und Cynthia blendet sich in die Kulisse ein. Cynthia ist mein persönlicher Avatar und einfach perfekt – schließlich habe ich sie vom Klang ihrer Stimme bis zu den blonden Locken selbst entworfen. "Bob, Liebling, ich hoffe, die Operation hat dich nicht zu sehr mitgenommen. Dr. Richmond würde dich gerne sprechen..." "Richmond...? Ja sicher, gleich – Cynthia, habe ich dir eigentlich schon gesagt, wie wunderbar du ‘Liebling’ sagst?"
Dr. Richmond ist nicht irgendein Arzt. Er ist mein persönlicher "Arzt", und er kennt mich buchstäblich in- und auswendig. Eigentlich verkörpert er MIS, das Medizinische Informationssystem. Genauer gesagt: Er ist das MIS – eine personalisierte Echtzeit-Darstellung aller Gesundheitsinformationen, die man sich nur vorstellen kann. Ich habe gerade eine wichtige Operation hinter mir. Eine, die ich hätte vermeiden können. Schon seit Jahren hatten meine GenePro – das sind die Gen- & Proteintests – mich gewarnt, dass ich eine Veranlagung zu gefährlichen Ablagerungen in den Arterien hätte. Aber ich fühlte mich gut und ignorierte sie. Dabei hätte ich es eigentlich besser wissen müssen, weil ich für eine Pharmafirma arbeite. Dann ergab ein Test, dass sich die Lage deutlich verschlechtert hatte. Mein Hausarzt empfahl mir, mich gründlich durchchecken zu lassen, und sein Avatar vereinbarte einen Termin mit Cynthia. Zum Glück.
Ganz in der Nähe hatte ein großes Krankenhaus vor kurzem auf molekulare Bildgebungs- und Behandlungsmethoden umgestellt. Dort verpasste man mir eine Spritze mit einem Molekülcocktail – spezielle Markermoleküle, die an verschiedene Arten von Ablagerungen andocken, was die Ärzte wiederum mit einer speziellen Ganzkörper-Magnetresonanztomographie feststellen konnten. Ein paar Minuten später saß ich im Büro von Dr. Dana, einem jungen Radiologen.
"Hässliche Geschichte", meinte er und blickte auf seinen Flexifilm-Monitor. "Ihr MR-Bild zeigt an sieben Stellen instabile Ablagerungen. Da tickt eine Zeitbombe, wenn Sie mich fragen." Er redete nicht lange um den heißen Brei herum. "Wir lassen Richmond wissen, wann ein Termin für die Behandlung frei ist", sagte er und stand auf, was wohl soviel hieß wie: Das wäre dann ja wohl geklärt.
Prompt erschien Dr. Richmond am nächsten Tag auf meinem Infodisplay, als ich in der Küche stand und mir das Kochrezept anschaute, das mir mein Home System für heute empfahl. "Bob, wir haben für Sie ab nächsten Dienstag eine zweitägige Behandlung eingeplant." Eine Sekunde später erschien Cynthia. "Bob, Liebling, ich denke, dass es dir recht ist, wenn ich deine Bürotermine verschiebe, ja? Ich programmiere auch die Sicherheitseinstellungen fürs Haus und nehme deine Lieblingssendungen auf, falls du sie im Krankenhaus verpasst." "Danke, Cynthia", sagte ich, und ich war ihr wirklich dankbar. "Glaub mir, wenn du kein Avatar wärst: Ich würde dich glatt heiraten." Wie süß – sie wurde tatsächlich ein bisschen rot, bevor sie sich ausblendete und meine persönliche Entspannungsmusik erklang.
Als ich im Krankenhaus ankam, war es draußen noch dunkel. Ich meldete mich mit meiner Medicard und zwei Finger-Scans an, und bekam ein kleines Armband mit einem RFID-Transponder, der für die Ärzte die Serververbindung zu meinen Gesundheitsdaten sicherstellte. Prompt erschien auch Dr. Richmond auf meinem PDA und leitete mich in ein Behandlungszimmer in der therapeutischen Radiologie, wo Dr. Dana schon wartete.
Ich erhielt ein Beruhigungsmittel und eine Spritze mit Danas "Fluoreszenz-Markern": Moleküle, die nur leuchten, wenn sie mit instabilen Ablagerungen reagieren. Mit den MR-Bildern von letzter Woche als Orientierungshilfe und einer computergestützten magnetischen Navigation führte er dann eine Faser in meine Arterien ein, über die er die leuchtenden Zellen erhitzen und schließlich abtöten konnte...
Gerade als ich mich in den Klängen, den Papageien und dem Meer verloren hatte –, tauchte Cynthia wieder auf: "Bob, wie ich schon sagte: Dr. Richmond will dich sprechen. Scheint wichtig zu sein." Doch für mich war erst einmal etwas anderes wichtig: "Cynthia – sag doch noch einmal ‘Liebling’, ja?"
Arthur F. Pease
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